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Liebe auf den ersten Blick – und seit 70 Jahren

Luckenwalde (Teltow-Fläming) Liebe auf den ersten Blick – und seit 70 Jahren

Lola und Harri Seiler aus Luckenwalde (Teltow-Fläming) sind seit 70 Jahren verheiratet – und begingen am Mittwoch das seltene Jubiläum der Gnadenhochzeit. Die Seilers über ihr Kennenlernen, das Geheimnis ihres Glücks und einen großen Wunsch.

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Lola und Harri Seiler sind seit 70 Jahren glücklich verheiratet. Das Paar wohnt in Luckenwalde und wird von der Familie umsorgt.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Noch vor drei Wochen war nicht daran zu denken, dass Lola und Harri Seiler ihre Gnadenhochzeit feiern würden. Doch inzwischen konnte Lola Seiler das Krankenhaus verlassen. Zuhause hat sie sich wieder erholt. „Ich bin generell ein glücklicher Mensch“, sagt Lola Seiler, die in dieser Woche ihren 91. Geburtstag feierte. Deshalb ging es gestern am 70. Hochzeitstag auch etwas ruhiger zu. Für zwei Feiern in einer Woche fehlt ihr noch die Kraft. Das hindert sie aber nicht daran, an ihren Wünschen festzuhalten: „Ich möchte unbedingt noch mal nach Mallorca.“ Dort waren Lola und Harri Seiler in den vergangenen Jahren oft. „Wir erinnern uns gern an diese schöne Zeit. Nach der Wende haben wir die Gelegenheit genutzt und sind viel gereist“, so Harri Seiler, der ein dreiviertel Jahr jünger ist als seine Frau. Auf die Frage, wie man es schafft nach 70 Jahren noch immer so glücklich zu sein, sagt Lola Seiler: „Man sollte mit seiner Meinung nicht hinterm Berg halten und sagen, wenn einem etwas nicht gefällt.“

Schwärmerei wie vor 70 Jahren

Harri Seiler schwärmt wie vor 70 Jahren von seiner Lola. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Bei ihr stimmte einfach alles. Sie war eine rassige Frau, trug ein tolles Kleid und Top-Schuhe. Für mich ist sie die erste und einzige große Liebe, und daran hat sich bis heute nichts geändert“, erinnert sich der 90-Jährige. Nur einmal hat er sie versetzt. Er hatte ihr gesagt, dass er mit Freunden ins Kino gehe und sie gern hinkommen könne. Allerdings gab es zu der Zeit in Luckenwalde drei Kinos. Während er im „Weltspiegel“ war, ging sie ins „Gloria“. Erst am nächsten Tag klärte sich der Irrtum auf. Für Harri Seiler steht fest, dass die Ehe deshalb so gut funktioniert, weil beide alles gemeinsam abstimmen. „Und wir haben schlechte Zeiten kennengelernt. Das hat uns zusammengeschweißt. Schmalhans war bei uns Küchenmeister“, sagt Harri Seiler, der nach seiner Klempnerlehre Ökonomie studierte und viele Jahre lang Vorsitzender der PGH Klempner war.

Erinnerungen an die Hochzeit

An ihre Hochzeit vor 70 Jahren in Luckenwalde erinnern sich beide noch ganz genau. Die Braut trug ein hellbraunes Kleid aus Seidenstoff. Sie war schwanger. Nach der Hochzeitsfeier ging es ihr so schlecht, dass ihr Mann sie von der Bahnunterführung bis nach Neufrankenfelde auf dem Rücken trug. Heute haben sie eine große Familie um sich herum, zu der drei Kinder, vier Enkel und sieben Urenkel gehören. Der Zusammenhalt ist ihnen sehr wichtig. Sie sind froh, dass sie immer die nötige Unterstützung bekommen.

Zu den Gratulanten gehörte am Mittwoch auch Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide. Sie hatte Blumen und die Chronik der Stadt als Geschenk dabei. „Sie gehören zu den Jubilaren, von denen es in der Stadt nur ganz wenige gibt. Viele Menschen wünschen es sich, aber nur wenigen ist es vergönnt“, sagte die Bürgermeisterin. Sie erkundigte sich bei Lola und Harri Seiler, wie es früher gewesen sei und ob sie gern in den Tanzlokalen unterwegs waren. Sie hatte gehört, dass sie in der Nachkriegszeit oft in einem der Luckenwalder Tanzlokale zu Gast waren, weil diese wenigstens etwas beheizt waren.

Gern getanzt

„Wir waren jedes Wochenende zum Tanz und haben auch im Alter noch gern das Tanzbein geschwungen. Wir waren immer die Ersten und die Letzten auf der Tanzfläche. Wir haben getanzt, bis uns die Füße wehgetan haben“, erzählt Lola Seiler. Wenn sich Lola Seiler etwas in den Kopf setzt, dann muss es auch werden. „Als ich jetzt so krank war, habe ich nach oben gesprochen und gesagt, lass dir was einfallen“, sagt sie lachend und freut sich, dass sie ihren 91.Geburtstag und die Gnadenhochzeit erleben darf.

Von Margrit Hahn

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