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Berge: Wo die Landwirtschaft zuhause ist

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Berge: Wo die Landwirtschaft zuhause ist

584 Menschen leben in Berge, das damit das größte der drei Nauener B 5-Dörfer ist – größer als Ribbeck und Lietzow zusammen. In den vergangenen Jahren ist dort einiges passiert: Straßen wurden saniert, die Häuser entlang der Ortsdurchfahrt können sich sehen lassen. Die Busanbindung ist gut, das Dorfleben entwickelt sich wieder. Einen Wunsch haben die Bewohner trotzdem.

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Bewohner des Jugendhofs in Berge mit den Therapiepferden Ole-Pünktchen, Karlotta und Karlson (von links).

Quelle: Tanja M. Marotzke

Berge. Geschäftsführerin Gudrun Klinner erinnert sich noch an die Zeit Anfang der Neunzigerjahre. Der Jugendhof war damals gerade frisch nach Berge gezogen. „Wir hatten einen Zivildienstleistenden mit tiefergelegtem Auto“, erzählt Klinner. „Der hat seinen Wagen immer vorne an der Bundesstraße abgestellt und ist das letzte Stück lieber zu Fuß gelaufen.“ Die meisten Straßen im Ort waren so kurz nach der Wende noch voller Schlaglöcher; wenn es geregnet hatte, waren die Wege voller Schlamm; Gehwege gab es keine.

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Ein fotografischer Rundgang durch Berge

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„Man muss es ehrlich sein: Berge war damals ein hässliches Entlein“, sagt Ortsvorsteher Manuel Meger (LWN). Hinzu kam, dass im Zuge der Wende viele Einrichtungen im Ort geschlossen wurden: Kita, Schule und Jugendklub, der Konsum und sämtliche Kneipen. „Hier wurde nach der Wende eigentlich alles abgeschafft“, sagt Meger. „Da hat Berge vielleicht auch ein bisschen geschlafen im Vergleich zu den anderen Ortsteilen.“

Trotzdem leben die Menschen gerne dort. 584 Einwohner sind es zurzeit, damit ist Berge das größte der drei Nauener B 5-Dörfer – größer als Ribbeck und Lietzow zusammen. Viele Straßen wurden saniert, auch die meisten Häuser entlang der Ortsdurchfahrt können sich mittlerweile sehen lassen. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich einiges getan“, sagt Manuel Meger. In Berge lebe es sich ruhig, aber trotzdem nicht abgeschieden, sagt Landwirt Peter Kaim: Mehrere Buslinien treffen sich im Ort, auch mit dem Rad ist das Dorf gut zu erreichen. Auch das Dorfleben ist zurückgekehrt: Der Jugendklub hat kürzlich wieder eröffnet, es gibt Angebote im Seniorensport und einen sehr aktiven Kirchenverein. Am Wochenende trifft man sich auf dem Fußballplatz beim SV Germania 90 Berge, dem einzigen Fußballverein in den drei B 5-Dörfern. „Eine Kneipe im Dorf wäre aber trotzdem schön“, meint Jessika Götsche, die im Ort eine Autowerkstatt betreibt. „Ein bisschen mehr könnte schon noch los sein.“

Mumien in der Kirchengruft

Potenzial für mehr Tourismus wäre durchaus vorhanden – es liegt jedoch vergraben in der Kirchengruft. Dort waren 1970 mehrere Mumien entdeckt worden. Deren Identität konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden; vermutlich handelt es sich aber um den Ritter von Hake, der im 15. Jahrhundert herrschte, und Agnes Sophie von Brose, die 1621 verstorben war. Weitere Mumien von Kindern liegen im Gewölbe unter dem Altar.

„Die Mumien könnten Berge landesweit bekannt machen“, sagt Ortsvorsteher Manuel Meger. Doch anders als in Kampehl (Ostprignitz-Ruppin), wo die Mumie des Ritter Kahlbutz jedes Jahr tausende Besucher anzieht, entschied sich der Gemeindekirchenrat in Berge die Mumien nicht zu vermarkten, um die Totenruhe zu wahren. Nur ganz selten ist der Zugang zur Gruft möglich. Die Kirche ist dennoch einen Besuch wert. Gleich zwei Altare gibt es dort – der kleinere von beiden stand früher einmal in der Kirche in Tietzow und kam erst nach Berge, als die Tietzower Kirche abgerissen wurde. Voraussichtlich ab 2018 soll dann der Turm der Berger Kirche saniert werden.

Königliches Gut

1292 war das Dorf erstmals urkundlich erwähnt worden. Besitzer war zunächst die Familie derer von Bredow; ab 1440 gehörte der Ort fast drei Jahrhunderte der Familie derer von Hake. 1720 kaufte schließlich der preußische König Friedrich Wilhelm I. das Gut. Berge war damals als Sitz des Amtes Nauen, zu dem auch Wachow, Gohlitz, Lietzow und Neukammer gehörten, das wichtigste Dort weit und breit.

Das Gutshaus in der Bahnhofstraße ist nicht mehr zu erkennen. Auf den alten Kellerfundamenten ist ein Mehrfamilienhaus errichtet worden, in zweiter Reihe hinter dem früheren Lehrlingswohnheim des volkseigenen Landwirtschaftsbetriebs aus DDR-Zeiten.

Einer der trockensten Orte Deutschlands

Ortsprägend sind deshalb vor allem die vielen Bauerngehöfte. Landwirtschaft spielte im Dorf immer schon eine große Rolle. Mit Helmut Biermann lebt in Berge einer der letzten Schäfer im Havelland; zudem gibt es am Ortsrand mit der Krabbenborg Gut Berge GmbH des Niederländers Stef Krabbenborg eine riesige Milchviehanlage, die wegen ihrer innovativen Melkstände gerade erst mit dem Wirtschaftsförderpreis des Landkreises ausgezeichnet wurde. Eine Institution ist die Landwirtschaftliche Versuchsstation der Berliner Humboldt-Universität, die sich um die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Produkte verdient macht. Dort befindet sich auch die Messstation des Deutschen Wetterdienstes. Deren Daten zufolge ist Berge übrigens einer der trockensten Orte in Deutschland.

Der Jugendhof als größter Arbeitgeber in Berge ist ebenfalls landwirtschaftlich geprägt. Auf dem Ökohof werden bis zu 18 benachteiligte und seelisch kranke Jugendliche betreut. Vormittags werden sie vor Ort unterrichtet, nachmittags kümmern sich ausgebildete Pädagogen um die Freizeitgestaltung. 1993 war der Jugendhof nach Berge gekommen, schon damals mit Gudrun Klinner als Geschäftsführerin. Anfangs, erinnert sich Manuel Meger, habe im Dorf eine gewisse Skepsis geherrscht, „aber mittlerweile ist der Hof längst im Ort angekommen.“ Inzwischen kann man ihn auch mit tiefergelegten Autos gut erreichen.

Von Philip Häfner

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