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MAZ-Serie im Jubiläumsjahr

Gesichter einer Stadt MAZ-Serie im Jubiläumsjahr

Der letzte Arbeitstag für Manfred Gellert bei der Oranienburger Berufsfeuerwehr war am 29. März. Der 60-Jährige ist in den Ruhestand gegangen. Stellvertretender Stadtbrandmeister bleibt er bis Jahresende. Die MAZ stellt unter dem Motto „Gesichter einer Stadt“ ab sofort Oranienburger vor, die das 800-jährige Geburtstagskind mitgeprägt haben.

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Den Job hat Manfred Gellert an den berühmten Nagel gehängt, der Uniformbügel ist schon leer.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Drei Tage zu Hause und schon braun gebrannt – frotzeln die Kollegen. Manfred Gellert hat am Dienstagabend Sprechstunde in der Hauptfeuerwache in der Julius-Leber-Straße. Als 1. stellvertretender Stadtwehrführer. Dieses Ehrenamt hat er noch bis Jahresende inne. Seine Feuerwehruniform trägt er nicht mehr. Auch der Bügel, unten im Bekleidungsraum, ist schon leer, denn seit 1. April ist Gellert im Ruhestand. Es fühlt sich gut an, sagt er. „Ich hab mir das früher nicht vorstellen können, aber man braucht eben mit 60 doch ein paar Sekunden länger, wenn der Pieper geht.“ Verschlafen?, sei er jetzt schon mal hochgeschossen? Nee, Freizeit, legte er sich anschließend zurück.

Den Mann mit Möbelpackerformat und stets einem kernigen Spruch auf den Lippen kennt wohl fast jeder in Oranienburg. Geboren in Zehdenick fuhr Gellert ursprünglich zur See. Als Hochseefischer war er zwischen Nordsee und Atlantik unterwegs – bis 1978. „Doch man soll von Bord gehen, bevor die Kinder zu einem Onkel sagen.“ Und weil das nasse Element auf ihn stets einen besonderen Reiz ausübt, aber bei der Wasserschutzpolizei gerade nix frei war, ging er zur Feuerwehr. Unter Schichtchef Otto Malig lernte er die Praxis von der Pike auf. Mit der Familie lebt er in Wensickendorf. Sohn Sascha ist in seine Fußstapfen getreten, arbeitet beim Löschzug I, der zweite ist Koch. Die Scheidungsrate bei den Feuerwehrleute sei hoch, ohne Frau mit Verständnis gehe da nichts. Bei Gellerts ist das so: „Sie hat nie gemeckert, mich eher aufgemuntert oder nach einem schweren Einsatz gefragt: Willst du reden? Sie war oft mein Seelsorger.“

Seine Einsätze hat er nicht gezählt: brennende Fernseher, ausgebüxte Pferde, verletzte Autofahrer. Bis heute ist ihm einer seiner ersten Einsätze in Erinnerung: die zwei ermordeten Kinder im Wald in Briese: „Wie sie da im Scheinwerferlicht lagen, das hab’ ich lange nicht verdaut.“ Was ihm meisten an die Nieren geht bis heute: „Die Kaltschnäuzigkeit der Gaffer. Die kommen da mit Kind auf dem Arm und Butterstulle, behindern die Einsatzkräfte und ergötzen sich am Leid anderer.“

Wer im Dienst ist, steht unter Spannung: Zu Hause schlafe er schon, wenn erst ein Bein im Bett ist, in der Wache höre er die Fliegen an der Wand. „Das steckt so drin.“ Sein letzter Einsatz: Einen übergewichtigen Verletzten aus der Wohnung holen. Von den inzwischen mehr als 190 entschärften oder gesprengten Blindgängern in der Stadt hat Manfred Gellert „höchsten drei oder vier verpasst.“ Die Feuerwehr kontrolliert den Sperrkreis. „Na dann bis zum 20. April“, sagt er mit einem donnernden Lachen.

Langeweile kommt bei ihm als Ruheständler nicht auf: „Ich habe ein Grundstück und bin verheiratet“, sagt er und lacht. Da gibt es immer Aufträge, was es zu tun gibt. Aber ich teile mir das ein.“ Und wenn’s ihn in die Ferne zieht, dann natürlich ans Wasser. Vor allem an die Ostsee.

Von Heike Bergt

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