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21 Kilogramm Glasaale ausgesetzt

Oranienburg 21 Kilogramm Glasaale ausgesetzt

Sie sind lediglich 0,4 Gramm schwer und sieben Zentimenter lang. In acht, neun Jahren werden sie groß oder aber schon lange gefressen sein: die Glasaale, die am Donnerstagmittag von Mitgliedern des Kreisanglerverbandes im Oder-Havel-Kanal ausgesetzt worden. Sie wollen schließlich was zu angeln haben.

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Die Männer vom Kreisanglerverband setzen die Glasaale im Uferbereich aus, wo die Winzlinge erst einmal Schutz finden.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Wenn Oranienburgs Angler einen Aal aus dem Wasser ziehen, dann haben sie ihren „dicken Fang“ mit großer Wahrscheinlichkeit vor wenigen Jahren selbst eingesetzt. Als winzige Glasaale. Am Donnersagmittag war es wieder soweit: Sieben Kisten voller kleine Aale, durchsichtig und zerbrechlich wie Glas, kamen in Oranienburg an. Eine ziemlich teure Fracht. In jeder der sieben Spezialkisten mehr als 2000 Tiere. Insgesamt 21 Kilogramm Nachwuchs, jedes Kilo kostet 400 Euro.

Am Mittwochmittag waren sie in Hendaye an der französischen Küste verladen worden und per Auto gestartet. „Dort befinden sich die Fangstellen für Glasaale“, so der Chef des Kreisanglerverbandes Olaf Wusterbarth. Die Leichtgewichte bringen nur 0,4 Gramm auf die Waage und sind etwa sieben Zentimenter lang. Eigentlich würden sie sich vom Golf von Biskaya auch bis in hiesige Gewässer vorkämpfen, „aber es gibt viele Hindernisse und Wasserverbauung, da haben wir den Weg verkürzt.“

Geboren werden die Aale in der Sargassosee nahe der Bermudas. Dann machen sie sich auf den Weg über den Großen Teich nach Europa. Wenn sie hier eintreffen, sind sie etwa drei Jahre alt. In Frankreich „her­ausgefischt“, verpackt und auf die Reise geschickt, sind sie am Donnerstag um 9 Uhr in Finowfurt an den Kreisanglerverband übergeben worden. Eine Sammelbestellung, auch die Anglerverbände von Gransee und Prenzlau haben am Donnerstag Aale eingesetzt.

Transportiert werden sie in eisgekühlten Spezialkisten bei 3,4 Grad Celsius. Im Wasser des Oder-Havel-Kanals herrschten gestern 0,9 Grad. Nach kurzer Akklimatisierungszeit wurden die Minis in Eimer geschüttet und vorsichtig per Kescher im Uferbereich ausgesetzt. „Hinter der Schleuse ging es nicht, da ist alles zugefroren“, so Olaf Wusterbarth, „aber die finden ihren Weg“.

Die Fische verkrümeln sich erst einmal unter den Steinen im Uferbereich. „Denn sie haben viele Freßfeinde.“ Aale selbst fressen im Winter nicht, das geht erst in wärmeren Tagen wieder los. Zwei neugierige Schwäne beobachteten André Stöwe, Christian Schulz und Alfred Leppak bei ihrer Arbeit.

„Etwa fünf Prozent der eingesetzten Glasaale werden groß“, so Stöwe. Trotz der hohen Verluste gebe es reichlich von den Tieren: „Ich habe 2017 bei 20 Aal-Angeltouren 150 Stück rausgeholt.

Natürlich nicht alle in der Größe, die man herausnehmen darf, aber zum Teil drei Pfund schwer“, so der Geschäftsstellenleiter des Anglerverbandes in der Heidelberger Straße, Anlaufstelle für aktuell 5497 Angelfreunde in Oberhavel. Um ein stattlicher Aal zu werden braucht es acht bis neun Jahre.

Finanziert wird der Fischbesatz vom Landesverband zu 70 Prozent aus der Fischereiabgabe, zu 30 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen. 2017 sind 43 Kilogramm Glasaale in Oranienburger Gewässern eingesetzt worden: „Vielleicht gibt es noch eine zweite Lieferung“, hofft André Stöwe.

Von Heike Bergt

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