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Ribbeck: Birnen, Balladen, Besuchermagnet

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Ribbeck: Birnen, Balladen, Besuchermagnet

Hat sich Ribbeck herausgeputzt, weil wegen des Birnbaums so viele Touristen den Ort besuchen – oder ist das Dorf immer schon so schön gewesen, dass die Menschen gerne dorthin fahren? Wahrscheinlich stimmt beides, glaubt Ortschef Jürgen Gaschler: „Nach der Wende haben wir gleich gespürt, dass wir touristisch eine wichtige Rolle spielen können.“ Er sollte Recht behalten.

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Das Schloss Ribbeck – das wahrscheinlich meistfotografierte Gebäude im Havelland.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ribbeck. Die Frage ist doch: Hat sich Ribbeck so herausgeputzt, weil wegen Fontanes Birnbaum-Gedichts so viele Touristen den Ort besuchen – oder ist das Dorf einfach schon immer so schön gewesen, dass Menschen aus ganz Deutschland gerne dorthin fahren? Wahrscheinlich ist es ein bisschen von beidem, glaubt Ortsvorsteher Jürgen Gaschler (LWN). „Als nach der Wende die ersten Gäste kamen, haben wir gleich gespürt, dass wir touristisch eine wichtige Rolle spielen können“, sagt er.

Die Kirche hatte damals noch eine blassgraue Fassade und bröckelte vor sich hin, das Dach war marode. Das Schloss wurde als Seniorenheim genutzt und befand sich ebenfalls „in eher bescheidenem Zustand“, wie sich Gaschler erinnert. Doch im Zuge der Dorferneuerung floss viel Geld nach Ribbeck, auch in Infrastruktur wie Straßen, Trink- und Abwasser. „Wir sind aus vielen Fördertöpfen berücksichtigt worden“, sagt Gaschler. Anders als in vielen anderen Dörfern hört man in Ribbeck deshalb auch kaum Klagen über die Eingemeindung 2003. Der Ortsvorsteher ist ohnehin der Ansicht: „Geld, das nach Ribbeck fließt, kommt auch den anderen Ortsteilen zugute. Die Touristen, die zu uns kommen, schauen sich oft auch noch die Nachbarschaft an. Dort ist es ja auch schön.“

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Ein fotografischer Rundgang durch das Birnendorf Ribbeck

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Das Schmuckstück von Ribbeck ist der alte Anger, um den sich zahlreiche historische Gebäude gruppieren. Die Gutsscheune wird gerade mithilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert; dort sollen später einmal Veranstaltungen stattfinden. Daneben: die Alte Brennerei, heute Essigmanufaktur und Eventlocation – die Familie von Ribbeck vermarket von dort ihren delikaten Birnenessig; das Pfarrhaus; die Dorfkirche im Schinkel-Stil mit der Familiengruft der von Ribbecks. Und natürlich das Schloss – ein kulturtouristisches Leuchtturmprojekt des Landkreises und das wahrscheinlich meistfotografierte Gebäude im Havelland. Es beherbergt heute unter anderem ein Museum, Veranstaltungsräume und ein Restaurant.

Es ist der geeignete Ort, um in die Geschichte des Ortes einzutauchen. Bereits 1237 wird in Ribbeck Henricus de Ritbeke als Gutsbesitzer genannt – es ist die früheste urkundliche Erwähnung. Bis 1945 gehörte das Dorf der Familie von Ribbeck, wobei es zwischen 1706 und 1828 neben dem Ribbeckschen Gut noch ein weiteres Gut im Ort gab, das der Familie von Bardeleben. Letzter adliger Besitzer war Hans Georg Karl Anton von Ribbeck: 1944 wurde er als bekennender Monarchist und Gegner des Nationalsozialismus verhaftet, ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und im April 1945 dort ermordet.

Fontane machte den Ort berühmt

Die Historie wäre wohl weit weniger bekannt, hätte nicht 1889 Theodor Fontane mit seiner Birnbaum-Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ den Fokus auf das Dorf und die Familie von Ribbeck gerichtet. „Unseren Bekanntheitsgrad verdanken wir zum Großteil dem Gedicht von Fontane“, sagt Ortsvorsteher Jürgen Gaschler. Den darin erwähnten Birnbaum gibt es allerdings nicht mehr, er wurde 1911 von einem Sturm umgeworfen. Der Stumpf wird in der Dorfkirche aufbewahrt. In den Siebzigerjahren und dann noch einmal im Jahr 2000 wurde ein neuer Baum gepflanzt.

Abseits des Angers präsentiert sich Ribbeck mit seinen 324 Einwohner als ruhiger Wohnort. „Dort kriegt man von dem ganzen Trubel am Anger gar nicht so viel mit“, meint Bärbel Kellner. Die Dorfgemeinschaft funktioniert; der Kulturverein, der Heimatverein als größter und die Kleintierzüchter als ältester Verein zeigen großes Engagement. Seit sechs Jahren gibt es auch wieder eine Ortsgruppe der Feuerwehr, die zwischenzeitig aufgelöst worden war. „Wir sind sehr froh, dass die Feuerwehr zurück im Dorf ist“, sagt Jürgen Gaschler. Eine Kita fehlt jedoch nach wie vor. Kinder gibt es trotzdem viele: auf dem Marienhof, einem beliebten Ausflugsziel für Familien, wo Ponyreiten, ein Barfußpfad und im Sommer ein Maislabyrinth angeboten werden.

Touristisch noch nicht am Limit

Handwerksbetriebe gibt es im Dorf kaum. „Im Vordergrund steht bei uns ganz klar der Tourismus“, sagt Gaschler. Die Caféhausdichte in Ribbeck dürfte die höchste in ganz Brandenburg sein. Die Einheimischen gehen jedoch selten dort hin. Die Gastronomie ist ganz auf die Tagesbesucher ausgerichtet – ab 18 Uhr kehrt im Ort wieder Ruhe ein. „Es ist schon absurd“, meint Jürgen Gaschler. Da habe man derart viele Lokalitäten, „aber wenn man abends noch etwas essen möchte, muss man woanders hinfahren.“ Es fehle zudem an Übernachtungsmöglichkeiten für auswärtige Gäste. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Gaschler. „Eine kleine Pension wäre toll. Ich denke, der Ort gibt es her.“

Gaschler sieht seinen Ortsteil touristisch noch nicht am Limit, wenngleich auch er beobachtet hat, „dass es bei den Veranstaltungen manchmal schon ein bisschen zu viel wird mit dem Trubel.“ Viele Besucher stellen ihr Auto am Anger und auf den Rasenflächen ab, wo sie eigentlich nicht stehen dürfen, anstatt einen der beiden Parkplätze am Ortsrand zu nutzen. Wenn ab 2017 die Ortsdurchfahrt auf der B 5 saniert wird, will Gaschler deshalb auch gleich das touristische Leitsystem weiter verbessern.

Bleibt die Frage, ob man als Ribbecker eigentlich Birnen besonders mögen muss? Jürgen Gaschler lacht. „Wir bringen der Birne schon viel entgegen und identifizieren uns mit der Frucht“, sagt er. Und vermutlich hätten die Menschen in Ribbeck mehr Birnenrezepte parat als andere.

Von Philip Häfner

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