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106 Bewohner in Gemeinschaftsunterkunft

Ein Jahr später in Borgsdorf 106 Bewohner in Gemeinschaftsunterkunft

Großer Andrang herrschte vor genau einem Jahr in der gerade fertiggestellten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber in Borgsdorf. Sehr viele Nachbarn waren in die Margeritenstraße gekommen, um das Objekt einmal von innen zu sehen. Aktuell leben dort 106 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Kamerun, Eritrea und dem Iran.

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Nilufar und Kamaluddin Shams zeigen ihre bescheidene Unterkunft in Borgsdorf. Es gibt nur Betten, Kühlschrank und Schränke.

Quelle: Helge Treichel

Borgsdorf. Großer Andrang herrschte vor genau einem Jahr in der gerade fertiggestellten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber in Borgsdorf. Sehr viele Nachbarn waren in die Margeritenstraße gekommen, um das Objekt einmal von innen zu sehen. Der Eindruck damals: nüchterne Sachlichkeit.

Jetzt ist Leben eingekehrt

Daran hat sich bis jetzt nicht viel geändert. Allerdings ist inzwischen „Leben“ eingekehrt. Seit den ersten Einzügen am 3. Mai 2017 wurde die Unterkunft sukzessive belegt. „Aktuell leben 106 Bewohnerinnen und Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft“, sagt Kreissprecherin Constanze Gatzke auf Nachfrage. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, Kamerun, Eritrea und dem Iran und stellen gut die Hälfte des Einwohnerzuwachses in diesem Hohen Neuendorfer Stadtteil im vergangenen Jahr. Um 196 Menschen wuchs Borgsdorf auf jetzt 4902 Einwohner. Das Plus von vier Prozent war Rekord in der Stadt.

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Aktuell leben 106 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Kamerun, Eritrea und dem Iran in der neu errichteten Gemeinschaftsunterkunft an der Margeritenstraße in Borgsdorf. Ein fotografischer Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen dreieinhalb Jahre.

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Zu den neuen Borgsdorfern gehört die vierköpfige Familie Shams aus Afghanistan, die Mitte Dezember 2015 nach Deutschland kam, damals noch zu dritt. Der jetzt dreijährige Ferdaus hat inzwischen ein Brüderchen bekommen, Kehsrow. „Das ist unser deutsches Geschenk“, sagt Papa Kamaluddin Shams über seinen zehn Monate alten Sohn. Der 32-Jährige hat gerade seine B-1-Sprachprüfung abgelegt. Das Ergebnis steht noch aus. Hat er bestanden, möchte der Familienvater so schnell wie möglich wieder als Klempner arbeiten – wie bereits fünf Jahre lang in Afghanistan. „Ich liebe die Arbeit“, sagt er. Falls erforderlich, will er seine Ausbildung dazu wiederholen.

Umzug zurück nach Lehnitz – in eine eigene Wohnung

Zuerst steht allerdings der Umzug an: Von dem kleinen Zimmer in Borgsdorf geht es zurück nach Lehnitz. Dort kann die Familie eine eigene Sozialwohnung beziehen, die dort inzwischen von der Oberhavel Holding Besitz- und Verwaltungsgesellschaft (OHBV) ausgebaut wurde. Viel Hausrat haben Shams nicht von A nach B zu transportieren: Neben Kleidung und Geschirr ist das nur ein großer roter Teppich. Der Umzug fand nur deshalb noch nicht statt, weil der Bezugsschein für Möbel auf sich warten lässt, sagt Kamaluddin Shams. Aber in Borgsdorf habe sich die Familie viel wohler gefühlt als zuvor in der Gemeinschaftsunterkunft in Lehnitz, wo vor allem nachts häufig viel Lärm gewesen sei. „Das ist hier besser als in Lehnitz“, sagt der Familienvater, „auch die Toiletten“.

Gemeinschaftsunterkunft hat 140 Plätze

140 Plätze werden in der Gemeinschaftsunterkunft Borgsdorf derzeit für Asylbewerber bereitgehalten, 34 Plätze seien derzeit somit nicht belegt, sagt Constanze Gatzke. Ursprünglich waren die vier zweigeschossigen Gebäude, deren Fertigbaumodule in Gransee gefertigt wurden, auf 194 Plätze ausgelegt. Eines der vier Gebäude werde jedoch temporär als Wohnraum vermietet. „Sollte sich in Zukunft hier ein größerer Bedarf ergeben – die Prognosen für die Zuweisungen des Landes stehen noch aus – können diese Plätze zeitnah wieder vorgehalten werden“, sagt die Kreissprecherin.

Derzeit leben 1400 Asylbewerber im Landkreis OHV

Durch die neuen Gebäude in Borgsdorf konnte der Standort Lehnitz entlastet werden. Die Häuser 16, 17 und 18 wurden dort als Gemeinschaftsunterkunft geschlossen. Generell habe sich die Situation im vergangenen Jahr stabilisiert, sagt Constanze Gatzke mit Blick auf die Zuwanderung: „Derzeit leben 1400 Asylbewerber in den Unterkünften des Kreises. Zu Spitzenzeiten waren es – die Notunterkünfte eingerechnet – kreisweit bis zu 2000 Geflüchtete.“

Das Projekt in der Margeritenstraße

Im Jahr 2015 hatte Johannes Kühl als Vertreter der Kreisverwaltung darüber informiert, dass an der Margeritenstraße in Borgsdorf eine Gemeinschaftsunterkunft gebaut werden soll. Zunächst war von 242 Plätzen die Rede.

Im Juli 2016 waren die ersten der in Gransee vorgefertigten Gebäudemodule in Borgsdorf aufgebaut worden. Jetzt wurde die Kapazität mit bis zu 194 Plätzen beziffert.

Mehrere hundert Borgsdorfer folgten am Donnerstag, 9. Februar 2017, der Einladung von Stadt und Landkreis zum Besichtigen der neu errichteten Gemeinschaftsunterkunft. Schon kurz nach 16 Uhr drängten sich rund 200 Personen in den Fluren.

Von Helge Treichel

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