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50 Jahre Fotos aus Leidenschaft

50 Jahre Fotostudio Tham in Hohen Neuendorf 50 Jahre Fotos aus Leidenschaft

Nach der Meisterprüfung wagte Alfred Tham den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Dezember 1965 eröffnete er mit Ehefrau Brigitte (75), ebenfalls Fotografin, das Fotostudio Tham. Das existiert bis heute am selben Ort, in der Schönfließer Straße 21 in Hohen Neuendorf.

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Schwelgen in Erinnerungen: Brigitte und Alfred Tham mit Tochter Julia, die das Fotoatelier jetzt führt.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Hohen Neuendorf. Manches erste Motiv war wenig erbaulich. Blasen- und Nierensteine, und zwar die besonders großen, waren es unter anderem, die Alfred Tham Anfang der 60er Jahre fotografierte. So dokumentierte er die Arbeit der naturwissenschaftlichen Institute an der Berliner Humboldt Universität. Die Bilder wurden dann in den Vorlesungen als Dia gezeigt oder erschienen in Lehrbüchern. Der Industriekaufmann hatte kurz zuvor sein Hobby zum Beruf gemacht und lernte an der Hochschulfilm- und Bildstelle. Das war nicht selbstverständlich, erinnert sich der 79-Jährige. Fotografie, das sei vor allem ein Handwerk für Frauen, habe es damals in der DDR geheißen. Die Männer legte man eher körperlich schwere Tätigkeiten nahe.

Nach der Meisterprüfung wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Dezember 1965 eröffnete er mit Ehefrau Brigitte (75), ebenfalls Fotografin, das Fotostudio Tham. Das existiert bis heute am selben Ort, in der Schönfließer Straße 21 in Hohen Neuendorf. Längst ist Tochter Julia (46) Inhaberin. Einen Tag der offenen Tür gab es bereits zum 50. Jubiläum, für Dienstag, 1. Dezember, ist eine private Feier geplant. Eine Institution, zugleich ein Stück Geschichte für den Ort, in dem das Ehepaar seit Jahrzehnten lebt. Alfred seit 1947, Brigitte seit 1953. Beim Baden an der Havel hatten sie sich kennengelernt.

Anfangs stand den Kunden nur ein Raum zur Verfügung. Dort, wo nun die Porträt-Shootings stattfinden, mit reichlich Technik und großer Leinwand, wohnte die vierköpfige Familie. Schlafzimmer und Stube, alles in einem einzigen Raum. Eine Leiter führte zu einem Hochbett. Wenn wir Kinder an den oberen Teil des Bücherregals wollten, mussten wir auf den Süßigkeiten-Schrank klettern, erinnert sich Julia. Der war meistens verschlossen – die Leckereien, die sich in den Westpakten befanden, gab es erst zu Weihnachten. Die einstige Küche dient nun als Büro, aus dem Bad wurde ein Archiv. Nach der Wende kaufte das Ehepaar die Immobilie von der Stadt und baute sie um. Nun wohnt es über dem Studio, Tochter Julia ein paar Straßen weiter.

Zu DDR-Zeiten war es eine Selbstständigkeit nach Plan. Überhaupt war das Studio nur möglich, da es im Einzugsgebiet genug Kunden gab. Die Thams waren die einzigen gewerblichen Fotografen im Ort, die Behörden gaben grünes Licht. Was das Ehepaar für seine Arbeit verlangen durfte, regelte eine staatlich vorgegebene Preisliste. Die Ausrüstung war ebenfalls vorgeschrieben. Ein Kleinbildkamera mit mindestens drei verschiedenen Objektiven, eine Mittelformat-Kamera mit ebenfalls drei Objektiven und eine große Plattenkamera für Architektur, das waren die Mindestanforderungen. Die Fabrikate stammten meist aus der DDR oder Tschechoslowakei. Alfred Tham entschied sich für einheimische Technik, eine Exakta Varex, eine Pentacon Six, und eine Mentor-Kamera. Damals wurden die Kameras noch repariert, nicht weggeworfen, erinnert er sich.

Passbilder, Hochzeiten Jugendweihen, Familienbilder, Akte, – die Thams fotografierten alles. Den Urlaub verbrachten sie mit dem Wohnwagen im sozialistischen Ausland. Polen, CSSR, Ungarn, Bulgarien, Rumänien die damalige Sowjetunion, sie waren fast überall. Man kam dort einfach besser an die Campingplätze ran als in der DDR, sagt Brigitte Tham.

Nach der Wende war erst einmal Schluss mit Urlaub, die Thams mussten wie viele andere auch um ihre Existenz kämpfen. Besonders in jenen schwierigen Jahren fotografierte Alfred Tham die extremen Veränderungen in Hohen Neuendorf, den Abriss alter und den Bau neuer Gebäude. Brigitte Tham: „Alfred hat den Ort dokumentiert.“

Von Fritz Hermann Köser

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