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Oberhavel „1000 Euro und ein Jahr Fahrverbot“
Lokales Oberhavel „1000 Euro und ein Jahr Fahrverbot“
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00:21 12.10.2017
Teils blanker Wahnsinn spielt sich in Stausituationen auf Autobahnen, wir hier auf der A 10, ab. Quelle: FotO: Julian Stähle
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Oberhavel

Erst am vergangenen Wochenende gab es auf der Autobahn lange Staus. Das mit der Rettungsgasse klappte nicht immer. „Die erhöhten Strafen bei fehlenden Rettungsgassen wirken bislang noch nicht, das Problem besteht nach wie vor“, resümiert Carsten Nettling, Maschinist der Feuerwehr Bötzow. Am 22. September hatte der Bundesrat die Neuregelung beschlossen, nach der Autofahrer, welche gegen geltende Regeln beim Bilden von Notgassen verstoßen, zukünftig stärker bestraft werden (MAZ berichtete). Als Ordnungswidrigkeit schlug dies bislang mit 20 Euro zu Buche. Zukünftig muss 200 Euro zahlen, wer bereits bei stockendem Verkehr keine Gasse bildet. Im schlimmsten Fall drohen 320 Euro, verbunden mit einem Monat Fahrverbot. Zudem wurde festgelegt: Mindestens 240 Euro und ein Monat Fahrverbot drohen zukünftig, wenn Autofahrer Einsatzwagen mit Blaulicht und Einsatzhorn nicht sofort freie Bahn verschaffen – unabhängig von einer Rettungsgasse.

Mehr Aufklärung ist nötig

Im Bewusstsein vieler Autofahrer scheint das Problem trotzdem noch nicht angekommen zu sein, meint Carsten Nettling: „Bei unserem letzten Einsatz auf der Autobahn haben wir es erst wieder erlebt: Lkws, vorrangig ausländischer Herkunft, fahren nicht weit genug an den Rand, Pkw-Fahrer steigen aus ihren Wagen und behindern damit die Einsatzwagen, für die jede Sekunde zählt.“ Der 53-Jährige vermutet, dass dies „teils aus Unwissenheit, oder auch aus Ignoranz und Egoismus geschieht. Möglicherweise auch, weil Verstöße zu wenig geahndet werden“. Schließlich seien die Kräfte der Polizei auf dem Weg zur Unfallstelle gebunden, so dass in dem Moment keine Ahndung von Verkehrsvergehen wie einer verhinderten Rettungsgasse stattfindet. „Vielleicht reicht die bisherige Erhöhung der Bußgelder noch nicht aus. Zudem ist mehr Aufklärung nötig“, grübelt Nettling, der zum Vergleich nach Österreich schaut: „Dort klappt die Rettungsgasse meist wesentlich besser. In den Medien wird mehr darüber aufgeklärt, die Strafen sind wesentlich höher.“

„1000 Euro mindestens und ein Jahr Fahrverbot.“

Die MAZ-Leser teilen die Meinung des Bötzower Feuerwehr-Mannes, wenn es um die Ahndung bei Behinderung von Rettungskräften geht. Die vom Bundesrat beschlossene Neuregelung geht auch ihnen noch nicht weit genug: „Die Strafe ist noch viel zu gering“, meint beispielsweise Thorsten Penzek. „1000 Euro mindestens und ein Jahr Fahrverbot. Und bei Berufskraftfahrern das Doppelte“, fordert er. So sieht es auch Caro Ebeling: „1000 Euro müssten es mindestens sein. Und Führerscheinentzug von mindestens einem Jahr. Das mag für Berufskraftfahrer zwar bitter sein, aber verzögerte Rettung von Verletzten, deren Leid und die dadurch eventuell entstehenden Spätfolgen oder gar der Tod stehen dazu in keinem Verhältnis. Wir haben es alle selber in der Hand“, findet sie.

„Geld rettet kein Leben. Einfach immer nur das Geld hochzusetzen, ist doch keine echte Konsequenz. Egal für was“, meint hingegen Nicole Münn. „Ich komme nicht um den Gedanken herum, dass eine lukrative „Einnahmequelle“ gefunden wurde. Eine Rettungsgasse sollte so normal sein wie das Anhalten bei roter Ampel. Wer das nicht versteht, hat nichts im Straßenverkehr zu suchen.“ Zugleich fordert sie: „Handy anfassen soll auch mehr kosten.“ Die Strafen für das Hantieren mit Smartphones am Steuer wurden ebenfalls erhöht. Hier werden zukünftig 100 Euro fällig (vorher 60 Euro), verbunden mit einem Punkt in der Verkehrssünderdatei. Im schlimmsten Fall, beispielsweise einhergehend mit Sachbeschädigung, drohen 200 Euro, zwei Punkte sowie ein Monat Fahrverbot.

Rettungsgassen-Problem nur die Spitze des Eisberges

„Es fängt ja nicht erst bei der Rettungsgasse an. Selbst auf Landstraßen fahren manche Autofahrer, als hätten sie nie etwas von der StVO gehört. Abruptes Abbremsen bringt Gefahren mit sich. Das Halten an gleicher Stelle wie der Gegenverkehr behindert die Durchfahrt, ebenso wie das Befahren von Kreisverkehren, durch die die Feuerwehr dann auch nicht mehr durchkommt“, appelliert Carsten Nettling Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn „jederzeit ungehinderte Durchfahrt zu ermöglichen, egal wo.“

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