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Ärger um abgesägten Bordstein

Hennigsdorf Ärger um abgesägten Bordstein

Das Hennigsdorfer Ehepaar Wünsche ließ einen Bordstein vor dem Grundstück absägen, damit Gattin Charlotte mit ihrem E-Mobil herausfahren kann. Doch die Stadt moniert, dass die Arbeiten nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurden. Wünsches sehen das nicht ein, wollen klagen und sich sogar an höchster Stelle beschweren.

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Wolfgang und Charlotte Wünsche auf der Zufahrt. Sie ist laut Gutachter zu steil, außerdem ist der Bordstein vorne laienhaft abgesägt.

Quelle: Foto: Paetzel

Hennigsdorf. Charlotte Wünsche hat in den vergangenen Jahren etliche Male auf OP-Tischen gelegen, jeden Tag muss sich die alte Dame 5-Mal Insulin spritzen. Und ihre Beine wollen auch nicht mehr so recht. Als die Krankenversicherung der Hennigsdorferin im November 2015 ein Elektro-Mobil zur Verfügung stellte, wollte sie endlich wieder unterwegs sein. Einkaufen gehen, den Arzt besuchen. Doch es kam anders. Ein Bordstein lag direkt vor dem Seiteneingang ihres Hauses in der Forststraße, Charlotte Wünsche kam mit dem Gefährt kaum über das Hindernis. Also beantragte ihr Mann Wolfgang Wünsche, dass eine Fachfirma den Bordstein absenken sollte. Die Hennigsdorfer Stadtverwaltung gab auch ihr Okay dafür, Wünsche beauftragte ein Unternehmen. Im Mai war der Seiteneingang schließlich barrierefrei.

Doch ein Gutachter der Stadtverwaltung schaute sich das Machwerk genauer an und fand mehrere Mängel. Der Bordstein sei laienhaft zerschnitten und damit nicht auf Dauer haltbar. Die Rundborde vor und hinter dem Zugang seien außerdem nicht, wie in der Gestaltungssatzung vorgeschrieben, abgesenkt worden. Zudem sei das Gefälle des Zugangs nach dem Umbau zu steil und überschreite die üblichen sechs Prozent.

Zwei Fristen setzte die Hennigsdorfer Wohnungsgenossenschaft (WGH), der Grundstückseigentümer, dem Ehepaar Wünsche. Sie sollten die Zufahrt nochmals ordnungsgemäß ausbauen und die Mängel beseitigen lassen.Doch die Wünsches weigern sich, Ende Juli ließen sie die letzte Frist zum Umbau verstreichen. „Das ist die reinste Korinthenkackerei, die Zufahrt wurde doch vernünftig vom Fachmann ausgebaut“, schimpft Wolfgang Wünsche.

Er fühlt sich von Stadtverwaltung und WGH gegängelt. Nochmals eine Fachfirma zu beauftragen koste ihn um die 800 Euro. Geld, das das Ehepaar nicht mehr aufbringen könne.Wolfgang Wünsche fordert nun einen unabhängigen Gutachter, der sich die ausgebaute Zufahrt anschaut. „Wenn der zu dem Ergebnis kommt, dass es nochmal gemacht werden muss, dann akzeptieren wir das auch", sagt der 82-Jährige. Außerdem hat er einen Brief an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verfasst, in dem er sich über das aus seiner Sicht unfaire Verhalten der Stadtverwaltung beschwert. „Ich verspreche mir nichts von diesem Schreiben an Sie, nur dass Sie einmal sehen, wie hier unten mit dem Bürger umgegangen wird“, schreibt der Rentner. Und auch gegen die Stadtverwaltung teilt der ehemalige Stahlwerker aus. Wolfgang Wünsche will das Rathaus und die WGH nun wegen Mobbings verklagen.

Bei der Stadtverwaltung und der Genossenschaft sieht man dem gelassen entgegen. Mobbing und Schikanen gegenüber der Familie lägen der WGH fern. Der Zugang zum Grundstück habe nach dem Umbau aber nun mal gravierende Mängel gehabt, die die Sicherheit gefährden könnten. „Auf diesem Zugang mit dem zu steilen Gefälle könnte jemand stürzen und sich verletzen“, erklärt Kerstin Sasse, Leiterin der Wohnungsverwaltung bei der WGH. Man könne den mangelhaft ausgebauten Zugang nicht einfach aus Mitleid mit der Familie Wünsche ignorieren. Schließlich sei die WGH als Eigentümer des Grundstücks der Stadtverwaltung gegenüber in der Pflicht und hafte, falls etwas passiert. „Wir können überhaupt nicht nachvollziehen, warum Familie Wünsche so unverschämt reagiert“, so Kerstin Sasse. Auch Ilona Möser, Sprecherin der Stadtverwaltung, bleibt gelassen und verweist darauf, dass bei einem solchen Umbau nun mal Vorschriften eingehalten werden müssten.

Aller Voraussicht nach dürfte Familie Wünsche bei dem Streit also wenig Aussichten auf Erfolg haben. Wolfgang Wünsche gibt sich aber dennoch kämpferisch. „Wir sind alte Leute und mit den Nerven fast am Ende, aber noch sind wir richtig im Kopf!“, sagt der Rentner.

Von Marco Paetzel

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