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Alle Jahre wieder ein Feuerteufel in Oberhavel

Schäden in Millionenhöhe Alle Jahre wieder ein Feuerteufel in Oberhavel

Es klingt wie ein schlechter Scherz, doch alle Jahre wieder treiben Brandstifter in Oberhavel ihr Unwesen. Jüngst brannte eine große Lagerhalle bei Zehdenick aus. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Feuer in der Region. Die mögliche Serie ist allerdings kein Einzelfall im Landkreis. Wir blicken zurück.

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Eine Lagerhalle ist in der Nacht zu Dienstag in Kappe ausgebrannt.
 

Quelle: MAZ

Oberhavel.  Ein Flammenmeer in Oberhavel. Diesmal in Kappe, ein Zehdenicker Ortsteil. In der Nacht zu Dienstag ist eine rund 600 Quadratmeter große Lagerhalle ausgebrannt. Ein Traktor, ein Frontlader, 800 Heuballen – zerstört. Brandstiftung. Davon geht die Polizei zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus, denn es hatte in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder rund um Zehdenick gebrannt.

Die letzten Tage

2 Uhr am Sonntagmorgen, nur einen Tag nach dem Weihnachtsfest steht ein Stall an der Ortsverbindungsstraße zwischen Zehdenick und Klein-Mutz in Flammen. Teile des Daches werden zerstört. Immerhin: Der Stall ist weiter nutzbar, niemand wird verletzt. Es dauert allerdings keine 20 Stunden, bis die Feuerwehr in Oberhavel wieder ausrücken muss. Diesmal zur Hasenheide nahe Himmelpfort. Zwei Forstmaschinen brennen im Waldgebiet. Sie werden vollständig zerstört: 100.000 Euro Schaden.

Die letzten Jahre: 2013 – 2014

Wieder ist es kurz nach 2 Uhr. Diesmal Samstag, der 5. Dezember 2013. Die Sirenen heulen in Oberhavel. Die Feuerwehr ist auf dem Weg nach Osterne bei Zehdenick. Im Badinger Weg steht eine Scheune in Flammen. Die Löscharbeiten dauern bis zum Sonntagmorgen. Sie gestalten sich schwierig. Hunderte Strohballen sind gefährliche Glutnester. Und es ist windig. Mähdrescher, Traktoren, Düngerstreuer – alles brennt aus. Ein Schaden von gut einer Million. Brandstiftung wird vermutet.

Eine Scheune am Badinger Weg in Osterne bei Zehdenick ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Quelle: MAZ

Es ist nicht der erste Brand in diesen Tagen – wieder rund um Weihnachten. Anfang Dezember brennt es häufig. Liebenwalde, Zehdenick, Großmutz, Grundmühle. Die Feuerwehrleute sind sozusagen im Dauereinsatz. Zu beneiden sind sie nicht, sprechen selbst schon von einem „Feuerteufel“.

Schäden in Millionenhöhe

Begonnen hatte die Serie im November 2013. Scheunen, Lagerhallen, Försterei, sogar ein Auto. Meistens brennen die Brandanschlagsziele bis auf die Grundmauern ab. Es entstehen Schäden in Millionenhöhe. Bis zum 7 Januar 2014 sind es 14 Brände.

Mit dem Einbruch der Nacht wächst die Angst. Es kann jeden treffen. Der Feuerteufel spielt nicht nur mit den Flammen, er spielt mit der Psyche der Menschen. Und er nimmt billigend in Kauf, dass Menschen verletzt werden. Feuerwehrleute zum Beispiel. Die Kripo gründet eigens dafür eine Ermittlergruppe. Auch eine hohe Belohnung wird in Aussicht gestellt. 10.000 Euro für den entscheidenden Hinweis.

Familienbande wird gefasst

Ende Januar 2014 steht die Brandserie vor der Aufklärung. Drei Personen werden am 29. Januar festgenommen. Bis dahin hatte es insgesamt annähernd 20 Mal gebrannt.  Das Werk einer Familienbande, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Ein 24-jähriger Mann, seine 37-jährige Ehefrau und der 16 Jahre alte Sohn der Frau. Ihr Lebensmittelpunkt: Eine Wohnung in Zehdenick. Mehr als 100 Straftaten sollen sie verübt haben. Darunter Einbrüche, Branddelikte, Diebstähle. „Die haben geklaut, was nicht niet- und nagelfest war“, sagt ein Ermittler damals. Und das Feuer? Das hätten sie gelegt, um ihre Spuren zu verwischen.

Die letzte Tat der Brandstifter aus Zehdenick: Sie zündeten in Nassenheide diesen Schuppen an.

Quelle: MAZ

Doch sie arbeiteten nicht allein. Ein weiterer Mann, gerade 20 Jahre alt, ist an den Delikten beteiligt. Während sich Steven P. und Stefan S. vor Gericht verantworten müssen, bleibt der 37-jährigen Frau und ihrem 16 Jahre alten Sohn ein Haftbefehl erspart. Der leitende Oberstaatsanwalt begründete die Entscheidung mit „starken familiären Bindungen.“ Der Prozess dauert mehrere Monate. Im September 2014 dann das Urteil: Der 25-jährige Steven P. muss für zehn Jahre ins Gefängnis, der 20-jährige Stefan S. erhält eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren. Vor Gericht haben sie sich gegenseitig die Schuld zugeschoben.

Übrigens: Autor Harald Hillebrand aus dem Granseer Ortsteil Kraatz hat in seinem dritten Oberhavel-Krimi um Sonderermittler Hagen Brandt die Brandserie in den Mittelpunkt gerückt. Allerdings nutzt er seinen literarischen Spielraum. Im Buch sterben zwei Menschen. Es ist ja schließlich ein Krimi.

Die letzten Jahre: 2012

Wochenlang hält ein Brandstifter die Bürger im Löwenberger Land 2012 in Atem. Sechs Brände in sechs Wochen. Es brennt immer in Flatow, einem Ortsteil von Kremmen. Zuerst gibt es auf dem Grundstück des Dorfbäckers am 15. Oktober 2012 ein Feuer. Ein Schuppen stand in Flammen. Die Serie endete am 20. November mit einem Brand am Kombinat.

Der Schlusspunkt der Brandserie

Der Schlusspunkt der Brandserie: Am 20. November 2012 zerstörte das Feuer eine große Scheune am Flatower Ortsrand.

Quelle: MAZ

Nur einen Tag später wird Maximilian K. verhaftet. Er ist selbst bei der Feuerwehr aktiv. Mit 20 Jahren steht er vor Gericht – und wird freigesprochen. Es fehlte an harten Fakten, die Indizien waren nicht ausreichend.

Von MAZonline

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