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Oberhavel Ärger über den Schäfereiweg
Lokales Oberhavel Ärger über den Schäfereiweg
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02:16 01.05.2017
Sowohl für Reiter als auch für Pferde ist der Schäfereiweg eine Zumutung., findet auch der Hufschmied. Quelle: Andrea Kathert
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Zehlendorf

Wer den Schäfereiweg in Zehlendorf benutzt, muss einen guten Grund haben. Ansonsten ist er abenteuerlustig oder lebensmüde. Der erste Abschnitt von der Landesstraße bis zum Abzweig zum Goldnebelhof mag noch als Teststrecke für Stoßdämpfer durchgehen. Wer aber weiter bis zum Pensionsstall Falkenhof möchte, kann 500 Meter lang nicht in den zweiten Gang schalten. Mehr als 5 Km/h sind nicht drin.

Weder die Betreiber des Pferdehofes, noch die Pferdebesitzer und auch nicht Familie Pfister, die vor einem halben Jahr in die alte Schäferei gezogen ist, finden es lustig, jeden Tag diese Strapazen auf sich zu nehmen.

Kimberly ist zwölf Jahre und fast täglich bei ihrem Pferd. Auf den Höfen gibt es noch mehr Reitnachwuchs. Quelle: Andrea Kathert

Kerstin Randau und ihre Tochter Kimberly haben zwei Pferde in der Pension, kommen täglich raus. „Ich mag gar nicht daran denken, wenn hier mal was passiert.“ Kerstin Randau hatte vor zwei Jahren einen schweren Reitunfall mit Wirbelsäulen- und Steißbeinbrüchen und einem Schädel-Hirn-Trauma. Zum Glück passierte es nicht auf dem Reitenhof in Zehlendorf. Sie wüsste nicht, ob der Rettungswagen rechtzeitig im Schäfereiweg gewesen wäre. Die Reiterin mag sich nicht vorstellen, wenn mal jemand einen Arzt braucht. Auch Kinder gehören schließlich zur Reiterschaft. Mehr als 100 Leute müssen jeden Tag den schlimmsten Abschnitt des Schäfereiweges benutzen. Weil sie dort wohnen, ein Wochenendgrundstück haben, Ferienzimmer gemietet haben oder zu den Reiterhöfen wollen. Hinzu kommen noch Dienstleister wie die Post, Paketboten, Müllabfuhr oder Jauchewagen. „Die Schulkinder müssen jeden Tag das furchtbare Stück laufen“, erzählt eine Mutter. Die Taxi-Unternehmen, die im Auftrag der OVG die Schulkinder abholen, haben sich geweigert, das letzte Stück anzufahren. Deshalb steht das provisorische Haltestellenschild schon am Abzweig zum „Goldnebelhof“.

Bis hierher müssen die Schulkinder erst mal laufen, bevor sie ein Taxi abholt. Quelle: Andrea Kathert

Auch für die Pferde ist der Weg eine Zumutung. Viele Besitzer fahren mit ihren Anhängern schon gar nicht mehr bis zum Pferdehof. Sie lassen ihre Tiere das letzte Stück lieber laufen. Das sei immer noch besser, als ein Pferd im Anhänger durchzuschütteln, besonders wenn es ohnehin schon krank ist. Aber auch Tierärzte drücken sich zunehmend davor, den Schäfereiweg auf sich zu nehmen. „Die haben dann plötzlich keine Termine mehr frei“, hat Kerstin Randau schon erlebt.

Hufschmied Hans Knöbl ist eine Ausnahme. „Ich komme nur noch, weil ich die Kunden hier schon so lange kenne“, sagt er. „Sonst würde ich mir das nicht antun, dieser Weg ist doch ein Unding. Und hier sind doch etliche Leute angesiedelt.“ Für den Betreiber des Pensionsstalls geht es um seine Existenz. Einige Reiter sind ihm schon wegen des Weges davon gelaufen. Mit seinem Traktor befährt er den schlimmen Abschnitt auch nicht mehr. „Den Traktor fahre ich mir kaputt damit.“

Claudia Langhans und ihre Stute Flama können froh sein, dass Hufschmied Hans Knöbl noch zum Pensionsstall kommt. Er findet den Weg ein Unding. Claudia Langhans kann ihr Pferd aber nur im Falkenhof einstellen, der Pensionsstall nimmt auch allergische Pferde auf. Das Heu wird extra bedampft, um die Keime abzutöten. Quelle: Andrea Kathert

Die Stadt Oranienburg, die für den Unterhalt der Straße zuständig ist, erklärt, dass sie von 2013 bis 2016 Unterhaltungskosten von 37 200 Euro investiert hat, allerdings für die gesamte Strecke von 2,6 Kilometern. Das sind knapp 10 000 Euro jährlich. „Das letzte Mal im vorigen Herbst“, meint der Pensionsbetreiber. Über Winter war der Weg noch schneller wieder kaputt. „Wer macht so was auch vorm Winter?“, fragte er sich. In diesem Jahr hat die Stadt gar nichts geplant. Das Tiefbauamt der Stadt führt die Kampfmittelsuche als Priorität an. Der Schäfereiweg sei nicht im Ausbauprogramm enthalten, so dass die Anlieger mittel- oder kurzfristig nicht mit einer Befestigung des Weges rechnen können. Das Tiefbauamt verweist darauf, dass es Möglichkeiten gebe, dass die Anwohner den Ausbau ihrer Straße selbst auf den Weg bringen.

Selbst dieser Riesentraktor geht auf dem Weg kaputt. Quelle: Andrea Kathert

Große Ansprüche haben die Nutzer nicht. „Wir wollen eigentlich nur eine bessere Befestigung“, sagt Kerstin Randau. Am liebsten wäre allen ein Plattenweg, das würde schon reichen. Ein Plattenweg so ähnlich wie der genau gegenüber vom Schäfereiweg, der über’s Feld nach Wensickendorf führt.

Von Andrea Kathert

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