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Zum Geburtstag Blumen aus Stahl

Künstler Frantek P. Riedel Zum Geburtstag Blumen aus Stahl

Dass Metall keine leblose Materie ist, beweist der Künstler Frantek P. Riedel immer wieder. In seinem Atelier im Nauener Ortsteil Lietzow fertig er Skulpturen und auch Sitzmöbel. Mit Hilfe von Formen, Linien, Licht und Schatten haut er den Objekten Leben ein. Mit einigen war er auch bei der Bundesgartenschau 2015 vertreten.

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Diese „Stahlblüte“ ist noch nicht fertig – Frantek P. Riedel hat an diesem Kunstwerk noch einiges zu tun.

Quelle: Andreas Kaatz

Lietzow. Wenn Frantek P. Riedel seiner Frau zum Geburtstag einen Strauß Blumen schenkt, dann kann es durchaus auch mal was Extravagantes sein. Eine ganz besondere Sorte: Mit selbst gefertigten Blüten aus rostfreiem Edelstahl, auf ewig beständig. Stehen sie dann im Garten, dann wiegen sich die einzelnen Blumen manchmal im Wind, neigen sich einander zu, entfernen sich.

Genau das ist es, was der Lietzower mag, nämlich Bewegung. Für den Metallgestalter ist der Stahl keinesfalls ein starrer Werkstoff, vielmehr lebt er. „Es hat alles mit Bewegung zu tun, die auch durch Linien entsteht, durch Licht und Schatten“, sagt Riedel. Selbst seine Sitzmöbel folgen diesem Muster. Irgendwas lässt sich daran immer verschieben, verdrehen, abklappen, anheben und auch völlig umkehren.

Gemütliche Kunst

Gemütliche Kunst: Liegen von Riedel 2015 auf dem Buga-Gelände in Brandenburg an der Havel.

Quelle: privat

So wird aus einem Sessel ganz schnell eine Liege – durch einen fast schon simplen Mechanismus. Nur muss man darauf erst einmal kommen. Der 72-Jährige sorgt gern für diesen Aha-Effekt; fertigt Modell und Prototypen und tüftelt so lange, bis es passt. Immer nach dem Motto: Stahl lebt – Möbel bewegt.

Bewegte Stahlmöbel

Frantek P. Riedel ist am 21. Juli 1944 in Königsberg geboren. Von 1967 bis 1972 studierte er an der Werkkunstschule in Berlin.

Als freischaffender Künstler war sie von 1972 bis 1996 in Berlin aktiv. Sein Atelier „werkform design“ gründete er 1976. Schwerpunkt „bewegte Stahlmöbel“.

Den Preis des Kunsthandwerks Berlin erhielt er 1990. Teilnahme an diversen Design- und Kunstausstellungen, Werkschauen im eigenen Atelier.

Mit dem Umzug nach Lietzow wandte er sich mehr Kunstobjekten und Metallbildern zu.

Mehr unter werkformdesign-fpriedel.de

An Ideen mangelt es nicht, immer wieder muss er etwas entwickeln, muss den Geruch des Stahls bei dessen Verarbeitung wahrnehmen. „Man darf nicht sagen, was man gerne hätte, dann hat man es nämlich ganz schnell“, sagt seine Frau Christa Rosskothen und lacht. Überall im Haus, am Haus und auf dem Hof hat Frantek P. Riedel seine Spuren hinterlassen – ob Vordach, Küchenregale, Rankelgitter oder Stühle.

1997 haben die Berliner den Hof in Lietzow erworben, waren anfangs nur am Wochenende dort. 2000 folgte dann der Umzug ins Havelländische. „Für mich waren Freiheit, Licht, Luft und Weite die ausschlaggebenden Kriterien und dass wir hier deutlich mehr Platz haben für die Skulpturen“, sagt Riedel. Die mittlerweile hohen Mietkosten in Berlin für Wohnung, Atelier und Lager taten das ihre zu dieser Entscheidung bei. Und die B 5 vor der Haustür als schneller Weg nach Berlin ebenfalls.

„Havelwellen“ nannte Riedel diese Skulptur

„Havelwellen“ nannte Riedel diese Skulptur.

