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Havelland Schwanebeck: Ein eigenes Völkchen
Lokales Havelland Schwanebeck: Ein eigenes Völkchen
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06:15 20.10.2016
Auf dem Spielplatz in Schwanebeck treffen sich Jung und Alt. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Schwanebeck

Am schlimmsten ist es im Winter, wenn es geschneit hat. Dann bekommen die Schwanebecker die abgelegene Lage ihres Ortes jeden Morgen vor Augen geführt. Die ersten Pendler brechen bereits um 5 Uhr früh zur Arbeit auf, doch erst ab 6 Uhr wird die Straße nach Neukammer gestreut. Besonders kritisch ist es auf der Brücke über die ICE-Strecke – „da rutschen die Autos am manchen Tagen wieder rückwärts den Berg runter“, erzählt Ortsbeiratsmitglied Monika Hartmann (LWN). Wenn nicht Landwirt Dirk Peters von der Agro-Farm aus Neukammer aushelfen würde, „wären wir manchmal nicht aus unserem Ort herausgekommen“, sagt sie.

Die Bahnstrecke hat Schwanebeck von den anderen Nauener Ortsteilen abgeschnitten. Von ein paar Feldwegen abgesehen führt nur noch eine einzige Straße ins Dorf. Durchgangsverkehr gibt es keinen, zudem ist der ganze Ort eine Dreißigerzone, was gerade Eltern mit kleinen Kindern sehr begrüßen. „Hier kann man seine Kinder noch gefahrlos auf der Straße spielen lassen“, sagt Kerstin Hruby.

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Die Kirche in Schwanebeck

Abgelegene Orte bringen es oft mit sich, dass die Menschen dort eher verschlossen sind und unter sich bleiben wollen. Aber nicht in Schwanebeck: Dort werden Fremde herzlich aufgenommen. Weil vor allem an der Groß Behnitzer Straße in den vergangenen Jahren so viele neue Bewohner eingezogen sind, gibt es dort sogar ein extra Straßenfest, damit sich alle noch besser kennenlernen können. Überhaupt gibt es etliche Veranstaltungen im Ort: Kinderfest, Herbst- und Sommerfest, einen Weihnachtsbasar. Organisiert werden die meisten vom Verein Dorfgemeinschaft Schwanebeck e.V. Inzwischen zählt er fast 30 Mitglieder – das ist bei insgesamt 194 Einwohnern im Dorf jeder Siebte.

Als er 2005 gegründet wurde, ging es dem Verein vor allem um die Kinder. „Es gab im Ort damals absolut nichts für die Jugend“, erinnert sich Gründungsmitglied René Hruby, der zweite Vorsitzende des Vereins. „Und ohne uns wäre der Spielplatz wohl bis heute nicht gekommen.“

Spielplatz als Treffpunkt

Auf die kleine Anlage mit Schaukeln, Klettergerüst, einer Tischtennisplatte und einigen Sitzgelegenheiten sind sie im Ort stolz. Es ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, auch mangels Alternativen. Zwar hat der Dorfgemeinschaftsverein einen eigenen Raum, der auch angemietet werden kann, doch ansonsten ist nach der Wende vieles abhanden gekommen. Es gibt keine Gaststätte mehr, keinen Laden, keine Poststelle und keinen Arzt. Die Schule war schon 1965 geschlossen worden. Dafür wurde ab den Siebzigerjahren nordöstlich des Ortes Müll abgelagert, ab 1983 entstand dort ganz offiziell eine Deponie, die inzwischen vom Landkreis Havelland betrieben wird. „Wenn der Wind ungünstig steht, stinkt es. Dann liegt der ganze Ort in einer Wolke“, sagt Monika Hartmann.

Am meisten bedauern die Schwanebecker aber den Verlust ihres Gutshauses. „Das ist echt traurig, vor allem wenn man sich in anderen Ortsteilen umschaut, wie schön die Gutshäuser dort zum Teil wieder aussehen“, meint Irmgard Pahl. Asmus Wilhelm von Bredow hatte das Herrenhaus 1788 errichten lassen. Unter Christoph August von Bredow entwickelte sich Schwanebeck bis 1820 zu einem Vorzeigegut, auf dem mit den modernsten landwirtschaftlichen Methoden der damaligen Zeit gewirtschaftet wurde. Doch zu DDR-Zeiten verfiel das Haus zunehmend. Es wurde noch zu Wohnzwecken, als Gaststätte und als Verkaufsstelle genutzt, ehe es ab 1986 leer stand und 2003 nach einem Brand schließlich abgerissen wurde.

Sanierungsbedarf am See

Den Bredows hat Schwanebeck auch seine jetzige Kirche zu verdanken, genauer: drei Witwen der Familie. Sie stifteten 1879 das heutige Gotteshaus aus Ziegelfachwerk, in dem immer noch per Hand geläutet wird. Auf dem Kirchgelände befindet sich als weitere Besonderheit eine Kriegsgräberstätte aus dem Zweiten Weltkrieg, die derzeit mithilfe des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge saniert wird. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Sanierungsbedarf besteht auch beim völlig zugewucherten Dorfteich und beim etwas außerhalb gelegenen Schwanebecker See. „Als Kinder sind wir dort gerne schwimmen gegangen, das war herrlich“, erinnert sich Monika Hartmann. Doch seit einigen Jahren sinkt der Wasserspiegel immer weiter; mittlerweile stehen einige Bäume, die einst im Wasser standen, 30 Meter vom Ufer entfernt; viele Fische sind verendet. „Da muss dringend etwas unternommen werden“, sagt René Hruby aus dem Dorfgemeinschaftsverein.

Der Legende nach soll übrigens der frühere Gutsbesitzer Christoph August von Bredow nach seinem Tod mitsamt seinem Lieblingspferd auf der Südseite des Sees beigesetzt worden sein. Schon damals galt offenbar, was Monika Hartmann über ihren Ort sagt: „Wir sind ein eigenes Völkchen.“

Von Philip Häfner

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