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Zwischen Rehwiese und Hirschsprung

MAZ-Serie Zwischen Rehwiese und Hirschsprung

Die MAZ-Serie „Zu Hause in...“ führt diesmal nach Waldheim. Um 1900 gegründet, wurde der Falkenseer Stadtteil zu einem beliebten, ruhigen Wohngebiet, zu dem nur eine Straße führt. Die Straßennamen schlagen die Brücke zur geografischen Lage zwischen Wald und Wiese.

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Heim im Wald: Seit mehr als einhundert Jahren wird in Waldheim gebaut und gelebt.

Quelle: Thomas Düsterhöft

Falkensee. Gleich hinter dem Falkenseer Hotel „Kronprinz“ fängt das im Jahr 1900 gegründete Waldheim an. Das ist der ruhige Teil von Falkensee, das sich ja auch schon den Ruf einer Schlafstadt erarbeitet hat. Das sagt schon viel über Waldheim aus: Die 904 Bewohner (so der Stand vom 23. Juni 2016) erfreuen sich einer allumfassenden Ruhe, wie sie sonst so nah an einer Großstadt kaum zu finden ist.

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Impressionen aus Waldheim

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Eine einzige Straße führt mit zugelassenem Maximaltempo 30 nach Waldheim hinein – und nach einem Bogen auch wieder aus ihr heraus. Hier haben die Anwohner alles im Blick, hier kennt jeder jeden. Als Treffpunkt gerade für die Familien mit Kindern dient der wohl größte Spielplatz in ganz Falkensee, der mit Rutsche, Seilbahn, Wippe, Boule-Bahn, Wasserpark, Tischtennis-Platte und weiteren Elementen ausgestattet ist - und das idyllisch im Schatten der Bäume. Er lockt als Geheimtipp auch die übrigen Falkenseer an, die eingeweiht sind.

Vom Hotel zum Alterssitz

Eine, die Waldheim von klein auf kennt, ist Claudia Szusgien. Ihre Eltern haben mit dem „Restaurant und Hotel Waldheim“ die einzig nennenswerte öffentliche Einrichtung in der Enklave ins Leben gerufen, die aber aus wirtschaftlichen Gründen bereits vor einigen Jahren geschlossen und durch den Alterswohnsitz Pré Vue ersetzt wurde. Claudia Szusgien sagt: „In Waldheim aufzuwachsen, war total schön. Alle Kinder kannten sich untereinander und konnten auf Wald und Wiesen miteinander herumtollen. Auch mit den zahlreichen Berliner Wochenendlern und deren Kindern und Enkelkindern gab es für mich als Kind ein schönes Miteinander. Nicht mal unser Hund ist damals von der Straße aufgestanden, wenn mal ein Auto vorbeigefahren kam.“

Nach der Wende ist die Anzahl der Bewohner in dem kleinen Gebiet Waldheim spürbar in die Höhe geschnellt. Nicht wenige der neuen Bewohner klagten anschließend über vollgelaufene Keller: Waldheim war schon immer umfassend bewaldet und auch sehr feucht. Aus diesem Grund hatte es früher auch den Namen „Faule Lake“.

Klage über Einbrecher

Und noch ein neues Problem quält die Bewohner – Einbrecher. Während sie im übrigen Falkensee eher ungestört ihrer Arbeit nachgehen können, hat Waldheim ein Auge auf sie. „Waldheim wacht!“ steht auf Schildern im einen oder anderen Garten. Sie weisen darauf hin, dass die Bewohner sich mit der kleptomanischen Bedrohung nicht abgefunden haben, sondern aktiv aufpassen.

Auch sonst üben die Waldheimer den Schulterschluss. Ende Mai wurde gerade erst wieder der Waldheim-umfassende Garagen-Trödel gemeistert, nun soll am 2. Juli ein großes Sommer-Fest begangen werden. Der Waldheimer Bürgerverein kümmert sich eben darum, dass sich die 904 kleinen und großen Bewohner kennenlernen und einander verbunden fühlen.

Kein Restaurant, kein Kiosk, kein Ladengeschäft: Tagsüber wirkt Waldheim wie ausgestorben und es gibt für Außenstehende wenig Grund, hierhin zu fahren. Es sei denn, sie fahren zum Hirschsprung, um Günter Kurzeja ihre Messer vorbeizubringen. Der alteingesessene Falkenseer schleift die Messer in Handarbeit für kleines Geld und sorgt so dafür, dass sie in der Küche wieder eine gute Figur machen. Er brummelt: „Die Leute sollen aufhören, ihre guten Messer in die Spülmaschine zu legen. Von den Salzen werden sie stumpf.“

Schlagen Falkenseer Kinder den Weg nach Waldheim ein, dann am liebsten, um Monika Bergmann und ihr Atelier „Kunstwerk Falkensee“ zu besuchen. Im Haus und bei gutem Wetter auch im Garten können die Kinder im Rahmen von Kursen malen, basteln und einfach einmal kreativ sein. Monika Bergmann: „Jeder ist ein Künstler, man muss ihn nur herauslassen.“

Noch ganz neu in Waldheim ist Marco Eichhorn, der vor vier Jahren aus Berlin ins Umland gezogen ist – der Kinder wegen. Marco Eichhorn sorgt für etwas Moderne in Waldheim, denn seit dem 1. Juni betreibt er hier das Tattoo-Studio InkDrips – gleich in Blickweite zur Rehwiese, auf der die Pferde der Reiter grasen: „Zurzeit kommen viele Falkenseer zu mir, die schlechte Erfahrungen mit anderen Studios gemacht haben, um ihre misslungenen Tattoos ausbessern oder überstechen zu lassen.“ Marco ist Grafikdesigner, zählt sich zur „New School“ der Tätowierer und sticht beherzt mit der Nadel zu. Dabei weist er auf einen Spruch an der Wand, der sagt: „Ja, es tut weh.“ Und während im Studio der Kunde die Zähne zusammenbeißt, schnarcht draußen der Hund auf der Türschwelle.

Galerie Mehr Bilder aus Waldheim im Internet unter www.maz-online.de/waldheim

Von Carsten Scheibe

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