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Klares Bekenntnis gegen Fremdenhass

Kundgebungen in Rathenow Klares Bekenntnis gegen Fremdenhass

Zwei Demonstrationen auf einmal in der Innenstadt – das hatte Rathenow bisher auch noch nicht erlebt. Auf dem Märkischen Platz ein Bürgerbündnis gegen Asylmissbrauch, das bei genauerem Hinsehen eindeutig Pegida-Handschrift trägt. Nur einige Meter weiter ein Aktionsbündnis mit Parteien, Kirchen, Vereinen, Verbänden.

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Ein Herz aus Kerzen für ein offenes Rathenow.

Quelle: M. Kniebeler

Rathenow. Einwohner von Rathenow haben am Dienstagabend auf dem August-Bebel-Platz an der Post ein klares Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit abgelegt.

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Nachdem ein Bürgerbündnis für 18.30 Uhr zu einer Protestveranstaltung gegen Asylmissbrauch auf dem Märkischen Platz aufgerufen hatte, forderte kurz danach das Aktionsbündnis „Rathenow schaut nicht weg – Rathenow zeigt Flagge“ für 18 Uhr zu einer Gegendemonstration unter dem Motto „Mit Herz statt Hetze“ auf.

Rathenow zeigte am Dienstagabend Flagge gegen Fremdenhass

Rathenow zeigte am Dienstagabend Flagge gegen Fremdenhass.

Quelle: M. Kniebeler

Das Bürgerbündnis, das mit Forderungen wie „Unkontrollierte Zuwanderung stoppen!“ und „Keine Islamisierung des Abendlandes!“ auftrat, zog wohl an die 400 Interessierte an. Das Aktionsbündnis Rathenow wollte zeigen, dass es in der Stadt „keinen Platz für Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“ gibt, und brachte mehr als 300 Zuhörer zusammen.

Asylgegner versammeln mehr Menschen

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte Bürgermeister Ronald Seeger bei der Zusammenkunft. Rathenow sei und bleibe ein Ort der Vielfalt und Toleranz. Die Anwesenden seien gekommen, um zu zeigen: „Gewalt hat bei uns keine Chance.“ Einige hundert Flüchtlinge befänden sich in der Stadt und es wäre falsch, ­diese hilfsbedürftigen Menschen allein zu lassen. Die Rathenower Ärztin Margarete Steger sagte: „Wir sind hier, weil wir offen sind für Menschen in Not.“ Die Folgen der Kriege in Afghanistan, Irak und Syrien seien jetzt „an unserer Haustür angelangt“.

Unterkünfte für Asylbewerber in der Region

200 Plätze hat die Gemeinschaftsunterkunft am Birkenweg in Rathenow gegenwärtig. Sie gibt es dort schon seit vielen Jahren.

In Premnitz ist im Sommer 2014 eine Gemeinschaftsunterkunft eröffnet worden, die Platz für 83 Personen hat.

87 Plätze hat die Sammelunterkunft, die in Rathenow im März am Grünauer Weg aufgemacht wurde.

Zuletzt hat am Hasenweg eine Notunterkunft für 100 Menschen den Betrieb aufgenommen. Sie soll Ende des Jahres wieder geschlossen werden.

Mit seinem Auftreten gegen die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ stellte sich das Bürgerbündnis Havelland in eine Reihe mit den Pegida-Demonstrationen in Dresden. Es ist damit die erste Bewegung dieser Art im Landkreis. Als Verantwortlicher trat Christian Kaiser aus Rathenow-West auf. Von einer Mitarbeiterin des mobilen Beratungsteams Brandenburg gab es aber die Einschätzung, dass von der NPD im Hintergrund massive Unterstützung kam.

Kaiser verkündete noch am Abend, dass die Asylgegner auch am Dienstag kommender Woche wieder demonstrieren wollen. Belastbare Aussagen zum Wahrheitsgehalt dieser Ankündigung waren am Dienstag nicht mehr zu erfahren.

Räumliche Trennung verhindert Zusammenstöße

Die Rathenower City wirkte am Dienstag geschäftig wie lange nicht mehr. Die Straßen wurden nicht gesperrt. Der Polizei gelang es, die Gruppen strikt zu trennen – trotz der räumlichen Nähe.

Christian Kaiser sprach für die Asylgegner

Christian Kaiser sprach für die Asylgegner.

Quelle: M. Kniebeler

Beide Demonstrationen fanden statt vor dem Hintergrund wachsender Zahlen von Flüchtlingen und Migranten, die nach Deutschland kommen. In den letzten Monaten sind Entscheidungen gefallen, dass die nächsten Asylbewerberunterkünfte ausschließlich im Osthavelland geschaffen werden. So sollen im Dezember drei Traglufthallen in Nauen, Brieselang und wohl Falkensee mit zusammen 900 Plätzen eröffnet werden.

Weitere Unterkünfte mit zusammen rund 1 000 Plätzen werden im ersten Halbjahr 2016 in Schönwalde, Dallgow-Döberitz, Nauen und Falkensee gebaut. Noch bis zum 1. November sollen in Brieselang, Elstal, Falkensee und Schönwalde Notunterkünfte für rund 570 Asylbewerber eröffnet werden.

Von Bernd Geske und Joachim Wilisch

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