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Ehrenamtlich Firmenchef

Oranienburg Ehrenamtlich Firmenchef

Seit drei Jahren ist Torsten Reipert Geschäftsführer der Kulturhaus Betreiber UG. Der gebürtige Hennigsdorfer lebt mit seiner Familie seit 2008 im Oranienburger Ortsteil und will dafür sorgen, dass das Kulturhaus Lebensmittelpunkt von Lehnitz bleibt und eine „schwarze Null“ schreibt.

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Torsten Reipert (r.) mit Hausmeister „Maxe“ Baumann. Der „Chef“ schwört auf seinen „Hausi“, der nie fehlt, jede Arbeit gut erledigt und gern bei den Gästen gesehen ist, die ihn schon mal auf einen Tasse Kaffee als kleines Dankeschön einladen.

Quelle: Heike Bergt

Lehnitz. „Wenn unten der Chor probt und ich im Büro arbeite, das ist Balsam für die Seele“, findet Torsten Reipert. Und er merke auch, „dass Lehnitz viel größer ist, als man denkt. Hier im Haus lernt man so viele Menschen kennen, das wäre mir sonst nie passiert.“ Der 38-Jährige ist Geschäftsführer der Betreiber UG des Kulturhauses „Friedrich Wolf“. Eine Unternehmergesellschaft, die zwar Hausmeister „Maxe“ Baumann beschäftigt und deren Chefposten ein Ehrenamt ist.

Torsten Reipert hat es vor drei Jahren übernommen. Und das gern. Er ist beruflich selbstständig, arbeitet als Anlageberater und in der Immobilienfinanzierung mit Büros in Oranienburg und Pankow. Geboren in Hennigsdorf, hat er vor zehn Jahren gebaut und ist mit Frau Daniela und den zwei Kindern seit 2008 Lehnitzer. Und er wohnt nicht weit weg von „seinem“ Kulturhaus.

„Das ist schon immer das kulturelle Zentrum, der Lebensmittelpunkt des Ortes.“ Kaum einer, der hier nicht schon Jugendweihe, einen runden Geburtstag oder Hochzeit gefeiert habe. Im Haus gibt es eine Büchertauschbörse, proben die Chöre, studieren die Karnevalisten ihre Aufführungen ein, ist der Babybasar zur Tradition geworden, ebenso der Weihnachtsmarkt und die Modellbahnausstellung, Runge-Absolventen-Feten und, und, und. Der Ortsvorsteher hat hier sein Büro oder die Willkommensinitiative trifft sich.

Doch alles schien vor drei Jahren in Gefahr zu geraten, als am 30. Juni 2013 der damalige Kulturhausverein das Handtuch warf. Ein Verein durfte künftig das Kulturhaus nicht mehr betreiben. Für die Vermietung musste ein neues Konstrukt geschaffen werden. Der Kulturverein und der Kitaverein „Mobile“ agieren seit dem 1. Juli 2013 als Gesellschafter, die Betreiber UG kümmert sich ums Geschäftliche. Dazu gehört die Vermietung ebenso wie die Verträge mit Gästen, die Abrechnung, die Zahlung der Umsatzsteuer, die Steuererklärung, die Absicherung der Sprechzeiten, die Webseite, der Veranstaltungskalender.

„2013, das war auch die Zeit, in der wir einen großen Schnitt gemacht haben“, erinnert sich Reipert. Boden und Keller wurden entrümpelt, das Inventar genau aufgenommen. Ziel der UG ist die Vermietung der Räume „und natürlich eine schwarze Null, damit wir die Stadt nicht immer um Unterstützung bitten müssen“. Die Vermietung komme immer besser in Schwung, so der Geschäftsführer. „Bis Weihnachten gibt es kein freies Wochenende mehr.“

Inzwischen hat sich im und ums Haus viel getan. Das ist vor allem auch einem zu verdanken: Hausmeister Dirk Baumann, den alle nur „Maxe“ nennen. Der Borgsdorfer arbeitet fünf Tage die Wochen von 7 bis 12 Uhr im Haus, die Stadt finanziert sein Gehalt mit. Nach der Sanierung der maroden Toiletten, ist die Freiluftbühne neu beplankt und ein Carport zum Unterstellen der mobilen Weihnachtsbuden aufgestellt worden, die Sitzbänke im Garten bekamen neue Holzleisten und Farbe, eine Kehrmaschine für den Winter wurde angeschafft. „Maxe“ harkt, fegt, streicht. „Die Anwohner bestätigen, dass es viel ansehnlicher geworden ist auf dem Gelände“, so Torsten Reipert. „2000 bis 3000 Euro bleiben im Jahr inzwischen übrig, dann überlegen wir immer, was als nächstes zu tun ist.“

Neben dem Hausmeister kann sich Reipert auch auf vier Helfer immer verlassen, die bei Bedarf mit anpacken: Es sind Thomas Reichert, Thomas Pietsch, Jutta Hennig und Steffen Ludwig. Zudem ruft Ortsvorsteher Matthias Hennig zweimal im Jahr zum „Subbotnik“ und viele machen mit.

Für die Aufgabe des ehrenamtlichen Geschäftsführers ist Reipert viele Stunden die Woche unterwegs. So umfangreich hatte er sich das gar nicht vorgestellt. Zwischendurch kamen ihm Zweifel, ob er das neben dem Job schafft. Um so mehr freut er sich über ein Dankeschön: „Das ist hier ein schönes Geben und Nehmen.“

Und was ist das nächste großes Ziel? „Die Heizkosten zu reduzieren! 18 000 Euro Nebenkosten brauchen wir im Jahr. Wenn wir das um 30 Prozent runter bekommen können, verschafft uns das viel Luft.“ Im Etatentwurf der Stadt für 2017 „sollen eine neue Heizungsanlage und Geld für die Dämmung des Saaldachs drin sein. Das könnte uns richtig helfen.“ Die große Hoffnung von Torsten Reipert.

Von Heike Bergt

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