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Achtung längsseits kommen und anlegen!

Wasserschutzpolizei Achtung längsseits kommen und anlegen!

Täglich sind die Beamten der Wasserschutzpolizei auf Seen, Flüssen und Kanälen unterwegs und kontrollieren die Berufsschifffahrt sowie die Sportboote. Bootsführer müssen die Papiere des Schiffes und ihren Führerschein dabei haben. Auf Kontrollfahrt auf dem Lehnitzsee.

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Dieter (l.) und Winfried Sacher werden von Polizeihauptmeister Harald Graßmann kontrolliert.

Quelle: M. Bergsdorf

Oranienburg. Ein Fahrgastschiff, ein Segler und drei Sportboote fahren in das Lehnitzer Schleusenbecken ein und werden sechs Meter zu Tal befördert. Die Beamten der Wasserschutzpolizei nehmen die Boote in Augenschein und entdecken zwei Kennzeichen auf dem Segelboot. Andreas Pompetzki, amtierender Leiter der Wasserschutzpolizei, Direktion Nord, spricht den Bootsführer an. Dieser räumt ein, dass das Kennzeichen des Vorbesitzers wieder sichtbar geworden sei, weil der dunkelblaue Streifen über dem Kennzeichen verblasst sei. Das habe er erst jetzt bemerkt und werde das alte Kennzeichen schnell entfernen. Pompetzki belässt es bei einer Ermahnung und verhängt kein Verwarngeld: „Wir sind freundlich und die Bootsleute meist auch. Ich hoffe, dass das alte Kennzeichen nun schnell entfernt wird.“

Wasserschutzpolizei Direktion Nord

Zuständigkeit: Die Wasserschutzpolizei der Polizeidirektion Nord mit Sitz in Oranienburg ist zuständig für 285 Kilometer Bundes- und Landesschifffahrtsstraßen und viele Seen. So zum Beispiel für den Neuruppiner See sowie die Rheinsberger und Fürstenberger Gewässer.

Personal: 40 Mitarbeiter in Wittenberge, Rheinsberg, Fürstenberg, Neuruppin und Oranienburg

Boote: Acht Boote vom Schlauchbot bis zum 13 Meter langen Streifenboot

Erreichbar: 6 bis 22 Uhr unter  0 33 01/8 50 26 53 oder 110

Auf der Kontrollfahrt über den Lehnitzsee holt Pompetzki in Höhe des Seeausgangs die Kelle heraus, hebt sie in Richtung eines Charterbootes und gibt dem Bootsführer zu verstehen, dass er anhalten soll. Sofort kommt dieser der Aufforderung nach und macht am Polizeiboot fest. Bootsführer Dieter Sacher zeigt Bootszeugnis und Sportbootführerschein. Letzterer ist nicht unterschrieben, was Dieter Sacher gleich vor Ort erledigt. Das sei ihm noch gar nicht aufgefallen, sagt er. Die beiden freundlichen Brüder aus Pforzheim sind das 2. Mal mit einem Charterboot auf Brandenburgischen Gewässern unterwegs: „Die Landschaft ist ein Traum, doch bei uns im Schwarzwald ist es auch schön“, erklärt Winfried Sacher. Ein Verwarngeld wird nicht ausgesprochen. „Schließlich fehlte nur eine Unterschrift“, sagt Polizeihauptmeister Harald Graßmann. Beim Verabschieden fragt Winfried Sacher, wo denn eigentlich Kanzlerin Merkel her sei. „Na aus Templin“, antworten die Beamten und geben gleich Tipps, wo in Templin man gut anlegen kann.

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Beamte der Wasserschutzpolizei, Direktion Nord, mit Sitz in Oranienburg kontrollieren Sportboote auf dem Lehnitzsee. Die meisten Bootsführer sind freundlich, als sie gestoppt werden.

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Weiter geht es aus dem Lehnitzsee heraus vorbei am Weißen Strand in Süd. Dort hätte sich kürzlich fast eine Tragödie ereignet. Ein Vater schwamm mit seiner Tochter im Oder-Havel-Kanal. Sie wurden durch den Sog eines vorbeifahrenden Fahrgastschiffes bis auf anderthalb Meter an das Schiff herangezogen. Sie konnten sich nur mit Mühe an den Steinen im Kanal festhalten und zogen sich Schürfwunden zu. Der Vater hatte Anzeige erstattet. Die Polizei ermittelt nun den Schiffsführer des Fahrgastschiffes aus der Schweiz. Doch Pompetzki meint: „Badende haben der Schifffahrt immer den Vorrang zu lassen.“ Oft werde der Sog von Schiffen unterschätzt. „Die Schiffsschraube zieht viel Wasser an, um das Schiff fortzubewegen.“ Der Polizeibeamte sieht auch die Stadt Oranienburg in der Pflicht. Diese müsse auf einem Schild auf die Gefahr des Badens im Kanal hinweisen. Denn es handle sich nicht um eine offizielle Badestelle, sondern um eine „Badegelegenheit“. Hier sei das Baden auf eigene Gefahr möglich. Pompetzki weiß aus Erfahrung, dass man zwei Köpfe auf der Wasseroberfläche als Führer eines großen Fahrgastschiffes, noch dazu in einer Kurve, kaum sehen könne.

Wieder auf dem Lehnitzsee bemerkt Pompetzki ein Sportboot mit Deutschlandflagge und einem Pleitegeier drauf. Solch eine Spaßflagge sei nicht erlaubt. So richtig witzig findet der Beamte den Pleitegeier auch nicht: „Schließlich werden die Sportboote in den staatlichen Schleusen kostenlos geschleust. Da muss man dem Staat nicht noch die Pleite andichten.“ Der Bootsführer aus dem Rheinland nimmt’s locker und die Flagge ab. Er kommt aus Duisburg und wundert sich, dass noch niemand an seiner Spaßflagge Anstoß genommen hat. Die Polizeibeamten machen ihn auf zwei weitere Verstöße aufmerksam. Er hat sein Schlauchboot so am Heck befestigt, dass das Kennzeichen des Sportbootes verdeckt ist. Auch das sieht der Bootsführer ein und befestigt das Schlauchboot vertikal am Heck, so dass das Kennzeichen gut lesbar ist. Der dritte Verstoß ist das Fehlen des Handbuches für den Funkverkehr. Das könne er sich ja aus dem Internet herunterladen und auf dem PC abspeichern, rät Polizeihauptmeister Harald Graßmann. Er spricht ein Verwarngeld von zehn Euro aus. Der Bootsführer zahlt ohne zu murren. Schwerer geahndet werden würden Alkoholkonsum eines Bootsführers oder Fahren mit zu hoher Geschwindigkeit.

Harald Graßmann ist seit elf Jahren bei der Wasserschutzpolizei. Er hat es nicht bereut, den schwierigen Lehrgang in Hamburg absolviert und das Radarpatent erworben zu haben. „Ich wollte mal zur See fahren. Nun bin ich auf heimischen Gewässern. Die Arbeit macht mir Spaß“ Er nimmt in Kauf, im Sommer weniger Urlaub zu haben als bei der Landpolizei.

Das sei der Grund, warum viele Kollegen nicht zur Wasserschutz wollten, bedauert Pompetzki und spricht von Nachwuchssorgen. Im Winter könnten die Wasserschutzpolizisten Überstunden abbauen, berichtet der amtierende Leiter. Ansonsten würden sie die Landpolizei unterstützen _ den Funkwagendienst, die Kripo und die polizeiliche Prävention.

Von Marion Bergsdorf

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