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Havelland 8000 Technofans feiern Nation of Gondwana
Lokales Havelland 8000 Technofans feiern Nation of Gondwana
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11:02 24.07.2016
Erfrischend anders: Techno im Feuerwehrregen, mit Schirm, Charme und Melodie. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Grünefeld

Und dann zeigte das Handy plötzlich Roaming an. Mitten in Grünefeld. Eigentlich gibt es den Roaming-Tarif nur im Ausland, aber in gewisser Weise stimmte das ja auch. Denn am Wochenende verwandelte sich das Areal um den Kiessee erneut in die Nation of Gondwana, ein Mekka für alle Freunde elektronischer Tanzmusik. Die Veranstalter hatten zu „semifiktivem Parallelwelttourismus“ einladen und 8000 waren dem Ruf gefolgt. „Das ist das beste Festival der Welt“, meinte Linn aus Berlin, „gerade weil es nicht so groß ist wie andere. Man kann quasi direkt an der Bühne zelten.“

Melanie und Ines aus Berlin waren bereits zum sechsten Mal dabei. „Die Nation ist ein schnuckeliges Festival“, sagten sie. „Man trifft seine Leute, alle sind wie eine große Familie.“ Wer wollte, der konnte in diesem Jahr sogar heiraten. Zwar nicht offiziell, aber dafür mit wummernden Bässen anstelle von Orgelmusik.

Die Techno-Trauung fand in einem Zelt mit Herzgirlanden und Buddha-Statue statt, an der Wand hing das Bild eines turtelnde Schwanenpaars. Ähnlich kunterbunt waren auch die Verkleidungen einiger Besucher: Flamingos und Bienen tanzten mit goldene Glitzerjungs und Mädchen mit Schulranzen. „Das ist die Peter-Pan-Mentalität. Hier will niemand alt werden, deshalb verkleiden sich alle“, erklärte der Berliner Ibrahim. „Das ist die komplette Realitätsflucht.“ Doch nicht jeder wollte, dass sein Auftritt öffentlich wird: „Bitte keine Fotos! Ich habe eine ziemlich hohe Position“, rief einer. Getreu dem Motto: Was auf der Nation passiert, das bleibt auf der Nation.

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Am Wochenende verwandelte sich das Areal um den Grünefelder Kiessee erneut in die Nation of Gondwana, ein Mekka für alle Freunde elektronischer Tanzmusik. Die Veranstalter hatten zu „semifiktivem Parallelwelttourismus“ einladen und 8000 waren dem Ruf gefolgt. „Das ist das beste Festival der Welt“, meinte eine Besucherin. „Gerade weil es nicht so groß ist wie andere.“

Bereits am Freitagabend hatte das Elektronikfestival begonnen, getanzt wird bis zum frühen Montagmorgen. Silvia, Mitte Vierzig, ließ sich auch von einem gebrochenen Zeh und dicker Bandage am Bein nicht abhalten. „Ich bin selbst erstaunt, wie gut man damit tanzen kann“, sagte sie – und verschwand wieder auf der Tanzfläche. Dort war es Matthea aus Grünefeld zwar zu laut, doch von der Seite wippte die Sechsjährige doch ein bisschen mit. „Ich mag die Musik“, sagte sie . Das Mädchen war mit seiner Tante gekommen und erlebte in diesem Jahr bereits seine zweite Nation of Gondwana. „Ich finde es toll, dass man sich hier Glitzer aufs Gesicht machen kann.“

Auch das gesamte Areal um den See hatte sich schön gemacht. In den Bäumen hingen Discokugeln und Weihnachtsschmuck, darunter ließen erschöpfte Besucher in Hängematten die Beine baumeln. Auf dem Weg zum Strand hatte jemand aus Kieselsteinen ein Herz gelebt. Die Nation of Gondwana: ein Fest der Liebe, ein modernes Woodstock. Und wie damals in den Siebzigern, so fielen auch 2016 in Grünefeld die Hüllen. Etliche sprangen nackt in den See, um sich abzukühlen. Auf einem Schild stand geschrieben: „Wer nackt badet, braucht keine Bikinifigur.“

Für Abkühlung sorgte bei Temperaturen von über 30 Grad auch die Grünefelder Feuerwehr, die ihren Schlauch immer wieder in Richtung Tanzfläche richtete. Der örtliche Feuerwehrverein war außerdem für Teile des Caterings verantwortlich; als einziger durfte man Fleisch und Würstchen verkaufen, „zum kleinen Preis“, wie Vereinsvorsitzender Michael Soelch betonte. „Das kommt bei den Gästen sehr gut an“, sagte er. Die Musik sei zwar nicht so seins, aber die Stimmung sei hervorragend. „Es ist immer friedlich und harmonisch. Ich kann mich in all den Jahren an keinen einzigen Zwischenfall erinnern.“ Auch Manuel Bieker, Einsatzleiter des Deutschen Roten Kreuz, konnte das bestätigen: „Es blieb alles im Rahmen. Ein bisschen Kreislauf, Splitter und Zecken. Alles wie erwartet.“

Eröffnet worden war das Fest wie jedes Jahr mit einem Auftritt des Grünefelder Frauenchors. „Schön, dass das Dorf so eingebunden wird“, meinten die beiden Berlinerinnen Melanie und Ines. Den Applaus habe man bis zum Zeltplatz gehört. Johanna, ebenfalls aus Berlin, hat es in Grünefeld sogar so gut gefallen, dass sie wiederkommen will. Mit Freunden plant sie einen gemeinsamen Ausflug zum See.

Von Philip Häfner

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