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100 Pappeln an der A10 sollen weg

Vehlefanz (Oberhavel) 100 Pappeln an der A10 sollen weg

Dirk Netzeband aus Vehlefanz erhielt Ende Mai einen Brief des Landesbetriebes Straßenwesen, dass er rund 100 Pappeln, die auf seinem Grundstück nördlich der Autobahn A10 stehen, unverzüglich fällen soll. Doch Netzeband kritisiert den Kahlschlag der Bäume, die er selbst nie gepflanzt hat.

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Dirk Netzeband vor den Pappeln an der Autobahn. Die untersuchten Bäume wurden blau markiert.

Quelle: Foto: Privat/ Gawande

Vehlefanz. In drei Reihen stehen die teils 20 bis 30 Meter hohen Pappeln am nördlichen Berliner Ring, der Autobahn A10 zwischen dem Dreieck Havelland und der Autobahnabfahrt Oberkrämer. Weithin sind die Bäume sichtbar, die beim Bau der Straße Anfang der 1970er Jahre als Windschutz gepflanzt wurden.

Nördlich der Richtungsfahrbahn zum Dreieck Havelland zwischen Kilometer 160,9 und 160,3 stehen die Bäume auf dem Boden von Dirk Netzeband aus Vehlefanz. Schon seinem Großvater gehörte der Boden, der heute von Netzeband an die LSV Landwirtschafts GmbH verpachtet wird. Das Ministerium für Verkehr habe von seinem Großvater damals den Boden für den Bau der Autobahn abgekauft, so dass die Straße heute den Besitz zerschneidet. Ansonsten hat der Vehlefanzer wenig mit dem Gelände zu tun.

Bis Ende Mai diesen Jahres Netzeband ein Brief des Landesbetriebes für Straßenwesen ins Haus flatterte, in dem der 45-Jährige aufgefordert wird, als Eigentümer des Grundstücks an der Autobahn, die dort stehenden Pappeln fällen zu lassen, um die Verkehrssicherheit gewährleisten zu können. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, ist zu lesen, da man auf der diesjährigen Baumkontrolle eine gefährdende Fläche festgestellt habe. Seitens des Landesbetriebs verweist man auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt von 1987 und lässt den Eigentümer des Grund und Bodens mit dem Problem allein.

Diese Pappeln sollen aus Sicherheitsgründen gefällt werden

Diese Pappeln sollen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Quelle: Ulrike Gawande

Doch Dirk Netzeband fragte nach, forderte eine Begründung für die Aufforderung zur Fällung der Bäume. Und so schickte man ihm Anfang Juli das Gutachten des Baumprüfers zu. Dieser hatte starke Schädigungen der rund 45 Jahre alten Pappeln festgestellt. Die erkannten Schadensmerkmale seien laut Gutachten eine starke Totholzbildung, Wipfeldürre, abgestorbene Kronenenden, Wurzelhalsverdickungen und Bohrlöcher am Wurzelhals. Als Verursacher dieser Schäden stellten Gutachter und Pflanzenschutzamt einen massenhaften Befall der Bäume durch den sogenannten Pappelbock fest. Standsicherheit der Bäume und somit die Verkehrssicherheit sei nicht mehr gewährleistet.

Doch Dirk Netzeband fühlt sich nicht wirklich verantwortlich für die Fällung der über 100 Bäume, die aus wirtschaftlichen Gründen, zur Eindämmung des Schädlingsbefalls und zur sofortigen Herstellung der Verkehrssicherheit ohne Ausnahme erfolgen soll. „Wieso bin ich verantwortlich, ich weiß ja noch nicht einmal, wer die Bäume gepflanzt hat“, so der Vehlefanzer. „Das Ganze ist ein Kahlschlag und für mich nicht nachvollziehbar.“ Vielmehr glaubt er, dass die Kosten der Fällung auf ihn abgewälzt werden sollen. Bevor er den Boden für den bis 2022 geplanten sechsspurigen Autobahnausbaus sowieso bald verkaufen müsse, so seine Vermutung.

Doch Cornelia Mitschka, Pressesprecherin des Landesbetriebs Straßenwesen erklärt, dass ein Grundstückseigentümer grundsätzlich für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich ist. „Es spielt keine Rolle wer, was gepflanzt hat“, erklärt sie mit dem Hinweis auf die Lebensdauer von beispielsweise Eichen, bei denen man auch nicht nach mehr als hundert Jahren auf den Pflanzer zurückgreifen könne. So habe auch der Bodeneigentümer die Kosten der Fällung zu tragen, stellt Cornelia Mitschka klar.

Auch von der Unteren Naturschutzbehörde kommt keine Hilfe für das Anliegen von Netzeband, nicht alle Pappeln und zudem nicht während der Vegetationszeit fällen zu müssen. Ronny Wappler, Pressesprecher des Landkreises, erklärt, dass seine Behörde nicht die auftraggebende sei, sondern nur ihr Einvernehmen erklärt habe. „Es gibt keine naturschutzrechtlichen Gründe, die in der Güteabwägung dagegen sprächen. Die Verkehrssicherheit hat Vorrang. Auch in der Vegetationszeit.“ Man habe die Gutachten als Grundlage der Entscheidung genommen. Üblicher sei es jedoch, dass im Winter und nicht so große Bestände gefällt werden.

So wird Dirk Netzeband schweren Herzens ein Unternehmen mit der Fällung beauftragen müssen, sobald in den nächsten Wochen die Felder abgeerntet sind.

Von Ulrike Gawande

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