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20 Jahre Dienst am Leben

Oberhavel 20 Jahre Dienst am Leben

Die zentrale Bußgeldstelle des Landes in Gransee ahndet seit 1996 Raserei und leistet Beitrag zur Senkung der Unfallzahlen. Gäste des Festempfangs am Dienstag ließen sich die Arbeitsschritte der Datenauswertung erklären und lustige Aufnahmen von ertappten Rasern zeigen.

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Gäste des Festempfangs, unter ihnen der ehemalige Minister und Begründer der Bußgeldstelle Alwin Ziel (l.), lassen sich vom Behördenbereichsleiter Uwe Findeisen die Arbeitsschritte der Datenauswertung erklären. Dabei werden lustige Aufnahmen von einem ungewöhnlichen Heiratsantrag (r.oben) und das Foto eines Biker-Stunts mit 111 km/h gezeigt.

Quelle: E. Kugler/Polizei

Gransee. Im ersten Moment dachte er: „Was, und das feiern die?“ Doch dann sagte er sich: „Ja, die erhöhen die Sicherheit im Land.“

Die Rede ist von der zentralen Bußgeldstelle des Landes Brandenburg, die gestern ihr 20-jähriges Bestehen beging. Und der ehemalige Innenminister des Landes Alwin Ziel, der die Bußgeldstelle 1996 mit begründet hatte, schilderte beim Festakt am Dienstag in Gransee seine ersten Gedanken nach Erhalt der Einladung.

Auch der jetzige Innenminister Karl-Heinz Schröter räumte ein, dass es ja keine Fanpost sei, die man aus Gransee erhalte. Immerhin 7000 bis 12 000 Briefe mit Bußgeldbescheid und Zustellungsurkunde schickt die Behörde täglich raus und bedient sich dabei des Dienstleisters Turbo-Post mit 25 Mitarbeitern. Aber Fehlverhalten, so Schröter, müsse man ahnden. „Der Mensch muss es an seinem empfindlichsten Organ fühlen _ seiner Geldbörse.“

Das von der Bußgeldstelle jährlich eingenommene Geld ist fest im Landeshaushalt eingeplant. 2014 waren es 46,3 Millionen Euro, im vergangenen Jahr 43,2 Millionen und per 18. Oktober dieses Jahres bereits 39 Millionen Euro. Mit dem in den 20 Jahren seit Existenz der Busgeldstelle eingenommene Geld, rechnete Minister Schröter vor, „hätten sieben Krankenhäuser gebaut werden können.“ Allerdings hätten diese Krankenhäuser nicht alle Verletzten aufnehmen können, die in diesen 20 Jahren bei Verkehrsunfällen zu Schaden gekommen waren. Der Arbeit der Bußgeldstelle wiederum sei es zu verdanken, dass die Zahl der Verkehrstoten in diesen 20 Jahren deutlich gesunken ist. Wurden 1996 noch 657 Verkehrstote in Brandenburg gezählt, so waren es im vergangenen Jahr 179 Getötete. Die Zahl der Verletzten halbierte sich in diesen 20 Jahren auf knapp 11 000. Schröter würdigte den Beitrag der Bußgeldstelle zur größeren Verkehrssicherheit im Land.

Dem schloss sich auch der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch an. Das katholische Erzbistum Berlin ist auch für große Teile Brandenburgs zuständig. Koch sieht einen Zusammenhang zwischen christlicher Religion und Verwaltungsrecht. Denn die religiösen Begriffe Sünde und Buße würden in Worten wie Temposünder und Bußgeldstelle wieder auftauchen. Schon im Mittelalter gab es Bußbücher mit Strafangaben. Doch es gehe um mehr als um Strafe, sondern um Freiheit, die Verantwortung beinhalte. Der Blitzer sei dazu da, Reue und eine Veränderung des Verhaltens zu bewirken. Insofern seien 20 Jahre Bußgeldstelle „20 Jahre Dienst am Leben.“

Beim Rundgang durch die Behörde wurde deutlich, dass die Bildauswertung der von der Verkehrsüberwachung übermittelten Daten Computerarbeit ist. Da sind Bilder aufzuhellen, Fahrer und Kennzeichen zu ermitteln. Doch hin und wieder haben die Bildauswerter auch etwas zu lachen. So machte ein Autofahrer einen ungewöhnlichen Heiratsantrag und hielt sich im Moment des nahenden Blitzers ein selbst gebasteltes Schild „Heirate mich“ vor sein Gesicht. Ein anderer Temposünder verneinte die Frage, ob er die Ordnungswidrigkeit zugeben. Seine Begründung: „Im Moment der mit vorgeworfenen Geschwindigkeitsübertretung war ich nicht Herr meiner Sinne. Ich kam mit meiner Familie aus dem Urlaub zurück, wir waren im Wald an der Ostseeküste wandern. Während wir in Richtung Kreuz Uckermark fuhren, entdeckte meine Frau eine Zecke auf meiner Hand, die gerade dabei war, sich einzubohren. Ich reagierte panisch und beschleunigte, um von der Autobahn schnellstmöglich herunterzukommen. Dabei wurde ich geblitzt.“

Was es für Ausreden gibt?,wunderten sich Besucher. Doch geholfen hat es dem Raser nicht.

Von Marion Bergsdorf

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