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Friesack: So viele Flüchtlinge wie nirgend sonst

Gemeinde als Vorbild Friesack: So viele Flüchtlinge wie nirgend sonst

Friesack ist im Landkreis Havelland ein Vorbild, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht. Bezogen auf die Einwohnerzahl der Stadt leben nirgendwo sonst im Kreis mehr Flüchtlinge. Und noch wichtiger findet Kreissozialdezernent Wolfgang Gall die Art des Umgangs mit Flüchtlingen in dieser Stadt.

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Anke Bienwald vom Verein Partnerschaft für Demokratie.

Quelle: Joachim Wilisch

Friesack. Eine besonders große Stadt ist Friesack nicht. Und doch leben hier bezogen auf die Einwohnerzahl die meisten Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis Havelland. Um die zweieinhalbtausend Menschen leben in der Kommune, die vom Volksmund auch „Fliederstädtchen“ genannt wird. Man feiert das Pumpenfest, das Fliederfest, es gibt ein Rockfestival und es gibt eine Disco. Die Gemeinde ist ein Vorbild, findet auch Kreissozialdezernent Wolfgang Gall (CDU).

Kleine Stadt, wichtiger Standort im Landkreis

Obwohl klein, ist Friesack für den Landkreis ein wichtiger Standort. Nicht nur wegen der Flüchtlinge. Hier ist die Basis des Oberstufenzentrums Havelland, die Gebäude wurden vor 16 Jahren aufwendig saniert und erneuert. Hier war das Überbetriebliche Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft, jetzt gehört auch diese Immobilie dem Kreis, weil dort das neue Feuerwehrtechnische Zentrum errichtet wird.

Im OSZ und im ÜAZ war so viel Platz, da bot es sich an vorerst übergangsweise Flüchtlinge unterzubringen. Darunter ist auch ein Notbehelf. Die Notunterkünfte hat die Kreisverwaltung Havelland in diesem Jahr zuerst im Fokus. Nach und nach sollen sie in Dauerunterkünfte kommen. Im Westhavelland hat die Kreisverwaltung dabei auch Wohnungen im Visier. Bei der Sitzung des Kreistages vor zwei Wochen hatte der Landrat die Stadt Rathenow gelobt. Hier sei die Bereitschaft, mit dem Kreis in der Flüchtlingsfrage zusammenzuarbeiten, groß.

Die Begegnung ist zuerst wichtig

Derweil die Kreisverwaltung damit beschäftigt ist, die Ankömmlinge unterzubringen, kümmern sich verschiedene Initiativen um das Wohl der Flüchtlinge. In Rathenow sind es die Kirche und der Verein „Partnerschaft für Demokratie“. Anke Bienwald kümmert sich schon seit einiger Zeit um die Vereinsarbeit und macht deutlich, „dass wir uns zunächst begegnen wollen“.

Frühe Fluchtbewegungen

Im 15. Jahrhundert wurden die Juden aus Spanien vertrieben. Sie wurden im osmanischen Reich aufgenommen. Dieses hatte im Laufe der Folgejahre eine Blütezeit.

Im 17. Jahrhundert wurden die Hugenotten vertrieben. Kurfürst Friedrich Wilhelm nahm 20 000 Hugenotten auf, die das Land nach dem, Krieg wieder aufbauten. Die meisten Hugenotten gingen nach Belgien.

Der aktuelle Flüchtlingsstrom hat zur Folge, dass es in vielen Städten des Kreises Demonstrationen von so genannten Bürgerbündnissen gegen die Islamisierung des Abendlandes gibt.

Gleichzeitig haben sich Vereine und Verbände mit Kommunen zusammengetan, um dagegen zu halten.

Bei einer Tagung in Friesack, zu der zahlreiche Verbände und Initiativen eingeladen hatten, erläuterte Bienwald ihr Konzept. Vorrangig ging es bei dem Symposium um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. „Um die Demokratie zu stärken muss man den Dialog stärken, sagte Anke Bienwald in Friesack. Sie erinnerte an das Fußballturnier, das am vergangenen Wochenende in Friesack stattgefunden hatte und an dem Asylbewerber teilgenommen hatten. In Rathenow gibt es das Spiele-Café, zu dem sich Einheimische und Flüchtlinge treffen. Neu sind so genannte Interkulturelle Workshops.

Landesregierung verspricht bessere Unterstützung

Von Seiten der Landesregierung soll dieses ehrenamtliche Engagement besser unterstützt werden. Die Finanzierung der Willkommens-Initiativen sei der Landesregierung wichtig, hieß es in Friesack. Insgesamt rechnet man in Potsdam mit einem Anteil von 20 Prozent der Landesbewohner, die sich für Flüchtlinge und Asylbewerber engagieren. Zugleich gebe es einen Anteil von 60 Prozent, der die Flüchtlingspolitik ablehnt. Die rechte Szene nutze das aus.

Die rechte Gewalt im Land ist stark angewachsen – im vergangenen Jahr um 120 Prozent. Das wusste Markus Klein vom Mobilen Beratungsteam Potsdam. Der größte Anstieg seit 15 Jahren sei das und ein großer Teil sei unter die Klammer „rassistisch motivierte Angriffe“ zu bringen.

Asylpaket II verhindert Flüchtlingsaufnahme

Rechtsanwalt Volker Gerloff, der in Friesack in erster Linie über den Zugang zum Arbeitsmarkt sprach, erwartet, dass die aktuelle Politik Flüchtlinge eher abschrecken soll. Mit Blick auf das Asylpaket II sagte er, es enthalte viele herbe Verstöße gegen das Grundgesetz, die eigentlich vor dem Verfassungsgericht verhandelt werden müssen.

Von Joachim Wilisch

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