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In Eden neue Wurzeln schlagen

Oranienburg In Eden neue Wurzeln schlagen

Nach ihrem nicht ganz freiwilligen Auszug aus ihrem Atelier in Hohen Neuendorf nach 40 Jahren, ist das Künstlerehepaar Frauke und Jürgen Gerhard nun in Eden zu Hause. Nach dem Umzug wollen sie hier heimisch werden, haben sich eingerichtet und wollen nun auch künstlerisch wieder nach vorn schauen.

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Frauke und Jürgen Gerhard in ihrem Atelier. Hier entstehen ihre Fayencen mit zarten Ranken und Blüten. Der Maler hat sein eigenes Reich.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Die Ateliers und Wohnräume sind eingerichtet, die Wände schmücken Bilder, Grafiken, Bücher, kunstvolle Keramiken – hundertfach. Nur mit dem Herzen sind Frauke und Jürgen Gerhard noch nicht gänzlich angekommen in Eden. Verständlich, wenn es die letzten 40 Jahre in Hohen Neuendorf geschlagen hat. Seit 1978 hatten sie dort eine gemeinsame Werkstatt. Fast zwei Jahre haben Hausumbau und Umzug gedauert. Der Auszug aus ihrem Haus in Annemariestraße war nicht ganz freiwillig. „Doch wir wollten irgendwann wieder Ruhe finden, nach vorn sehen, alte, neue Wurzeln schlagen“, sagt Jürgen Gerhard. Denn seine Frau ist ein Edener Kind.

Im Gebäude der ehemalige Musikschule in der Wilhelm-Groß-Straße 100 fanden sie das neue Zuhause. Das denkmalgeschützte Gemäuer hat schon vieles gesehen, war Domizil des ABV, Jugendherberge, Jugendclub. Was am Haus saniert werden musste? „Alles“, fasst es Jürgen Gerhard knapp zusammen. Große Hilfe war ihnen dabei Architekt Friedrich Seifert, mit der Frauke Gerhard verwandt ist. Auch finanziell stand ihnen die Familie zur Seite. „Wir haben hier Erspartes gegen Wohnsicherheit eingetauscht.“ Und was ihnen anfangs schier unmöglich schien, die Jahrzehnte gewachsene Werkstätte auf einen Umzug zu schicken, sie haben es gepackt. Eingepackt. „200 bis 300 Bananenkisten waren im Umlauf, sind längst nicht alle ausgepackt“, sagt Jürgen Gerhard. Jetzt scheint alles seinem Platz gefunden zu haben. „Die Trauerzeit ist vorbei, wir wollen endlich wieder künstlerisch arbeiten“, sagt der Maler und Grafiker.

Erst vor einigen Tagen ist das Künstlerehepaar von einem dreiwöchigen Marokko-Aufenthalt bei einem Freund in der Hafenstadt Essaouira zurückgekehrt. Eine Auszeit nach all dem Umzugstrubel und voller Eindrücke, die Jürgen Gerhard in Dutzenden Skizzen und Bilder von Land und Leuten, Natur und Architektur festgehalten hat. Auf dem Fußboden des Ateliers liegen sie aufgereiht, wollen noch fertig werden. Die Farbigkeit und das Lichtspiel an Fassaden spielen für Gerhard, der in seiner Heimatstadt Leipzig unter anderem bei Werner Tübke an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, eine wesentliche Rolle.

Während sich seine Werkstatt auf einer Seite des Hauses in Eden befindet, hat Frauke Gerhard, die in Velten gelernt und 17 Jahre bei Hedwig Bollhagen gearbeitet hat, ihr Reich auf der anderen. „So ist jeder sein eigener Herr. In Wohnzimmer und Küche in der Mitte treffen wir uns“, sagt die Keramikerin. Zudem gibt es einen kleinen Ausstellungs- und Verkaufsraum, den sie 2017 für Besucher öffnen will.

Ob ihre Kurse im Oranienburger Creativ-Centurm oder seine an der Volkshochschule – die Kunst hat bei Frauke und Jürgen Gerhard jetzt wieder Vorfahrt. Derzeit bereitet sie ihre Exponate vor, die vom 8. bis 11. Dezember auf der Zeughausmesse „Modern Craft“ unter den Linden in Berlin zu sehen sein werden.

Ehemann Jürgen bleibt bildlich gesehen noch eine Weile in Marokko: Er will die Gemälde in kleinen Formaten zu Ende bringen. Ein Teil davon soll die Exposition im März 2017 in der Klosterscheune Zehdenick komplettieren: Ein künstlerischer Rückblick auf 50 Jahre Malerei zu seinem 70. Geburtstag. Eröffnet wird sie am 19. März um 15 Uhr.

Von Heike Bergt

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