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Ärger am Moderfitzsee

Himmelpfort Ärger am Moderfitzsee

Eigentlich soll der Moderfitzsee in Himmelpfort eine Ruhe- und Schutzzone für Flora, Fauna und Erholungssuchende sein. Wären da nicht die Motorboote, die dort eigentlich nicht fahren dürften, und die sechs Schneisen, die in den Schilfgürtel geschnitten wurden. Das alles bringt den Gemeindefrieden durcheinander und den Ortsvorsteher auf die Palme.

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Beim Vorort-Termin am Moderfitzsee (v.r.): Ortsvorsteher Lothar Kliesch, Thomas von Gizycki (Die Grünen), Benjamin Raschke (MdL), Carola Hoheisel und Tilman Kunowski. Der öffentliche Steg ist sichtlich leer.

Quelle: Foto: Blumberg

Oranienburg. Lothar Kliesch ist nicht nur der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses, sondern auch Ortsvorsteher von Himmelpfort. Und als solcher machte er sich in der jüngsten Sitzung des besagten Kreisausschusses besonders stark für einen Antrag, den die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Piraten einbrachte. Es geht um den Moderfitzsee in Himmelpfort und die Genehmigung von Bootsstegen, die nach zehn Jahren verlängert werden soll.

Doch aus Sicht der Grünen sollten nicht alle Stege weiter genehmigt werden. Warum nicht? Das erklärte Lothar Kliesch ziemlich engagiert. An sechs Stellen des Sees sind nämlich tiefe Schneisen in den Schilfgürtel geschnitten worden. Auf diese Weise erreichen Anlieger ihre Stege am Ufer. Und das, obwohl der Schilfgürtel und Röhricht unter Schutz stünden. Etwa 12 000 Quadratmeter Schilf sind gerodet worden, schätzt der Ortsvorsteher ein. Hinzukommt, dass der Moderfitzsee auf Antrag der Gemeinde seit Anfang der 1990er-Jahre nur für handbetriebene Motorboote zugelassen ist. „Ich habe 35 Motorboote gezählt, die in den Schilfgürtel gefahren sind, mit Motor“, schilderte Kliesch.

Die ganze Angelegenheit hat eine Vorgeschichte. Die Landesforst hätte seinerzeit 21 Stege abreißen lassen, mit der Begründung, es hätte sich um herrenloses Eigentum gehandelt. Das würde nicht stimmen, behauptete Kliesch. „Das haben die Besitzer nicht verstanden, zumal sechs neue Stege befürwortet wurden.“ Die Folge davon ist: „Das Rechtsempfinden in unserer Gemeinde ist gestört.“

Für Kliesch ist die Sache deshalb auch unverständlich, weil es in Himmelpfort genug Platz gibt, um Motorboote anzulegen. Der öffentliche Steg am Moderfitzsee ist nie ausgelastet. Die Gemeinde hat außerdem extra am benachbarten Haussee eine Marina errichten lassen, die an Privatleute verpachtet wurde. „Bestimmt 10 000 bis 30 000 Euro gehen der Marina verloren“, schätzt der Himmelpforter Ortsvorsteher. Der kleine Fürstenberger Ortsteil hat sich touristisch für alles gewappnet: Angebote für Motorbootfahrer, Paddler, Erholungssuchende und Familien. Es gibt genügend Gaststätten und Übernachtungen. Viele Existenzen seien durch die besagten sechs Leute gefährdet, sagte Kliesch.

Ungestört baden, ohne von Motorbooten gestört zu werden, das sollte am Moderfitzsee möglich sein

Ungestört baden, ohne von Motorbooten gestört zu werden, das sollte am Moderfitzsee möglich sein.

Quelle: Privat

Thomas von Gizycki von den Grünen hatte sich vor Ort selbst ein Bild gemacht. Der Kreistag Oberhavel solle, so der Beschlussvorschlag, den besseren Schutz der Schilf- und Röhrichtbestände unterstützen. Die Kreisverwaltung wiederum möge prüfen, ob bei den anstehenden Verlängerungen der Genehmigungen der privaten Stege immer ein Gemeinwohl dahinter stünde.

Baudezernent Egmont Hamelow wollte dazu einiges klarstellen: „Der Kreistag ist dafür nicht zuständig.“ Er habe keine Genehmigungen auszusprechen. Für alle sechs Stege gebe es im übrigen die Zustimmung der Stadt Fürstenberg. Die Instrumente zur Regulierung habe Fürstenberg selbst in der Hand. Man könne nicht die Kreisverwaltung vorschieben.Von einem zerstörten Schilfgürtel könne nicht die Rede sein, der Gürtel sei sogar größer geworden, zeigte Hamelow anhand von Luftaufnahmen. Ihm liege keine Anzeigen vor zu einer Schilfzerstörung oder zu Motorbooten auf dem See. Die Untere Naturschutzbehörde als zuständige Behörde unterstehe nicht dem Kreistag.

Thomas von Gizycki zog den Antrag trotzdem nicht zurück. Siegfried Mattner (Die Linke) gab ihm Rückenstärkung. „Ich finde es gut, dass sich die Kommune einsetzt.“ Ob das richtig sei, werde sich zeigen. Und der Kreistag muss so was unterstützen, auch wenn er es nicht entscheiden kann. Mit vier Ja-, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung ging der Antrag durch.

Ruhe- und Schutzzone

Anfang der 1990er-Jahre wurde der Moderfitzsee von der zuständigen Landesbehörde für den Motorbootverkehr gesperrt. Eine Ruhe- und Schutzzone für Fauna und Flora wie auch für Erholungssuchende sollte entstehen.

2007 wurden von der unteren Wasserbehörde Oberhavel Genehmigungen für nur noch sechs private Steganlagen an diesem See ausgesprochen.

Gleichzeitig baute die zuständige Landesbehörde eine Gemeinschaftssteganlage für Ruder- und Segelboote außerhalb des Röhrichts am Westufer des Moderfitzsees.

 

Von Andrea Kathert

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