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Ähnliche Ziele, verschiedene Wege

Bürgermeisterwahl in Hohen Neuendorf Ähnliche Ziele, verschiedene Wege

Vier Kandidaten bewerben sich um das Amt des hauptamtlichen Bürgermeister in Hohen Neuendorf. Auf Einladung der Bündnisgrünen stellten sie sich den Fragen der Einwohner. Eines kam bei manchem Zuhörer nicht gut an: dreckige Wäsche waschen.

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Vier Kandidaten werben um die Wählergunst in Hohen Neuendorf (v. l.): Steffen Apelt, Josef Andrle, Christian Erhadt-Maciejewski und Amtsinhaber Klaus-Dieter Hartung.

Quelle: Foto: Helge Treichel

Hohen Neuendorf. Einen eigenen Kandidaten für das höchste Amt in der Stadt haben Bündnis 90/Die Grünen nicht in das Rennen geschickt. Mit einem öffentlichen Forum wolle man dennoch die politische Verantwortung im Zusammenhang mit der Bürgermeisterwahl am 15. November

Mit zuvor verteilten Klebepunkten wurden die Themen ausgewählt

Mit zuvor verteilten Klebepunkten wurden die Themen ausgewählt.

Quelle: Helge Treichel

wahrnehmen, sagte Fraktionsvorsitzender Thomas von Gizycki. Und so waren die vier Kandidaten und die Einwohner für Montagabend in die Stadthalle eingeladen worden. Acht Themenbereiche hatten die Bündnisgrünen vorgegeben, aus denen die rund 80 Gäste wählen konnten. Denn während im Internet alle Antworten in Form von Wahlprüfsteinen aufgelistet werden sollen war in der Live-Veranstaltung einfach nicht genügend Zeit für alles. Gizycki hatte ein Limit von zwei Stunden gesetzt.

Die meisten Klebepunkte brachten die Gäste im Bereich Stadtentwicklung und Wohnungsbau an. Die Kadidaten äußerten sich dazu reihum nach einer kurzen Vorstellungsrunde. Amtsinhaber Klaus-Dieter Hartung (Die Linke) machte den Anfang. Das Wachstum in Hohen Neuendorf sei „extrem“, sagte er. „Wir müssen zusehen, dieses nicht zu befördern“, so seine Schlussfolgerung. Die damit verbundenen Probleme seien sonst nicht zu beherrschen. Denn mit der Einwohnerzahl wüchsen auch die Ansprüche. Und das Geld wachse nicht auf Bäumen. Er setze darauf, den kommunalen Wohnungsbestand in einen Eigenbetrieb zu überführen. Privater Wohnungsbau sei auf „Gewinnmaximierung“ ausgerichtet. Das zeigten Komplettrodungen von Grundstücken in der Vergangenheit.

Liberaler geht auf Contra

Das Kontrastprogramm lieferte Christian Erhardt-Maciejewski (FDP. „Ich möchte Wachstum befördern“, bekannte er. Dafür würden insbesondere Zwei- bis Drei-Raumwohnungen in der Stadt benötigt. Mit einer Wohnungsbaugesellschaft jedoch entstünden „Ghettos“ Dass auch Private bezahlbaren Wohnraum schaffen können, zeige das Beispiel von Investor Roland Schuh in Borgsdorf. Die Kaltmiete liege bei 6,50 bis 7 Euro je Quadratmeter. Gewerbe insdes spiele in der Stadt kaum eine Rolle. Er wolle deshalb ein Gewerbe- und Einkaufszentrum in Stolpe schaffen, so Erhardt-Maciejewski.

Josef Andrle (SPD) möchte das vorhandene Leitbild Hohen Neuendorfs als Orientierung für die Stadtentwicklung nutzen. Beim Stadtmarketing müsse jedoch eindeutig mehr getan werden, denn das sei mehr als ein schicker Internetauftritt. „Die Gewerbesteuereinnahmen sind geringer als die von Gransee. Da geht noch was“, sagte Andrle. Die Rahmenbedingungen für privaten Wohnungsbau müsse die Stadt so gestalten, „dass uns Investoren nicht auf der nase herumtanzen“. Auch da müsse einiges besser gemacht werden. Stadtenwicklungspotenziale sehe er insbesondere bei Grundstücken in Eigentum der Stadt. „Da sind wir Herr des Verfahrens und können handeln.“

Steffen Apelt (CDU) möchte den Gartenstadtcharakter Hohen Neuendorfs erhalten. Mit einem Mehrgenerationenplan (etwa Fitness- und Joggingpfade)

Rund 80 Zuhörer fanden sich im Versammlungsraum der Stadthalle ein

Rund 80 Zuhörer fanden sich im Versammlungsraum der Stadthalle ein.

Quelle: Helge Treichel

möchte er Angebote für Jung und Alt gleichermaßen machen. Das Wachstum, für das eine Baulandanalyse ein Potenzial für bis zu 5000 zusätzliche Einwohner (insgesamt 30 000 Einwohner) prognostiziert hat, müsse behutsam entwickelt werden. Apelt setzt dabei demonstrativ auf private Investoren und führt ebenfalls das positive Borgsdorfer Beispiel an. Als Vertreter der Wirtschaft vermisse er persönlich den Bürgermeisterstammtisch für das Handwerk und Gewerbe, den es früher mal gegeben habe. Das sei keine „Kungelrunde“, sondern ermögliche unmittelbare Kontakte. Und: Neues Gewerbe brauche ein neues Gewerbegebiet sowie flächendeckendes V-DSL für noch schnellere Internetanschlüsse.

Ein verbesserter S-Bahn-Takt, Stellflächen für Autos und Fahrräder sowie mehr Radwege – so lässt sich die Diskussion zum zweitplatzierten Thema Verkehr zusammenfassen. Dass die Stadt notfalls selbst Geld für das benötigte zweite S-Bahn-Gleis in die Hand nimmt, forderte der FDP-Kandidat mit Verweis auf das Beispiel Teltow. Wie sehr persönlicher Wunsch und machbare Wirklichkeit mitunter auseinanderklaffen, machte Amtsinhaber Klaus-Dieter Hartung indes deutlich. Auf ein gemischtes Echo stieß die Tatsache, dass auch das Flüchtlingsthema im Wahlkampf thematisiert wurde. Während Hartung auf die Verantwortlichkeit beim Landkreis verwies, beschworen die übrigen Kandidaten mehr Offenheit und mehr kommunale Mitwirkung.

Vier für eine Stadt

Zur Bürgermeisterwahl in Hohen Neuendorf am Sonntag, 15. November, treten an: Steffen Apelt (CDU), Geschäftsführer, Jahrgang 1962; Josef Andrle (SPD), Ministerialbeamter, Jahrgang 1964; Klaus-Dieter Hartung (Die Linke), Bürgermeister, Jahrgang 1956, und Christian Erhardt-Maciejewski, Redakteur, Jahrgang 1975.
Eine etwaige Stichwahl ist für Sonntag, 29. November, 2015 angesetzt. Wahlberechtigt sind Einwohner ab 16 Jahren. 

Der hauptamtliche Bürgermeister für Hohen Neuendorf und die Stadtteile Bergfelde, Borgsdorf und Stolpe wird für acht Jahre gewählt.

Von Helge Treichel

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