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Oberhavel 45 Jahre Kita-Erzieherin
Lokales Oberhavel 45 Jahre Kita-Erzieherin
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08:38 05.09.2017
Kuscheln mit der Chefin: Sieglinde Rathnow mag das Kindergewusel um sich herum. Quelle: Robert Roeske
Oranienburg

Sieglinde Rathnow kennt in der Kita an der Martin-Luther-Straße nicht nur jeden Stein und jeden Raum aus dem Effeff – auch so gut wie alle Kinder hat sie hier in den vergangenen Jahrzehnten heranwachsen sehen. „Inzwischen gehen meine ersten Kinder auf die 50 zu! Und wir stellen bei ihren Kindern oft Ähnlichkeiten fest.“ Nach 45 Berufsjahren in der heutigen Kita „Stadtmusikanten“ sagt die 63-Jährige nun tschüss, geht zum Monatsende in den wohlverdienten Ruhestand. Und freut sich auf die „kleinen Freiheiten“, wie „mal abends einen Film zu Ende sehen können, weil man nicht so früh aufstehen muss“. Am 20. September findet eine Abschiedsfeier für sie statt.

Aufgewachsen ist Sieglinde Rathnow in der Weißen Stadt – mit sechs Geschwistern. In der Familie ging es immer rund. Und es habe in der Weißen Stadt sowieso sehr viele Kinder damals gegeben. Bis 1960 besuchte sie selbst als Kitakind das Haus in der Martin-Luther-Straße, drückte dann in der Oranienburger Goetheschule die Schulbank und absolvierte anschließend zwischen 1970 bis 1972 ein Fachschulstudium für Kindergärtnerinnen in Luckenwalde. Schon in der Schule war sie Übungsleiter für Mädchen im Geräteturnen, daraus resultierte ihr Berufswunsch. Dann begann sie am 1. August 1972 in „ihrer“ Kita zu arbeiten. Mit damals gerade 18 Lenzen.

Eigentlich ist die Kita „Stadtmusikanten“ für sie zur Familien-Kita geworden, denn auch ihre drei Töchter haben das Haus mit Garten, Pool und Sauna immer gern besucht und auch vier ihrer mittlerweile sechs Enkel. Und nicht nur das: Auch ihr Mann Reinhard Rathnow arbeitet hier seit 2004 als Hausmeister. Der ehemalige Kaltwalzwerker ist eigentlich schon in Rente, fühlt sich aber bei den Kindern so wohl, dass er noch bis Jahresende 2017 dort als Hausmeister Dienst tun will. Nach mehreren Umzügen innerhalb von Oranienburg, haben die Rathnows in Süd gebaut.

An die Anfänge ihrer Berufstätigkeit kann sich Sieglinde Rathnow noch gut erinnern. Sie habe sich in der Kita immer sehr wohl gefühlt. Bis heute habe sie nicht den Eindruck, etwas verpasst zu haben, weil sie nur an einem Arbeitsort beschäftigt war. Der hat sich immer wieder verändert. Heute betreuen sechs Erzieher 74 kleine Stadtmusikanten, Träger ist ein gemeinnütziger Verein.

Als Karin Hornke 2012 nach 36 Jahren als Chefin in den Ruhestand ging, übernahm Sieglinde Rathnow das Amt. Am 1. Oktober 2017 gibt nun Sieglinde Rathnow den Staffelstab an Bärbel Baurycza weiter. Sie hat sich in den vergangenen Wochen bereits eingearbeitet. Das diesjährige Sommerfest feiert Sieginde Rathenow am 9. September noch mit: Den 65. Geburtstag der Kita, die 1952 eröffnet worden war.

Sieglinde Rathnow sieht ihrem Ruhestand mit zwei lachenden Augen entgegen. Der Druck, immer für alles verantwortlich zu sein, sei dann weg. Sie werde sich auf jeden Fall nicht langweilen: „Ich möchte gern wieder Volleyball spielen“, sagt die 63-Jährige, „das habe ich als Leiterin nicht mehr geschafft und hatte immer Angst vor Verletzung und dass ich ausfallen könnte. Ich möchte mich einfach wieder mehr bewegen.“ Auch auf die Gartenarbeit freut sie sich, auf ihren Gartenteich, das Ernten von Tomaten und Bohnen. Als alte Camper mit der Familie über 27 Jahre auf der Insel Ummanz wolle sie mal Camping machen. Auch ihre Englischkenntnisse würde sie gern in einen Kurs auffrischen, ebenso die in Französisch, um sich dort besser verständigen zu können. „Und wenn mich Kinder und Enkel brauchen, kann auch ich endlich mal Oma sein und meine Enkel abholen. Bisher konnte ich das nicht.“

Wenn sie zurückschaue auf viele Kindergenerationen, so findet sie, dass Eltern früher „bescheidener, auch zufriedener“ waren. Und die Kinder hätten Spielzeug im Überfluss, lernten daher manches nicht mehr richtig zu schätzen. Schön findet sie hingegen, dass viele Eltern mithelfen in der Kita, zum Beispiel Sträucher schenken, damit die Kinder wissen, wo Tomaten und Beeren eigentlich wachsen. „Dass wir hier Kaninchen haben, Meerschweinchen und Aquarien.“ Auch nach 45 Jahren fühle sie sich in ihrer Kita wohl. „Wenn ich hier morgens ankomme, ist das wie nach Hause kommen, die Kollegen sind einfach verlässlich.

Und wenn sie ihr alle zu sehr fehlten ab Oktober, „dann gehe ich einfach mal rum“, sagt Sieglinde Rathnow. Sie wohne ja schließlich nicht weit von ihrer Kita entfernt.

Von Heike Bergt

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