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76-Jähriger muss von SEK überwältigt werden

Nächtlicher Einsatz in Birkenwerder 76-Jähriger muss von SEK überwältigt werden

Dramatischer Einsatz in der Nacht für ein Potsdamer Spezialeinsatzkommando (SEK) in Birkenwerder (Oberhavel). Ein 76-Jähriger hat sich dort gegen die Einweisung in eine psychiatrische Klinik gewehrt und in seinem Haus verschanzt. Weil der Mann als Sportschütze mehrere Waffen besitzt, ist das SEK angerückt.

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Die Beamten bereiten sich auf den Einsatz vor.

Quelle: Julian Stähle

Birkenwerder. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei und Rettungskräfte rückte am Dienstagabend nach Birkenwerder aus. In einem Einfamilienhaus An den Havelwiesen hatte sich ein 76-Jähriger Sportschütze mit mehreren Waffen verschanzt. „Nach Einschätzung seiner Familie bestand die Gefahr, dass er eine Waffe gegen sich oder andere richtet“, sagte Einsatzleiter André Quade. Der Polizeihauptkommissar war an diesem Abend der Dienstgruppenleiter in der Polizeiinspektion Oberhavel. Kurz nach Mitternacht konnte der Mann, der sich bereits seit mehreren Jahren wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung befindet, von den Sonderkräften überwältigt werden. Niemand wurde dabei verletzt. Dem Zugriff war eine mehrstündige Verhandlung durch speziell ausgebildete Beamte vorausgegangen.

Zwangseinweisung in Klinik am Vormittag geplant

Ursprünglich sollte der Mann bereits am Dienstagvormittag auf Veranlassung seiner Angehörigen und seines Hausarztes zum Behandeln seiner Schizophrenie in die Klinik nach Hennigsdorf zwangsweise eingewiesen werden. Der Senior, der Mitglied im Verein der Lychener Schützengilde ist und offenbar seine Medikamente nicht regelmäßig einnahm, weigerte sich jedoch aufgrund des wiedergekehrten Krankheitsbildes hartnäckig. Nach langwierigen Diskussionen stellten seine Frau und sein Sohn am frühen Abend fest, dass die Waffen aus dem Sicherheitsschrank verschwunden waren. Die Angehörigen verständigten daraufhin die Polizei.

Die Häuser in der Nachbarschaft wurden evakuiert, Polizei und Feuerwehr kümmerten sich um die Anwohner

Die Häuser in der Nachbarschaft wurden evakuiert, Polizei und Feuerwehr kümmerten sich um die Anwohner.

Quelle: Julian Stähle

Gegen 20 Uhr wurde das SEK in Potsdam alarmiert, das mit mehreren schwarzen Geländewagen anrückte. Neben zehn SEK-Beamten kamen eine achtköpfige Verhandlungsgruppe sowie Polizeihundeführer mit ihren Tieren zum Einsatz. Zusätzlich wurden ein Notarzt und eine Rettungswagenbesatzung alarmiert, die ab zirka 21 Uhr in der Nähe des Wohnhauses bereitstanden, um sofort zu handeln. Um Unbeteiligte vor einem möglichen Schusswechsel zu schützen, ließ der Einsatzleiter die Häuser in der Nachbarschaft evakuieren. Rund 20 Personen versammelten sich an der Ecke Industriestraße/Friesenstraße. Sie wurden von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr versorgt und betreut. Zusätzlich leisteten andere Einwohner Nachbarschaftshilfe.

Barfuß vor der Haustür gestanden

Auch Anwohner Rainer Weitkamp musste sein Haus für zirka zweieinhalb Stunden verlassen. Barfuß hatte der 61-Jährige vor dem Haus die Ursache des Trubels ermitteln wollen und wurde sofort aus der Gefahrenzone gebracht. Seine Frau folgte wenig später – mit Schuhen. „Alles lief gut“, sagt Weitkamp der selbst eine Polizeihundertschaft führt und am nächsten Morgen für eine Kreuzfahrt nach Dubai fliegen will. Besonders die nachbarschaftliche Solidarität habe ihn beeindruckt. Die Leute seien von anderen Einwohnern mit Decken und Getränken versorgt worden.

Mit dem Rettungswagen wurde der Mann in die Klinik nach Hennigsdorf gebracht

Mit dem Rettungswagen wurde der Mann in die Klinik nach Hennigsdorf gebracht.

Quelle: Julian Stähle

Ein Decke hatte auch Grundschullehrerin und Gemeindevertreterin Katrin Gehring um die Schultern gelegt. Sie war nach 22 Uhr von einer Ausschusssitzung aus dem Rathaus gekommen – und nicht zu ihrem Haus vorgelassen worden. Das befindet sich gleich gegenüber von jenem Haus, dass von Polizeibeamten umstellt war. Die Beamten sprachen per Telefon mit dem bewaffneten Kranken und beobachteten ihn mit Nachtsichtgeräten. Ziel war es, Vertrauen zu ihm aufzubauen und ihn zum Aufgeben zu bewegen, sagte Einsatzleiter Quade. Alternativ sollte er in eine Position gebracht werden, um ihn gefahrlos überwältigen zu können. Dafür standen bewaffnete Beamte mit Hunden und Elektroschockern (Taser) bereit.

Am Ende ließ sich der Mann ohne Gegenwehr überwältigen. Der 76-Jährige habe keine Strafe zu erwarten, da er niemanden bedroht habe, sagt André Quade. Er sprach lediglich von einer „Anscheinsbedrohung für die Öffentlichkeit“. Gemeinsam mit seinen Angehörigen und mit Polizeibegleitung wurde der Mann ins Hennigsdorfer Krankenhaus gebracht.

André Quade bilanziert gelungenen Einsatz

Der Polizeihauptkommissar bilanzierte am Ende einen gelungenen Einsatz: Die Spezialkräfte hätten hervorragend mit den örtlichen Kräften zusammengearbeitet, ebenso mit Rettungskräften und Freiwilliger Feuerwehr. Auch die Anwohner hätten Verständnis dafür gezeigt, dass sie ihre Häuser verlassen mussten. Und: Der Senior sei körperlich unversehrt geblieben.

Drei Pistolen und eine Langwaffe stellten die Polizeibeamten gegen 0.30 Uhr aus seinem Besitz sicher. Hinzu kommt eine Tüte voller Munition. Das alles wird der Mann höchstwahrscheinlich nicht wiederbekommen: Ihn erwartet eine waffenrechtliche Eignungsprüfung.

Die Waffen werden sichergestellt

Die Waffen werden sichergestellt.

Quelle: Julian Stähle

Von Helge Treichel

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