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Oberhavel Adoptionszahlen im Landkreis stabil
Lokales Oberhavel Adoptionszahlen im Landkreis stabil
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09:21 16.02.2017
Von Anfang an ist die kindliche Bindung wichtig. Die Vermittlungsstelle beginnt ihre Arbeit sogar schon, wenn das Baby noch im Mutterleib ist. Quelle: epd
Oberhavel

Bundesweit sind die Adoptionszahlen seit der Wende rückläufig. Wurden 1991 noch 7142 Kinder und Jugendliche adoptiert, sind es 2015 „nur noch“ 3812 gewesen. In die Statistik fließen Stiefkindadoptionen und Fremdadoptionen mit ein. Gründe für den Rückgang sehen Experten in der fortschreitenden Entwicklung der Reproduktionsmedizin: Hormonbehandlung, Samenzellübertragung, künstliche Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation). Auch die Zahlen im Landkreis Oberhavel unterliegen Schwankungen – jedoch nicht so starken.

„Wir haben gute Vermittlungszahlen“, sagt Petra Menzfeld. Zusammen mit Kollegin Uta Knapp-Heidepriem ist sie in der Adoptionsvermittlungsstelle für Oberhavel zuständig. Seit 1. Juli 2013 übernimmt Oberhavel die Aufgabe der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Landkreise Oberhavel, Barnim, Märkisch-Oderland, Uckermark. Sitz: Oranienburg.

Kein Jahr ohne Vermittlung

„Es gibt kein Jahr, wo wir nicht vermitteln“, so Petra Menzfeld. „Im Durchschnitt ist das ein Kind pro Monat“, fügt Uta Knapp-Heidepriem hinzu und bezieht sich auf Fremdadoptionen in allen vier Landkreise. In Oberhavel direkt waren es 2013 genau drei, ein Jahr später sieben, 2016 wieder drei. Dabei handelt es sich um die sogenannte „Neugeborenvermittlung“.

Die Gründe, warum Mütter ihre Kinder nicht großziehen wollen, sind mannigfaltig. Von der 15-Jährigen, die ungewollt schwanger wurde bis zur mehrfachen Mutter, die durch ein weiteres Kind in finanzielle Schwierigkeiten geraten würde. „Wir vermitteln schon, während das Kind noch im Bauch der abgebenden Mutter ist“, so Petra Menzfeld. Nach der Entbindung gibt es noch einmal ein Beratungsgespräch – und eine acht-wöchige Schutzfrist für die leiblichen Eltern. Hier können sie von einer Adoption noch Abstand nehmen. „Das ist ein Risiko für die Adoptiveltern“, so Uta Knapp-Heidepriem über diese sehr „angespannte Zeit“.

Das Kind steht im Mittelpunkt bei einer Adoption. Quelle: dpa-Zentralbild

Adoptiveltern kämen dabei aus sämtlichen Gesellschaftsschichten. Arbeiterfamilien, Akademiker, Selbstständige. Die berufliche Herkunft ist nur ein Mosaikstein, der zur erfolgreichen Adoption führt. „Wichtig ist die Bereitschaft, die leiblichen Eltern wertzuschätzen.“ Es würden oft Welten aufeinander treffen: Die Frage nach dem Warum steht ihm Raum: Warum gibt eine Mutter ihr Kind weg? Andere Seite: Dankbarkeit, ein eigenes Kind zu bekommen. Zwischen den Polen soll es keine Abwertung geben. „Das spüren die Kinder später.“

Adoption von fremden Kindern braucht Zeit. „Die Vorbereitungen dauern etwa ein Jahr“, so Petra Menzfeld. 2015 hat die Adoptionsvermittlungsstelle 134 Menschen begleitet, im vorigen Jahr waren es 66. „Die Adoptiveltern müssen sich sehr öffnen.“ Blank ziehen, finanziell und emotional. Auch das Jugendamt wird involviert. Einmal im Monat treffen sie sich mit den Mitarbeiterinnen der Vermittlungsstelle. Die Zeit sei wichtig, so Uta Knapp-Heidepriem. „Das Thema beschäftigt Eltern und Kinder ein Leben lang.“ Es sei nicht immer sichtbar, aber doch da. „Es muss ein Bestandteil des Lebens sein.“

Keine Tabuisierung mehr

Verheimlichung, wie das früher üblich war, sei kontraproduktiv, rufe nur seelische Schäden hervor. „Man sollte dem Kind von Anfang an sagen, dass es adoptiert ist, Kinder wachsen da rein, dann schlittern sie später in keine Identitätskrise.“ Auch die leiblichen Eltern können, wenn Bedarf besteht, ein Besuchsrecht einräumen. Es sollte nichts mehr tabuisiert werden.

Um adoptieren zu können, muss ein Elternteil 25 Jahre alt sein, das andere 21. Alleinstehende müssen 25 Jahre alt sein. Nach oben hin gibt es keine Grenze, aber Empfehlungen. So sollten zwischen Adoptivkind und neuen Eltern nicht mehr als 40 Jahre liegen. Beide Seiten können auch Wünsche äußern. Aus welchen Verhältnissen sollen Eltern/Kind stammen, welche Hautfarbe haben, aus welcher Region, eher ländlich oder städtisch. Alle Wünsche müssen möglichst ausgeglichen sein, um eine Adoption zu ermöglichen. „Wir suchen nicht das beste Kind für die Eltern, sondern die besten Eltern für ein Kind", so Uta Knapp-Heidepriem und Petra Menzfeld.

Gleichgeschlechtliche Eltern können über Umwege adoptieren

Und das sind auch immer mehr gleichgeschlechtliche Paare. Rechtlich ist diese Adoption nicht der regulären gleichgestellt. „Aber es gibt Möglichkeiten. Über Umwege kommen wir ans Ziel.“ Bei eingetragenen Lebenspartnern kann ein Elternteil als Einzelperson ein Kind adoptieren. Es ist wie mit der sogenannten „Homo-Ehe“: das Ziel kann über Schleichwege erreicht werden, der Sieg ist dennoch ein anderer, rein rechtlich gesehen.

Die meisten Adoption betreffen jedoch nach wie vor Stiefkinder. 30 solcher vom Gericht abgeschlossenen Adoptionen wurden 2015 in Oberhavel durchgeführt, 26 im vergangenen Jahr. Auch hilft die Adoptionsvermittlungsstelle bei Erwachsenen, die ihre leiblichen Eltern suchen – eine fast schon kriminalistische Arbeit. „Mitunter werden DDR-Traumata bei uns aufgearbeitet.“

Von Marco Winkler

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