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Jette mal wieder auf dem Kutschbock

Ein Original sagt Danke Jette mal wieder auf dem Kutschbock

Oranienburgs Original „Jette Bath“, die einst den Pferdeomnibus zwischen Oranienburg und Berlin steuerte und natürlich beim Festumzug am Sonnabend dabei war, sagt danke. Auf ihre ganz besondere Weise. Martina Dorn gibt die Jette mit Leidenschaft.

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Jette und der Pferdomnibus beim Umzug am Schlossplatz.

Quelle: Foto: Privat

Oranienburg.. Zu meine Zeit sachte man immer noch Danke, wenn wat jut war. Und der Festumzug am Samstag war jut. Ich war ja janz uffgeregt, dass ick nach so ville Jahre wieder in mein jeliebten Omnibus sitzen konnte. Und meine Fahrjäste och. Wir hatten uns alle fein jemacht. Die Sonne meinte es jut mit uns. Zu meine Zeit war ja Anfang Juni Friehling und nich so heiß. Aber dit nur so am Rande.

Als alle endlich saßen, bissel eng war’s schon, jing’s los. In mein Alter uffn Kutschbock klettern war ja och anstrengend. Aber der Jeruch der Ferde und dit Rumpeln der Kutsche war eine Freude. Zur Feier des Tages stoppte ick mir meine Piepe mit dit vaterländische Kraut, „Vierradener Girz mit Weichsel“. Und für alle Fälle hatte ick meine Flasche „Schluck“ dabei, „Stolpe mit Schönfließ“. Wer nich weeß was dit is, na Korn mit Luft, also pur, jepanscht mit nischt. Und gleich kam die wichtigste Frage: „Wann geht`s denn endlich los?“ Die Kleene hatte schon keen Sitzefleisch mehr nach zwee Minuten. Also hab ich se uffjeklärt: „Wann wir fahren, det weeß ick nich. Ick weeß nur, wenn ick fahre. Wenn ick fertig bin. Und wer keene Zeit hat, kann losloofen, det is jesünder.“ Aber loofen wollte keener.

Vonne Stralsunder jing es zum Bahnhof. Da kamen doch die Erinnerungen wieder hoch. In Juli 1877 bin ick dit letzte Mal nach Berlin mit mein Omnibus jefahren, wegen de Bahn. Die Leute wollten dann nur noch mit Dampf nach Berlin fahren. Naja, konnte se ja och.

Anne Straße standen ville Leute und ham jewinkt. Manche kiekten noch bissel komisch, weil ick uffe Strasse geroocht hab. Und beim Lächeln, Winken und Quatschen hab ick doch meine Piepe paarmal fallen lassen. Aber zum Glück isse nie inne Ferdeäppel jefallen.

Ick hab ma dolle jefreut, dass die Menschen mir erkannt haben. Nach so ville Jahre. „Da is ja unsre Jette.“ Klar bin ick das. Und zu meine Stadt jehöre ich dazu. Die hätten doch nich ohne mir feiern können. Ham se ja och nicht.

Vorne inne scharfe Kurve war die Bejeisterung dann groß. Ick wusste nich, wo ick zuerst hinkieken sollte. Hatte ick vergessen, dass die Oranienburger so feiern können. Ham ja och allen Grund zu. Ick erkenn ja meene Stadt nich wieder. Und so ville orange. Ick weeß schon, wegen de Holländer und meene jeliebte Kurfürstin. Nich nur ick hatte Spaß, meene Fahrjäste och. Da jab es nix zu meckern. Anne neue Schloßbrücke hattich ja bissel Angst. Zu meine Zeit war die ja anders und meene Ferde mussten nich übern Berg fahren. Aber jing allet jut. Wir hätten och jeschoben.

Inne Breite Strasse war dann Schluss. Schade. Ick hätte noch lange fahrn können. So ville bejeisterte Leute und so ne Stimmung jab et ja lange nich. Dit musst ick mal loswerden. Und ein grosses Dankeschön an die Leute, die dit orjanisiert haben. Daran kann ick ma erinnern bis zur nächsten Feier. Und nich nur ick.

Von Jette Bath

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