Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Agira, die Tochter des Windes

Gerlind Groß begann mit ihrer Araberstute eine Zucht Agira, die Tochter des Windes

Eine Stute, die unfruchtbar ist, bereitet einem Züchter Magenbeschwerden und macht die Geldbörse schmaler. So ging es einem Pferdebesitzer mit der Araberdame Agira, die von Galdos ben Mors ox stammt, dem berühmten Stammvater der DDR-Araberzucht aus dem Rostocker Zoo. Doch die kleine, selbstbewusste Fuchstute fand eine Liebhaberin.

Voriger Artikel
Wer vermisst einen Tresor?
Nächster Artikel
Ankunft in Berlin

Gerlind Groß mit der 24 Jahre alten Araberstute.

Quelle: Margot Schöning

Gransee. Der Verkauf stand lange im Raum. Araber-Pferde haben jedoch keinen großen Markt in Deutschland, geschweige denn in den neuen Bundesländern, in denen es vor der Wende kaum Araber gab. Araber sind umgängliche Freizeitpferde, aber von Ausnahmen abgesehen keine Turniersportler in Dressur und Springen. Agira war 1996 sieben Jahre alt und hatte keine Lust auf Nachwuchs. Doch die kleine, selbstbewusste Fuchstute fand eine Liebhaberin. Gerlind Groß, Ex-Berlinerin und seit 1994 in Zernikow bei Gransee ansässig, sah Agira und sagte sofort: "Die ist es!".

Für die Pferdefrau, die seit dem zwölften Lebensjahr im Sattel sitzt, war es Liebe auf den ersten Blick. Sie ritt eine Proberunde und hatte nicht gerade das Gefühl, dass der "Leib ein Schatz" und der "Rücken ein Ehrenplatz" sei, wie der Prophet Mohammed von seinen geliebten fünf Stuten schwärmte. Agira lahmte. Dennoch sagte Gerlind: "Die nehme ich." Züchter Dietmar Frenzel, der Verkäufer, bot ihr kulant an, Agira versuchsweise von seinem neuen Top-Hengst decken zu lassen. Er hatte sich nach der Wende endlich einen schwarzen, vierbeinigen Araber-Macho zulegen können. Auffrischende Gene durch Importpferde waren zu DDR-Zeiten nicht nur bei den Araber-Züchtern ein Problem. Es fehlten die Divisen. Gerlind Groß verabschiedete sich schnell aus Angermünde, das sie während ihres einjährigen Landwirtschaftspraktikums gut kennenlernte.

Eigentlich war es der falsche Zeitpunkt, ein Pferd zu kaufen. In zehn Tagen wollte sie heiraten. Auf Gut Zernikow war zwar in zweijähriger, mühseliger Kleinarbeit das herunter gekommene Haus gegenüber der alten Brennerei zu einem schmucken Zuhause gewachsen, aber einen Stall, einen Auslauf oder gar eine Koppel gab es nicht. Als sie 1994 das Anwesen kaufte, dachte sie nicht an Pferdehaltung. Das änderte sie im August 1996 gründlich. Inzwischen sind ein Stall und mehrere Koppeln entstanden, Pensionspferde hinzugekommen. Ein weiterer Landkauf steht ins Haus. Die größte Freude bereiten der studierten Landwirtin, Sozialtherapeutin und Pferdewirtschaftsmeisterin jedoch ihre fünf Araber.

Mit dem Kauf von Agira endete die Geschichte nicht. Im Frühjahr 1997 entschied sich Gerlind den Tierarzt zu rufen. Agira wurde immer dicker. Eigentlich konn-te sie nicht tragend sein. Doch der Tierarzt fühlte bei der Untersuchung schon die Hufe des Fohlens. Es wurde ein Hengst, kein Rappe wie sein Vater, sondern ein Dunkelfuchs. Inzwischen ist er 16 Jahre alt und ein Distanzpferd wie seine Geschwister Abbas, der siebenjährige Palomino und der große fünfjährige Adihd. Seit einem Jahr haben sie mit Amirah endlich eine Schwester. Die Zuchtbasis ist gesichert.

Gerlind Groß hat sich dem Distanzreiten verschrieben, dem Ausdauerreitsport, der so gut für die genügsamen, leistungsbereiten, zähen Araber-Pferde geeignet ist. Die Weltmeisterschaften dieser Pferde gewinnen meist Reiter aus dem arabischen Raum. Ganz so große Ambitionen hat Gerlind Groß nicht. Die 51-Jährige veranstaltete jedoch schon drei Distanzritte, darunter in diesem Jahr die Landesmeisterschaften über 123 Kilometer (Senioren) und 95 Kilometer (Junioren).

Von Margot Schöning

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg