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Oberhavel 104 Jahre alt und noch so taff
Lokales Oberhavel 104 Jahre alt und noch so taff
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02:15 27.10.2017
Irma Richter in der Küche ihrer Wohnung. Hier kocht sie sich jeden Tag ihr Mittagessen und backt Kuchen.  Quelle: Foto: Marion Bergsdorf
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Bergfelde

 Wenn Irma Richter einmal pro Woche mit ihrer Tochter einkaufen geht, wird sie von vielen Menschen freudig begrüßt. Denn die Bergfelderin ist bekannt. Schließlich war sie mehr als 40 Jahre lang Wirtin der „Treue“, einer beliebten Gaststätte in Bergfelde, in der jeden Sonnabend getanzt werden konnte.Die Leute freuen sich aber auch deshalb, Irma Richter zu sehen, weil sie stolze 104 Jahre alt ist. Und sich immer noch selbst in ihrer Wohnung versorgt. Nur beim Einkaufen, Gardinenaufhängen und Beziehen des Bettes helfe ihr die Tochter, erzählt die Seniorin.

Auf die Frage, wie man lange fit bleiben und ein solches Alter erreichen könne, sagt Irma Richter ohne lange zu überlegen: „Dafür gibt es kein Wundermittel. Ich nehme vier Mahlzeiten am Tag zu mir, das ist wichtig.“ Und sie fügt hinzu: „Ich koche mir jeden Tag mein Mittagessen, und den Kuchen zum Nachmittag backe ich auch selbst.“ Dabei verzichtet Irma Richter auf nichts. Zum Frühstück gibt es ein Brötchen oder zwei Scheiben Toastbrot mit Butter, Quark und Honig drauf. Zum Mittag gerne Schnitzel oder Geschmortes sowie Eintopf und einmal pro Woche Fisch. Kaffee und Kuchen am Nachmittag liebt sie sehr. Abends gibt es Schnitte mit Käse oder Wurst. Nur Alkohol, den meidet sie. Außer zu Geburtstagen, da trinkt sie mal ein Glas Sekt.

Als sie noch in der „Treue“ arbeitete, musste sie öfter mal mittrinken, weil die Gäste sie darum baten. Gerne denkt Irma Richter an die fast 40 Jahre in der „Treue“ zurück. Die aus Pommern stammende Irma lernte ihren Mann beim Erntefest in Schönfließ kennen. Seine Eltern hatten die „Treue“ in Bergfelde. Bald half Irma in der Gastwirtschaft mit und heiratete 1938. Ihre Töchter wurden 1940 und 1942 geboren. Mit den Schwiegereltern verstand sie sich sehr gut. Viel gelacht hatte sie mit dem Schwiegervater, der immer gerne mittanzte und heimlich über Irma, damit es seine Frau nicht mitkriegte, eine Runde Bier spendierte. Viele alte Leute würden heute noch sagen: „Ach, war das in der Treue schön.“ Irma bestätigt: „Das stimmt. Die 40 Jahre, die ich in diesem Gasthaus gearbeitet hatte, waren die schönsten in meinem Leben. In der Treue werde ich auch sterben.“

Denn Irma Richter wohnt noch immer in dem Haus, das nach dem Abriss der „Treue“ auf dem Grundstück gebaut worden war. „Als wir die Treue 1978 verkauften, habe ich drauf bestanden, dass ich wohnen bleiben durfte.“ Und so befindet sich Irmas Wohnung mit eigenem Seiteneingang im Hotelgebäude, das heute als Seniorenresidenz genutzt wird. Nachmittags sitzt die alte Dame bei schönem Wetter auf der Bank vor ihrem Wohnungseingang. Manchmal gesellen sich Hausbewohner dazu.

Ihren Garten kann Irma Richter nicht mehr pflegen, sie hat Angst zu stolpern. Und sie gesteht mit nachsichtigem Schmunzeln, dass sie auch schon den Rollator benutze.

Ihr Gedächtnis hält sie mit dem Raten von Kreuzworträtseln fit. Und abends schaue sie Dokumentationen, „die im Denken weiterhelfen“.

Von Marion Bergsdorf

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