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Zwei Rathenower entdecken Indien

Rathenow (Havelland) Zwei Rathenower entdecken Indien

Ein Sonnenaufgang im Himalaya, Leichenverbrennung am Ganges, atemberaubende Landschaften, traumhafte Strände, erdrückende Armut und herzliche Gastfreundschaft. Was die beiden Rathenower Susanne Meier und Robert Güse in den letzten Monaten in Indien, Nepal und Sri Lanka erlebt haben, könnte gegensätzlicher nicht sein.

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Susanne Meier und Robert Güse auf dem „Annapurna- Trek“ im Himalaya. Die Wanderung war für die beiden der Höhepunkt ihrer Reise.

Quelle: privat

Rathenow. Ohne Plan und ohne eine einzige Hotelbuchung, nur mit dem Ziel, für einige Monate ein Leben ohne Zeitdruck, Alltagsstress, Konsumterror und Verpflichtungen zu führen, brachen Susanne Meier und Robert Güse Ende Januar auf nach Goa. Vor den beiden Rathenowern lag eine sechsmonatige Reise durch Indien, Sri Lanka und Nepal.

Nun sind sie zurückgekehrt – tief beeindruckt, begeistert, aber auch ernüchtert. Die beiden sind durch atemberaubende Landschaften gereist, haben Heilige getroffen, unzählige Menschen kennengelernt und sich ihre bewegenden und tragischen Geschichten angehört. Susi Meier ließ sich auf Goa zur Yoga-Lehrerin ausbilden und Robert Güse wanderte mit einem Inder und seinem Kamel durch die Wüste.

Gemeinsam besuchten sie eine Kaffee- und Teeplantage und zahlreiche Schulen, sie wanderten durch den Himalaya mit Blutegeln am Bein und schauten in Varanasi bei der Verbrennung von Leichen zu.

Privatsphäre gibt es in Indien nicht

„Indien war unglaublich anstrengend, es ist laut, hektisch, chaotisch und es stinkt“, beschreibt Susanne Meier das Land. „Die Menschen sind sehr nett, aber du kannst nicht einmal fünf Minuten allein im Bus sitzen und aus dem Fenster schauen. Du wirst permanent angesprochen und musst dich non-stop unterhalten. Das ist natürlich nicht böse gemeint, aber unglaublich anstrengend“, so Meier.

Ähnlich hat das Robert Güse empfunden. „Privatsphäre gibt es in Indien nicht“, sagt Robert Güse. Immer wieder befühlten Frauen und Kinder erstaunt seine blonden Haare an den Beinen oder Fremde nahmen sein Smartphone und schauten sich ganz selbstverständlich die Bilder an.

In einem Kinderheim in Nepal praktizierte Susanne Meier um 5 Uhr mit den Mädchen und Jungen Yoga

In einem Kinderheim in Nepal praktizierte Susanne Meier um 5 Uhr mit den Mädchen und Jungen Yoga.

Quelle: privat

Den Gegenpol zum hektischen Indien fanden die beiden in Nepal. Einen Monat verbrachten sie dort, besuchten mehrere Schulen und halfen zwei Wochen in einem Kinderheim aus. „Jeden zweiten Tag habe ich um 5 Uhr früh mit 15 Kindern zwischen drei und 15 Jahren Yoga gemacht. Ein wirklich tolles Erlebnis“, schwärmt die 28-Jährige.

Der Höhepunkt der Reise war für die beiden Weltenbummler eine fünftägige Wanderung durch den Himalaya. „Dieser Blick vom Bett aus auf die höchsten Berge der Welt, das war die schönste Aussicht, die ich je hatte“, erinnert sich Güse. Beeindruckend sei auch der Sonnenaufgang auf einem Gipfel gewesen, in etwas mehr als 3000 Metern Höhe, umgeben von 8000 Meter hohen Bergen.

Frauen sind in Indien Menschen zweiter Klasse

Ein halbes Jahr in fremden Kulturen hinterlässt natürlich auch Spuren. „Indien hat mich zu einer richtigen Feministin gemacht. Der permanente Sexismus dort ist einfach unerträglich. Frauen sind Menschen zweiter Klasse, das habe ich immer wieder zu spüren bekommen. Diese Erfahrung hat mich sehr bewegt“, betont Susanne Meier.

Sie hat aber auch durchaus Positives mitgenommen: „Es klingt etwas blöd und esoterisch, aber es gelingt mir jetzt besser, jeden Tag zu genießen und bewusster zu leben, nicht alles so ernst zu nehmen. Sobald ich wieder im Alltag stecke, muss ich das sicher auffrischen.“

Robert Güse ließ sich von einem Inder durch die Wüste führen

Robert Güse ließ sich von einem Inder durch die Wüste führen. Nun möchte er dem Mann helfen, sich eine Existenz aufzubauen.

Quelle: privat

Auch Robert Güse hat das Abenteuer nicht unberührt gelassen: „Die fehlende Privatsphäre in Indien hat mich dazu animiert, mich mehr zu öffnen und nicht so viele Masken zu tragen, wie es bei uns oft üblich ist.“ Außerdem möchte er den Menschen in Indien etwas zurückgeben. Der Rathenower plant, einem Inder, der ihn durch die Wüste führte, einen Kredit zu geben, von dem der Mann für sich und seine Familie eine gesicherte Existenz aufbauen kann. Beispiele, die beweisen, dass so etwas funktioniert, habe er vor Ort gesehen.

Nicht zuletzt hat der 26-Jährige durch die lange Reise seine Heimat noch mehr schätzen gelernt. Die für die zweite Jahreshälfte geplante Südamerika-Tour hat Robert Güse abgesagt, um erst einmal Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen. „Ich habe unsere Reise in vollen Zügen genossen, mich aber auch gefreut nach Rathenow zurückzukehren.“

Susi Meier hat dagegen noch nicht genug. Sie hat sich schon wieder aus dem Staub gemacht und ist gerade in Natal in Brasilien gelandet. Auch dieses Mal hat sie keine Unterkunft gebucht – frei nach dem Motto: Raus aus dem Flieger, rein ins Abenteuer. Ihr Ziel: Spanisch und Tango tanzen lernen. Spätestens im April kommt sie zurück, dann steht eine Familienfeier an, die sie nicht verpassen will.

Robert Güse genießt den Ausblick auf die Berge in Nepal

Robert Güse genießt den Ausblick auf die Berge in Nepal.

Quelle: privat

Von Christin Schmidt

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