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Havelland Groß Behnitz: Ein Fleckchen Urlaub
Lokales Havelland Groß Behnitz: Ein Fleckchen Urlaub
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06:25 28.10.2016
Helmut Spanka angelt gern am Groß Behnitzer See. An diesem Tag jedoch nur wenige Fische, dafür umso mehr Wasserpflanzen. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Groß Behnitz

„Die Sonne brennt hernieder. An der Grenze des Westhavellandes, etwa sechs Kilometer von Nauen-Mitte entfernt, atmet man erleichtert auf; denn dort beginnen die hohen, schattenspendenden Chausseebäume. Halb rechts zweigt zu Beginn des Hochwaldes ein Weg nach Sandkrug ab. Tausend Lichter, tausend Schatten beleben in reizvollem Wechsel das schöne Bild.“

So poetisch hat die Havelländische Rundschau im Juli 1940 einen Ausflug nach Groß Behnitz beschrieben. An der schönen Lage des Dorfes inmitten von Wäldern und Feldern am Ufer des Groß-Behnitzer Sees hat sich seither nichts geändert. „Ohne patriotisch sein zu wollen, aber landschaftlich sind wir die Nummer eins“, meint Ortsvorsteher Wolfgang Jung (LWN). Auch weil Groß Behnitz, anders als die meisten Nauener Ortsteile, nicht von Windkraftanlagen umzingelt ist. „Als ich mit zwölf Jahren hierher gezogen bin, da war das für mich wie Urlaub“, erzählt die 21-jährige Melina Sachs. „Und eigentlich ist es das bis heute geblieben.“

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Landgut Stober

Man glaubt es kaum, wenn man heutzutage das imposante Areal des Landgutes Stober besichtigt, aber Groß Behnitz war einst ein reines Bauerndorf, das keinen Feudalritter als Gründungsherren hatte. Die Gutsherren logierten anfangs noch im benachbarten Klein Behnitz, erst Mitte des 17. Jahrhunderts zogen sie nach Groß Behnitz um. 1866 übernahm dann der Industrielle Albert Borsig das Gut und ließ es im Stil der Berliner Backsteinarchitektur umbauen. „Borsig hat viel edler gebaut als beispielsweise von Ribbeck“, sagt Wolfgang Jung. Über Borsigs Villa in Berlin-Moabit soll selbst Kaiser Friedrich Wilhelm IV. gesagt haben: „Mein lieber Borsig, so wie Sie möchte ich auch wohnen!“ Der Satz hätte aber genauso gut auf Groß Behnitz gepasst.

Nachdem das Landgut zu DDR-Zeiten teilweise als LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) genutzt wurde und nach der Wende zunächst leer gestanden hatte, kaufte es im Jahr 2000 Michael Stober. Es entstanden ein Restaurant, Räume für Veranstaltungen und eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Kreisauer Kreises, einer Widerstandsgruppe im Dritten Reich um Ernst von Borsig, die sich auch mehrfach in Groß Behnitz traf. Neben dem Landgut baute Stober zudem das erste Bio-zertifizierte Hotel der Region.

Der dickste Baum im Havelland

Etwas unterhalb liegt der Groß-Behnitzer See. Früher bildeten er und der Klein-Behnitzer See ein zusammenhängendes Gewässer, doch die Fläche beider Seen ist über die Jahrhunderte immer weiter geschrumpft. Trotzdem ist gerade der Groß-Behnitzer See nach wie vor ein beliebtes Naherholungsgebiet für Spaziergänger und Angler; lediglich schwimmen kann man darin kaum noch. Am Ufer steht eine alte Platane, 2,29 Meter im Durchmesser – der dickste Baum im Havelland.

Die herrliche Natur war sicher ein Grund, weshalb Groß Behnitz 2011 Kreissieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde und ein Jahr später landesweit Platz zwei erreichte. Mindestens genauso wichtig war für Juroren jedoch der große Zusammenhalt im Ort. „Das macht aus meiner Sicht die Stärke von Groß Behnitz aus. Ein Dorf ist immer nur so gut wie seine Bewohner und Vereine“, sagt Ortsvorsteher Wolfgang Jung. Und davon gibt es in Groß Behnitz einige: Die Feuerwehr, die in den vergangenen Jahren viel Zuwachs bekommen hat. Der Heimatverein, der es sich als Ziel gesetzt hat, die Verbundenheit der Behnitzer mit ihrem Heimatort zu vertiefen, dörfliche Traditionen zu pflegen und das kulturelle Leben zu fördern. Er wurde 1999 gegründet, mittlerweile hat der Verein 35 Mitglieder. Oder der Fußballklub Blau-Weiß Groß Behnitz, zu dessen Heimspielen oft mehr als 100 Zuschauer kommen. „Davon können die meisten Landesklassenteams nur träumen“, sagt Vorsitzender Fred Hoffmann.

Neue Wohngemeinschaft für Senioren

„Die Auszeichnung im Dorfwettbewerb war ein Kick für den ganzen Ort, von dem wir bis heute profitieren“, erzählt Wolfgang Jung. Er kann jeden Ort nur ermutigen, es Groß Behnitz gleichzutun und sich ebenfalls zu bewerben. Das Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro wurde für den Umbau der alten Schule in ein Dorfgemeinschaftshaus verwendet. Dort befinden sich heute der Jugendklub, ein Arztpraxis, die Heimatstube und der „Treff 46“, wo sich die Bewohner zum Mittagessen und zum gemeinsamen Plausch treffen. Hinter dem Haus steht das Gebäude der Feuerwehr.

Direkt daneben: die burgartige Kirche mit den Ruhestätten der Familie Borsig. Angrenzend, dort wo einst das alte Pfarrhaus stand, ist im Juni eine Seniorenwohngemeinschaft des Gemeinschaftswerks Soziale Dienste Nauen eingezogen. Sieben Zimmer bietet die Einrichtung. „Schön, dass dort wieder Leben eingekehrt ist“, sagt Wolfgang Jung. Dabei kann sich Groß Behnitz ohnehin nicht über mangelnden Zuzug beklagen: In den vergangenen Jahren sind 36 neue Häuser entstanden, 20 davon allein in Quermathen, das ebenfalls zum Ortsteil gehört. Auch viele Kinder sind zugezogen. Sie dürften sich darüber freuen, dass 2017 die örtliche Kita saniert werden soll.

„Die Behnitzer dürfen stolz auf die Schönheit ihres Dorfes sein“, heißt es in dem Reisebericht der Havelländischen Rundschau. Das findet auch Ortsbeiratsmitglied Eduard Dawid (LWN). Er meint: „Wer aus Nauen kommt und Groß Behnitz rechts liegen lässt, hat etwas falsch gemacht.“

Von Philip Häfner

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