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Abwasser: Alles muss fließen

Mühlenbecker Land/Glienicke Abwasser: Alles muss fließen

Wenn es in einem Abwasserpumpwerk zur Havarie kommt, müssen die Mitarbeiter des Zweckverandes Fließtal sofort handeln. Jeder Stillstand birgt die Gefahr, dass nach einiger Zeit irgendwo Schmutzwasser überläuft.

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Sechseinhalb Meter unter der Lessungstraße liegt ein Zentrales Abwasserpumpwerk des Zweckverbandes Fließtal.

Quelle: Helge Treichel

Schildow. Zwei große und einige kleine Gullydeckel, ein Schaltkasten am Straßenrand – mehr ist von dem Zentralen Abwasserpumpwerk (ZAPW) an der Lessingstraße in Schildow nicht zu sehen. Im Untergrund jedoch verbirgt sich die Hauptmagistrale für die Abwasserentsorgung aller Schildower und Glienicker. „Es ist schon erstaunlich, was unter der Erde an Technik liegt“, sagt Frank Vocke. Der Zehlendorfer ist seit 13 Jahren für die Wartung und Instandhaltung der Anlagen des Zweckverbandes Fließtal zuständig. „Scheiße ist kein Spaß“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Bevor die Wartungsarbeiten beginnen können, muss ein Sammelraum leer gepumpt werden

Bevor die Wartungsarbeiten beginnen können, muss ein Sammelraum leer gepumpt werden.

Quelle: Helge Treichel

Rund 50 Liter Abwasser laufen in dem Pumpwerk in 6,5 Metern Tiefe im Freigefälle zusammen – pro Sekunde. Am Tag sind das zirka 2500 Kubikmeter. Etwa zwei Drittel davon stammen aus Glienicke. Drei Pumpen mit je 22 000 Watt sind dann dafür zuständig, das Schmutzwasser in Richtung Klärwerk Schönerlinde weiterzubefördern – vorbei am Kiessee, S-Bahnhof und Berufsförderungswerk. Bis zu 70 Liter, also eine Badewannenfüllung, können pro Sekunde bewältigt werden. In Mühlenbeck-Süd dann befindet sich ein weiteres ZAPW, sagt Vocke.

An diesem Dienstagmorgen blickt der Abwassermeister mit Ernster Mine in den tiefen Schacht. Das Durchflussmengenmessgerät muss ausgetauscht werden. Das Rohrstück mit den vier magnetisch-induktiven Messelektroden ist noch intakt. Aber der sogenannte Messumformer, der 25 Jahre lang anhand der Messdaten die Durchflussmenge zuverlässig ermittelt hatte, ist defekt. Ersatzteile allerdings gibt es nicht mehr, sodass die komplette Einheit ausgetauscht wird. Stückpreis: rund 3000 Euro. Bei dieser Gelegenheit werden zugleich drei „Schieber“ mit Handrad gewechselt – im Grunde überdimensionale Wasserhähne für 20 Zentimeter starke Rohre. Jeder kostet 550 Euro.

Der neue Durchflussmengenmesser wird mit einem Kran in die Tiefe herabgelassen

Der neue Durchflussmengenmesser wird mit einem Kran in die Tiefe herabgelassen.

Quelle: Helge Treichel

Einen ganzen Tag haben die Männer von der Oranienburger Installationsfirma für die Arbeiten eingeplant. Bereits nach einer Stunde lässt Inhaber Frank Moede das erste Ersatzteil am Kran in die Tiefe, den 85 Kilogramm schweren Durchflussmengenmesser. Der ist so schnell eingebaut, dass in dem Zwei-Stunden-Zeitfenster auch der erste Schieber getauscht werden kann. Dass es so schnell geht, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer mehrwöchigen Vorbereitung. „Wer bei der Vorbereitung versagt, hat sein Versagen vorbereitet“, sagt Vocke.

Der Zweckverband Fließtal

Das Gebiet des Zweckverbandes „Fließtal“ umfasst das Territorium der Gemeinden Birkenwerder und Mühlenbecker Land, ohne den Ortsteil Zühlsdorf. 

Im Einzugsgebiet des Zweckverbandes leben derzeit rund 20 600 Einwohner. Durchgeleitet wird das Schmutzwasser von rund 11 000 Glienickern. Anschlussgrad: 98 Prozent. 

Das Kanalnetz umfasst 305 Pumpwerke sowie Rohrleitungen mit einer Gesamtlänge von 164 Kilometern. 

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens lädt der Zweckverband für den 7. Juli zum „Tag der offenen Tür“ ein. Die zehn Mitarbeiter beantworten am Sitz in Birkenwerder gerne alle Fragen der Gäste (An der Autobahn 1a).

Die Zeit für die eigentlichen Arbeiten aber ist stark begrenzt, weil verübergehend kein Abwasser weitergeleitet werden kann. Um wenigstens einen Teil davon abzupumpen, sind zwei Männer der Berliner Firma Rund 24 mit ihrem Combi-Saug- und Spülfahrzeug vor Ort. Pro Fuhre können sie zehn Kubikmeter in die Kastanienallee nach Mühlenbeck bringen.

So sieht es im Innern einer Pumpe aus, wenn diese durch Kunststoffgewebe verstopft wurde

So sieht es im Innern einer Pumpe aus, wenn diese durch Kunststoffgewebe verstopft wurde.

Quelle: Frank Moede

Auch im Mühlenbecker Pumpwerk in der Blankenfelder Straße hatten Moede und seine Männer über Ostern einen Einsatz. Vliestücher und andere Hygieneartikel hatten eine der Pumpen verstopft. Sie musste demontiert werden, um den gewaltigen „Zopf“ an Unrat herauszuholen. Insbesondere Feuchttücher im Abwasser seien ein großes Problem, sagt Katja Richter, seit zwei Jahren Verbandsgeschäftsführerin. Die Tücher zersetzen sich durch die mechanische Einwirkung im Kanal nicht, da sie aus Kunststoff bestehen. Trotz gegenteiliger Behauptungen der Hersteller seien sie nicht geeignet, über die Toilette entsorgt zu werden. Immer wenn sie dort eine Zopf gebildet haben, müssen Vocke und Meode wieder aktiv werden im Untergrund vom Mühlenbecker Land – damit alles fließt und der Cocktail aus Schmutz und Fäkalien nirgendwo überläuft.

Frank Vocke am Steuerschrank des Pumpwerkes

Frank Vocke am Steuerschrank des Pumpwerkes. Hier kann manuell geschaltet werden, was ansonsten auch über Fernsteuerung möglich ist.

Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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