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Volles Rohr unterm Kanal

Oranienburg Volles Rohr unterm Kanal

Der Düker, drei Meter unter der Sohle des Oder-Havel-Kanals, ist fertig. Jetzt werden die Leitungen ans vorhandene Netz angebunden. Das Bauvorhaben im Auftrag der Stadtwerke kostet rund eine halbe Million Euro. In zwei Wochen kommt es zum Abschluss.

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Auf dem Parkplatz von Takeda wurden die Rohre vorverschweißt.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Kurz nach 18 Uhr war es am Mittwochabend soweit: Nicht nur Klaus-Dieter Hartung vom Ingenieurbüro IBZ fiel ein Stein vom Herzen. „Ein Düker ist dann gelungen, wenn die Rohre auf beiden Seiten herausgucken und unversehrt sind“, fasste der Bauleiter zusammen. Rund dreienhalb Stunden hatte es gedauert, das „Gesamtpaket“, ein ganzes Bündel von Leitungen, drei Meter unterm Gewässer hindurchzuziehen. Die Vorarbeiten für diese „auch für uns nicht alltägliche Baumaßnahme“ dauerten weit länger.

Acht Wochen oder eigentlich zwei Jahre, so Stadtwerke-Prokurist Ulrich Hofmann. Denn schon lange stand fest, „wir brauchen eine neue Abwasserdruckleitung nach Lehnitz, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.“ Denn es gibt nur eine einzige. Und die ist ziemlich alt. „Bei einer Havarie hätten wir ein Problem.“ Deshalb stand ein Düker unter dem Oder-Havel-Kanal lange an. Doch der KMBD sagte stopp: Es gibt einen Verdachtspunkt in der Böschung, erinnert sich Hofmann. Das war 2014. Das sorgte für eine Zwangspause für das Düker-Projekt. Nach der Entschärfung eines 500-Kilo- Blindgängers am 3. August 2016 kam grünes Licht „Und wenn wir das schon machen, kommen natürlich mehrere Rohre in den Boden“ – für Abwasser ebenso wie für Trinkwasser, Gas und zudem noch Leerrohre für weitere Kabel, so der Stadtwerke-Prokurist.

Die Planung liegt in den Händen der Ingenieure des IBZ mit Sitz in Berlin. Beauftragt mit dem Bau wurde nach der Ausschreibung die Spezialfirma für Leitungsbau Kuhlmann aus Lüneburg. Auf einer Länge von 210 Metern ging es unter dem Kanalbett durch, vom Baumschulenweg auf Lehnitzer bis zur Saarbrücker Straße auf Oranienburger Seite.

Per Spülbohrung ging es allmählich in die Tiefe. Dabei wird der Kanal mit Bentonit wie mit einer Suspension, die sich mit dem Boden verbindet, ausgekleidet. Der ausgespülte Boden kommt auf Deponien. Ist das Loch unter der Kanalsohle gebohrt, wird das Rohrbündel angehängt und beim Zurückziehen durchgezogen. Aber es gab auch zwischenzeitlich knifflige Momente, so, als beim Aufweiten des Kanals der Bohrer plötzlich an einer Pfahlgründung für die ehemalige Brücke, die auf Karten nicht eingezeichnet war, hängen blieb, berichtet Ulrich Hofmann.

Ab kommenden Dienstag beginnen nun die Arbeiten zum Anschluss der Leitungen im Düker an die vorhandenen Netze für Abwasser, Wasser und Erdgas. Das werde voraussichtlich noch zwei Wochen in Anspruch nehmen, so Hofmann. Es wird noch einmal zu Behinderungen auf diesem Abschnitt der Lehnitzstraße kommen.

Am Donnerstag ist die Bohrtechnik abtransportiert worden. Und am Mittwoch gab es „ein Bier für alle am späten Abend im Mannschaftsquartier“, so Klaus-Dieter Hartung. „Man ist schon froh, wenn alles gelungen ist“, so der Bauleiter. Sein Job mache ihm wieder viel Spaß, so der langjährige Bürgermeister von Hohen Neuendorf.

Von Heike Bergt

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