Quelle: Andreas Kaatz

Dabei ist es einem Zufall geschuldet, dass Riedel letztlich zur Kunst gekommen und Diplom-Designer geworden ist. Beinahe hätte er Elektroinstallateur gelernt, verpasste jedoch das Vorstellungsgespräch. So wurde er Schlosser und qualifizierte sich zum Formgestalter in Metall und Stein. Zusammen mit anderen Künstlern schloss er sich zum Atelier „werkform design“ zusammen und stattete Clubs, Bars oder Boutiquen mit ganz individuellem Interieur aus. Das macht er auch heute noch, aber nur gelegentlich.

Immer wieder fertigt er stattdessen Skulpturen an, bringt dabei unter anderem filigrane Formen in Schwingungen. Ein Höhepunkt war für ihn zweifellos die Bundesgartenschau 2015 im Havelland. „Das hat mich bekannter gemacht in der Kunstszene und es war damals eine große logistische Aufgabe für uns“, sagt der 72-Jährige rückblickend. Dort konnte er sechs Kunstwerke an drei Standorten ausstellen – in Brandenburg an der Havel, in Premnitz und in Havelberg.

Ein weiteres Kunstwerk für die Bundesgartenschau 2015

Ein weiteres Kunstwerk für die Bundesgartenschau 2015.

Quelle: privat

In Havelberg errichtete er die zweiteilige Skulptur „Havelwellen“, die heute wieder in seinem Garten steht. Auch in diesem Fall erweckt er das Metall zum Leben, indem er ihm eine spezielle Form verleiht und dem Spiel mit Licht und Schatten aussetzt. In Brandenburg waren die Doppelschaukelliegen der große Renner und in Premnitz ein Kugelwindspiel und die Wasserinstallation. „Das kam beim Publikum gut an“, Riedel. Er ließ die Besucher praktisch übers Wasser laufen.

Geht nicht, gibt’s nicht für den Metallgestalter: Manchmal greift er auch zu unkonventionellen Methoden, wenn es sein muss – beispielsweise als er die Skulptur „Das Gespräch“ fertigte, die heute vor der Klinik in Rathenow steht. Drei Stelen, denen er Münder verpasste und entsprechend zueinander gruppierte. Vorher hatte er sie in eine Autopresse gestellt und das Metall an den bestimmten Stellen erwärmt.

Dann wurde millimetergenau zugedrückt. Doch es geht auch mit viel weniger Aufwand. So gefällt Riedel an seiner Arbeit, dass er selbst mit einfachen Materialien gestalten kann und zeigt auf einen Tisch: „Hier habe ich gewöhnliche Winkelprofile verbunden und plötzlich entsteht ein Kreuz.“

Werke aus dem Zyklus „Havelland“

Werke aus dem Zyklus „Havelland“.

Quelle: Andreas Kaatz

Aber auch Ausflüge in die Welt der Bildermalerei kennzeichnen sein Schaffen. Wobei seine Malerei sehr speziell ist. „Ich nenne es Säureaquarelle“, sagt Christa Rosskothen. Für seinen Bilderzyklus „Das Havelland“ von 2013 bearbeitete der Künstler Messingplatten mit Säure. Bei den unzähligen Experimenten blieb so manches Hemd mit Löchern auf der Strecke – bis schließlich die perfekte Konzentration der Säure gefunden war. Das Rezept? Künstlergeheimnis!

Entstanden ist am Ende seine Interpretation des Havellandes. „Ich habe mit erdverbundenen Farben die Luchlandschaft dargestellt – die Feuchtigkeit, die Trockenheit –, aber auch den Gewitterhimmel, das Wasser der Havel. Jeder kann es für sich selber interpretieren“, meint der Metallgestalter.

Dass Frantek P. Riedel mal nichts macht mit Stahl, ist kaum vorstellbar. „Er sprudelt über vor Ideen“, sagt seine Frau schmunzelnd. Woraufhin er meint: „Ich bräuchte nur mehr Zeit, um das, was ich mir ausgedacht habe, umzusetzen.“

Von Andreas Kaatz

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