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Oberhavel Alles Gold, was glänzt
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17:32 29.07.2018
Elke Liebicher erklärt Herstellung und Verwendung der Prunkstücke. Quelle: ..
Oranienburg

Vielleicht waren sie damals nicht so glatt und eben wie heute, auf jeden Fall sind die Bediensteten von einst auf denselben steinernen Stufen in die Silberkammer des Schlosses mit ihrer kostbaren Fracht hinabgestiegen wie am Sonntagmittag die Besucher der Sonderführung von Elke Liebicher. Mehr als 500 Prunkgeräte wurden während der Regierungszeit Friedrich I. in Oranienburg aufbewahrt. Die Oranienburger Silberkammer ist die einzige an historischer Stelle erhaltene Silberkammer in den preußischen Residenzen und entstand im Zuge des Aufbaus des Schlosses durch Friedrich I. „Das ganze Gewölbe war voller Kostbarkeiten, zu denen auch Gläser und Kerzen gehörten. Wachs war teuer“, erklärt Elke Liebicher.

War der Monarch anwesend, wurden Gold und Silber aus dem Safe hinter dicken Mauern hinaufgetragen und in den Wohnräumen und auf der Tafel verteilt. Die Stücke waren einerseits Prunk, der zur Schau gestellt wurde, um zu zeigen, was man hat, zugleich auch mobiler Staatsschatz, der in Kriegszeiten eingeschmolzen und zu Geld gemacht wurde.

Kettenflaschen aus englischem Silber und Goldüberzug. Quelle: Robert Roeske

Dieses Schicksal ereilte diese Schaustücke zum Glück nicht. Den gewaltigen Karl-Emil-Humpen zum Beispiel, der aus Münzen zusammengelötet ist und den Louise Henriette anlässlich der Geburt des sehnlichst erwarteten zweiten Sohnes Karl Emil bekam. „Der erste war den plötzlichen Kindstod gestorben und erst nach sechs Jahren war sie wieder schwanger“, berichtet die Museumsführerin.

Daneben bestaunten die Besucher sogenannte „Kettenflaschen“ aus dem sehr raren englischen Silber, ein Geschenk eines Gesandten von der Insel. Die Flaschen trug man weingefüllt bei der Jagd über der Schulter. Ebenso die kleineren Kettenflaschen, „vermutlich Vorläufer des Flachmanns“, wie bemerkt wurde, die allerdings Wasser für die Soldaten im Feld enthielten.

Zu den herausragenden Exponaten der Silberkammer gehört zweifellos der „Bombenträger“. Die Figur eines Mannes, der einen sogenannten „Brandball“ auf dem Rücken trägt. Diese Bälle umspannte ein Netz, sie waren mit Teer bestrichen. Angezündet und davon katapultiert waren sie ein wahrlich schweres und gefährliches Geschütz. In Gold und Silber auf der Tafel diente die Kugel, die sich öffnen lässt, allerdings zur Aufbewahrung von Pralinen für die Damen der Gesellschaft.

Der „Bombenträger“ – eine Konfektdose für die königliche Tafel. Quelle: Robert Roeske

Zwei Wasserkannen schimmern hinter Glas. Sie dienen dem Befüllen von Schalen, in denen sich lediglich der Herrscher und sein höchster Gast vor dem Mahl die Fingerspitzen benetzten. „Und gegessen wurde mit Löffel und Messer, Gabeln galten als weibisches Geziere und setzten sich erst Ende des 18. Jahrhunderts durch“, so Elke Liebicher.

Die „Kleine Hohenzollern-Kanne“, die aus 193 Münzen zusammengefügt ist und damit Münzen aus zwei Jahrhunderten der Dynastie der Hohenzollern vereint, ist ebenso von immensem Wert wie der „Mini-Eierbecher“ aus Gold, der Jahrzehnte als verschollen galt, den die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 2013 auf dem Kunstmarkt aufgekauft hatte und der seit zwei Jahren wieder im Schloss zu sehen ist, wo er vor 190 Jahren gegossen wurde. Werden Münzen eingeschmolzen, ist auch ein minimal Anteil Gold dabei. „Es ist das Gold welches aus 5000 Scheidmünzen durch Affinierung in der chemischen Fabrik gewonnen wurde und das der Fabrikant G.F. Hempel Friedrich Wilhelm III. schenkte. Es gab zwei dieser Becher. Dem zweiten sind wir noch auf der Spur.“

Nach dem Prunk für den Tisch ging es hinauf in den Orangesaal, wo im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 eine Tafel aufgebaut ist. „Feste Tische gab es in den Schlössern der Preußen nicht. Sie wurden nach Bedarf aufgebaut und nach dem Essen wieder aufhoben.“

Nächste Führung in der Silberkammer ist am Sonntag, 26. August, ab 13 Uhr.

Von Heike Bergt

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