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Zwei Autos unter einem Baum

Rathenow Zwei Autos unter einem Baum

Das Bild von der Eiche, die beim Sturm Xavier in der Rathenower Gartenstraße umstürzte und zwei Autos unter sich begrub, sorgte landesweit für Aufsehen. Erhard Niendorf, dem eines der Autos gehört, erzählte der MAZ, wie er das dramatische Geschehen vor seiner Haustür erlebt hat.

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Erhard Niendorf vor den Überresten der Eiche, die sein Auto und das seiner Tochter unter sich begrub.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Es ist das Foto, auf dem die brutale Gewalt des Sturmtiefs Xavier augenscheinlich wird: Eine mächtige Eiche, die zwei Autos unter sich begraben hat.

Die Aufnahme entstand in der Rathenower Gartenstraße. Es war am Donnerstag um kurz nach vier. Erhard Niendorf saß schon seit einer Weile mit Frau und Tochter in der Küche und beobachtete mit Sorge, wie die Böen draußen immer heftiger wurden. Selbst die stämmige, über hundert Jahre alte Eiche vor dem Haus schwankte stärker, als man das von so einem mächtigen Baum erwartet. Und dann passierte es. „Wie in Zeitlupe“, sagt Niendorf. Der Baum neigte sich erst ganz langsam und krachte dann mit riesigem Getöse auf die beiden Autos – auf seinen Audi und den Toyota der Tochter. „Wir konnten gar nicht glauben, was wir gesehen hatten“, sagt der 65-Jährige. Es habe sich eher angefühlt wie ein Film.

Schockstarr blickten die Niendorfs sich an und wussten gar nicht, was sie tun sollten. Nach draußen trauten sie sich nicht, weil die Böen wie ein wildes Tier durch die kleine, sonst so ruhige Straße jagten. Erst als sich der Wind beruhigt hatte, schauten sie sich das Unheil an. Und wussten gleich: Da ist nichts mehr zu retten.

So sah es am späten Donnerstagnachmittag in der Gartenstraße aus

So sah es am späten Donnerstagnachmittag in der Gartenstraße aus.

Quelle: Kay Harzmann

In das ungläubige Staunen über diesen eruptiven Ausbruch der Naturgewalt mischte sich ein anderes starkes Gefühl: Das großer Erleichterung. Erhard Niendorfs Tochter Katja, die in Mögelin lebt, hatte um kurz vor vier ihren Aufbruch angekündigt. Sich dann aber dem Willen des Vaters gebeugt. „Du bleibst, bis das Gröbste vorbei ist“, hatte der gesagt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Tochter beim Fall des Baumes im Auto gesessen hätte.

Irgendwann am frühen Abend kam die Feuerwehr und schnitt die Autos frei. Wenig später holte ein Autohändler die Wracks ab. Zuvor hatte Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger sich bei den Niendorfs sehen lassen und erklärt, die Versicherung der Stadt werde sich um den Schadensausgleich kümmern. Denn schließlich sei es ja ein städtischer Baum, der umgefallen sei.

Am Morgen nach dem Sturm ist der Rentner immer noch angefasst von den Ereignissen vor seiner Haustür. Am Abend hatte er sich eine Flasche Bier genehmigt, um runterzukommen. Und war am Morgen mit Bauchschmerzen aufgewacht. „Wenn ich daran denke, was hätte passieren können, wird mir ganz anders“, sagt er.

Übrigens war nicht nur seine Tochter in Gefahr. Ein paar Minuten vor dem Sturz der Eiche – da wirbelten bereits schwere Äste durch die Luft – sei noch ein Jogger die Straße lang gerannt, sagt Niendorf. Und schüttelt den Kopf. „Was der für einen Schutzengel gehabt haben muss!“

Von Markus Kniebeler

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