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Abgesägte Biografie

Kritik an Baumfällungen in Schildow Abgesägte Biografie

In der Schildower Bachstraße sind in dieser Woche neun Linden gefällt worden. Es handelt sich um den Auftakt für weitere Fällungen – auch in der Schubertstraße und Fritz-Reuter-Straße. Damit soll der geplante Straßenausbau vorbereitet werden. Alwin Schuster von der Initiative „Baumschutz Kommunal“ kritisiert die Fällungen, über die im Vorfeld nicht informiert worden sei.

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Alwin Schuster mit dem frischen Stubben vor seiner Haustür und mit dem selben Baum im „Mühlenspiegel“ vom Juni 2013.

Quelle: Foto und REpro: Helge Treichel

Schildow. Als Alwin Schuster am vergangenen Dienstagnachmittag von einer Einkaufstour aus Oranienburg nach Hause zurückkehrte, traute er seinen Augen kaum: Binnen fünf Stunden waren neun Bäume in seiner Bachstraße gefällt worden – für ihn völlig unerwartet. „Ich war fix und alle“, sagt der Sprecher der Initiative „Baumschutz Kommunal“. Insbesondere die Linde vor seinem Elternhaus bedeute ihm „ein Stück Biografie“. Noch vor gut zwei Jahren war er gemeinsam mit einer Baumschutz-Mitstreiterin vor dieser Linde abgelichtet worden. Nur ein Stubben zeugt noch von der Linde.

Insgesamt sollen 38 Bäume gefällt werden

In der Bachstraße sollen insgesamt elf von gut 60 Bäumen gefällt werden, in der Schubertstraße sind es zwölf von 40 und in der Fritz-Reuter-Straße 15 von insgesamt zirka 55 Straßenbäumen. Darüber informierte Baufachbereichsleiter Hanns-Werner-Labitzky auf Nachfrage. Grund dafür: Der in diesem Jahr geplante Ausbau dieser drei Straßen soll damit vorbereitet werden. Natürlich gebe es im Gegenzug auch Neupflanzungen. Die ersten neun Bäume seien in der Bachstraße bereits in die Erde gesetzt worden, sechs weitere sollen nach Abschluss des Straßenbaus folgen, so Labitzky. In der Schubertstraße sind nach seinen Worten 14 Neupflanzungen geplant, in der Reuterstraße 13. Als Ersatz geplant sind ausschließlich Winter-Linden, Baum des Jahres 2016.

Alwin Schuster  mit den frischen Stubben vor seiner Haustür (Foto oben)    und mit dem selben Baum im  „Mühlenspiegel“ vom Juni 2013

Alwin Schuster mit den frischen Stubben vor seiner Haustür (Foto oben) und mit dem selben Baum im „Mühlenspiegel“ vom Juni 2013.

Quelle: Helge Treichel

Den ehemaligen Kommunalpolitiker Alwin Schuster kann das nicht trösten. Seit Jahrzehnten setzt er sich für den Baumschutz ein. Mit einer Bürgereingabe zum Beispiel hat er sich im Februar 1987 beim damaligen Rat der Gemeinde beschwert, weil zum Freihalten der Stromleitungen von mehrere Kastanien und Linden die gesamte Krone abgesägt worden war, darunter von der Linde vor seiner Haustür. Der Baum habe sich seit der Erdverkabelung Anfang der 1990er-Jahre sehr gut erholt. Vor zirka viereinhalb Jahren sei der Baum „wieder geköpft“ worden, bereits vor einem Jahr wurde er erneut beschnitten. „Das war aus meiner Sicht nicht nötig“, sagt Schuster.

Dass dieser und weitere Bäume speziell in der Bachstraße nun gefällt wurden, gehe auf die Vorschädigung durch unsachgemäße Pflegemaßnahmen in der Vergangenheit zurück, hält Hanns-Werner Labitzky entgegen. Das Vorgehen sei eng mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt worden. Das gemeinsame Fazit: An den Kopfbäumen kam es zu „missgestalteten Kronen und Vitalitätseinschränkungen“. Fällungen und Neupflanzungen seien der beste Weg, um den Zustand zu bereinigen. Der Baum vor dem Haus Bachstraße 23 sei sogar bereits abgestorben gewesen.

In den Plänen kein Baum zur Fällung eingezeichnet?

Von Baumfällungen sei im Vorfeld zum Straßenausbau jedoch nie die Rede gewesen, sagt Anwohner Alwin Schuster. Zur Anwohnerversammlung im Juli vergangenen Jahres seien sehr viele Interessenten erschienen, jedoch sei in der Entwurfsplanung kein Baum zur Fällung eingezeichnet gewesen. Vielmehr sei im Zusammenhang mit befürchteter Raserei darauf verwiesen worden, dass es Straßeneinengungen geben wird, eigens für Bestandsbäume. „Da hatten wir geglaubt, dass unsere Bemühungen um mehr Baumschutz in der Gemeinde endlich Früchte tragen“, sagt Schuster.

Tatsächlich gibt es Stellen, an denen die Fahrbahn von fünf auf dreienhalb Meter eingeengt wird, beispielsweise vor der Bauchstraße 2a, vor der Schubertstraße 1a, 5 und an der Einmündung Fritz-Reuter-Straße. Vor der Schubertstraße 15 bis 17 werde die Fahrbahn eigens verschwenkt, um den Baumbestand zu erhalten. Das, aber auch die Fällungen „fußen auf der Planung, die wir in den Bürgerveranstaltungen vorgestellt haben“, sagt Labitzky. Realisierungszeitraum sei von März bis November.

Der jetzt gefällte Baum nach dem Pflegeschnitt im Jahr 2011

Der jetzt gefällte Baum nach dem Pflegeschnitt im Jahr 2011.

Quelle: Alwin Schuster

Von Helge Treichel

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