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Zwei Jahre Bewährung für Messer-Überfall

Rathenow: 20-Jähriger vor Gericht Zwei Jahre Bewährung für Messer-Überfall

Ein 20-jähriger Rathenower, der sich wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten musste, hat noch mal Glück - er muss nicht ins Gefängnis. Zwei Jahre auf Bewährung hat ihm das Amtsgericht Rathenow für seinen Überfall auf ein Lottogeschäft mit einem Messer aufgebrummt. Der Täter gestand sofort.

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Im Rathenower Amtsgericht fand die Verhandlung statt.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. „Kasse auf, Geld her“, fordert Martin G. die Verkäuferin im Lottogeschäft in der Berliner Straße auf. Die Frau schreit den Mann, der mit einer Kapuze auf dem Kopf, Sonnenbrille und einem Messer in der Hand vor ihr steht, panisch an. Reflexartig drückte sie den Alarmknopf, woraufhin Martin G. sich umdreht und ruhig das Geschäft verlässt. Vier Monate ist das her, gestern musste sich G. für die Tat vor einem Jugendschöffengericht im Amtsgericht verantworten. Versuchte schwere räuberische Erpressung lautete die Anklage.

Der 20-jährige Täter gestand sofort und erklärte mit gesenktem Kopf, dass er sich in einer für ihn ausweglosen Situation befunden habe: „Ich wurde arbeitslos und das Arbeitsamt zahlte nicht. Ich hatte kein Geld für die Miete und wusste einfach nicht mehr weiter.“ Seine Tante half ihm aus. Von den Eltern habe er keine Hilfe erwarten können. Dort war er im November letzten Jahres ausgezogen, weil er es nicht mehr aushielt.

G.s Schilderungen des Tathergangs deckten sich mit den Aussagen der Zeugin, die ebenfalls vor Gericht geladen war. Die Bilder des Überfalls verfolgen die 54-Jährige bis heute. Unter Schluchzen schilderte sie, was sich am 27. Februar ereignet hatte. Trotz des schlimmen Erlebnisses brachte sie Verständnis für die oft schwierige Situation junger Menschen auf. Machte aber auch deutlich, dass das kein Grund für eine solche Tat sei. Sie hätte sich eine Entschuldigung von G. gewünscht

Die Jugendgerichtshilfe gab einen Einblick in das Leben des Angeklagten, der während der gesamten Verhandlung den Blick starr auf den Tisch richtete und weder Richter noch Zeugin ansah, sich aber überwand und ein „Es tut mir leid“ über die Lippen brachte. Im Januar hatte ihn sein Ausbildungsbetrieb gekündigt weil er die Prüfung zum Hochbaufacharbeiter nicht bestanden und den Termin für die Nachprüfung versäumt hatte. Zu spät meldete er sich beim Arbeitsamt und musste drei Monate auf Unterstützung warten.

G. war also zum Teil selbst verschuldet in akute Geldnot geraten, stellten Staatsanwaltschaft und Richter fest. Zugute hielt man ihm, dass er geständig war und die Tat selbst zur Anzeige brachte. Das hatten ihm Freunde geraten, die vermuteten dass er der gesuchte Täter ist.

Einig waren sich Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Richter, dass das Jugendstrafgesetz anzuwenden ist. G.s Persönlichkeit sei nicht voll entwickelt. Richter und Schöffen folgten der Staatsanwaltschaft und verurteilten Martin G. zu acht Monaten Freiheitsstrafe die zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Im ersten Jahr soll ein Betreuer dem jungen Mann an die Seite gestellt werden. „Wichtig ist, dass wir erzieherisch einwirken“, betonte Richter Axel Teckemeyer.

Von Christin Schmidt

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