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Klein Behnitz: Es kommt nicht auf die Größe an

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Klein Behnitz: Es kommt nicht auf die Größe an

Mit 210 Einwohnern scheint der Ort seinem Namen alle Ehre zu machen. Doch es ist nicht alles klein in Klein Behnitz: Nördlich des Dorfes liegt ein Findling mit einem Umfang von über fünf Metern und einer Masse von drei Tonnen; zudem ist der Heineberg mit 87 Metern eine der höchsten Erhebungen im Havelland. Und der ältere der beiden Behnitzer Ortsteile ist man sowieso.

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Quelle: Tanja M. Marotzke

Klein Behnitz. Im Jahr 1939 drehte Regisseur Gustaf Gründgens etliche Szenen seines Films „Zwei Welten“ in der Kirche von Klein Behnitz. Einen besseren Drehort hätte er sich bei dem Filmtitel nicht aussuchen können. Denn auch wenn das Dorf bei nur 210 Einwohnern seinem Namen auf den ersten Blick alle Ehre zu machen scheint und das Gotteshaus selbst als die kleinste quadratische Kirche Europas daherkommt: Es gibt auch noch eine andere Seite von Klein Behnitz. Nördlich des Dorfes liegt ein Findling mit einem Umfang von über fünf Metern und einer Masse von mehr als drei Tonnen; zudem ist der Heineberg mit seinen 87 Metern eine der höchsten Erhebungen im Havelland. Es ist also nicht alles klein in Klein Behnitz. Und der ältere der beiden Behnitzer Ortsteile ist man sowieso.

Schon 1173 war die Klinkmühle erstmals urkundlich erwähnt worden – 50 Jahre vor der Gründung von Groß Behnitz. Die Feudalherren beider Orte lebten lange in Klein Behnitz, erst im 17. Jahrhundert wurde Groß Behnitz zum Gutssitz. Bis heute pflegen die Menschen beider Dörfer enge Verbindungen. Der Heimatverein kümmert sich um beide Orte, die Jugendfeuerwehr wird kollektiv betrieben. Einen gemeinsamen Ortsteil kann man sich in Klein Behnitz allerdings nicht vorstellen: „Wir sind schon stolz auf unsere Eigenständigkeit“, sagt Verena Müller.

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Eine Bilderreise durch das ältere der beiden Behnitz-Dörfer

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Bis April 2016 war sie noch Ortsvorsteherin gewesen. Weil jedoch die beiden anderen Mitglieder des Ortsbeirates ihr Mandat niederlegten, löste sich das Gremium auf, seitdem ist das Amt des Ortsvorstehers nicht besetzt. Wann Neuwahlen stattfinden, ist offen. „Die Stadt Nauen müsste sich da auch ein bisschen mehr hinterklemmen“, meint Verena Müller. Den Menschen im Dorf fehle zurzeit ein Ansprechpartner, der ihre Interessen gegenüber der Stadtverwaltung durchsetzen kann. Einwohnerin Christa Papendorf glaubt trotzdem nicht, dass es alsbald zu einer Neuwahl kommen wird: „Ich habe den Eindruck, dass sie, wenn alles läuft so wie bei uns in Klein Behnitz, die Sache auch einfach mal laufen lassen“, sagt sie.

Tatsächlich fällt auch Verena Müller kaum etwas ein, woran es hapert. Straßen und Gehwege befinden sich in durchweg gutem Zustand, nur die Straßenbeleuchtung müsste mal saniert werden. Einen kleinen Laden wünschen sie sich in Klein Behnitz auch, aber da kann die Stadt wenig machen. Und die Kirche soll wiederbelebt werden. Bislang finden dort nur selten Veranstaltungen statt, dabei hat das Gebäude durchaus Potenzial. Zum diesjährigen Nauener Ortsteilfest, das von Klein Behnitz ausgerichtet wurde, gab Sängerin Ute Beckert dort ein gut besuchtes Konzert.

Schon die Anreise ist ein Erlebnis

Die kleine quadratische Kirche ist die größte Attraktion im Dorf, aber bei weitem nicht die einzige. Im Sommer lockt der Klein-Behnitzer See zu einem erfrischenden Bad, jetzt im Herbst kommen viele Vogelkundler und quartieren sich für ein paar Tage im Ort ein.

Und schon die Anreise nach Klein Behnitz ist ein Erlebnis: Aus Groß Behnitz kommend ist die Straße von großen Eichen gesäumt. Aus Richtung Riewend (Potsdam-Mittelmark) führt der Weg über eine alte Ziegelpflasterstraße aus dem Jahr 1907. Sie steht unter Denkmalschutz. Ihr Bau war vor über 100 Jahren ein echter Wirtschaftsmotor für die Ziegeleien der Umgebung gewesen. Deren Besitzer setzten sogar durch, dass die Ziegel hochkant verlegt wurden – und damit fast doppelt so viele Ziegel benötigt wurden als bei einer herkömmlichen Verlegung.

Ruhig – aber nicht verschlafen

„Klein Behnitz ist schön ruhig. Ich habe noch keinen Ort gefunden, der ruhiger ist“, sagt Bernhard Kranz. Er meint aber nicht verschlafen. Zwar haben Konsum, Kita und Kneipe längst zugemacht, auch das kleine Kino, das es zu DDR-Zeiten gab, ist verschwunden. Trotzdem gibt es immer noch zahlreiche Veranstaltungen – an diesem Sonnabend beispielsweise die Herbstfeier mit Fackelumzug –, zu denen auch etliche Groß Behnitzer hinüberkommen.

Die meisten Veranstaltungen finden im Dorfgemeinschaftshaus statt, das die Bürger der damals noch eigenständigen Gemeinde in Eigenregie errichtet haben – inzwischen befindet es sich im Besitz der Stadt. „Alle haben mitgeholfen, das war für uns alle selbstverständlich“, erinnert sich Jutta Strauch an den Bau des Hauses. Dort trifft man sich bis heute zum Sporttreiben oder zum gemeinsamen Kaffeeklatsch.

„Der Zusammenhalt im Dorf ist groß“, erzählt Jutta Strauch. „Hier in Klein Behnitz kümmert man sich noch um den anderen. Niemand wird alleingelassen. Wenn zum Beispiel einer der älteren Mitbürger mal nicht die Straße fegen kann, springt jemand anderes für ihn ein“, so die 75-Jährige. Das sei heutzutage nicht selbstverständlich, sagt sie. Aber es macht Klein Behnitz so lebenwert.

Von Philip Häfner

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