Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Alles ist ein Geben und Nehmen

Schönfließ Alles ist ein Geben und Nehmen

Drei Generationen, Hühner, Schafe, Enten und eine Katze leben auf dem Lebens-Kunsthof in Schönfließ. 1989 kauften Ralf und Margarete Frenzel aus Berlin das damals völlig marode Gebäude. Eigentlich sehnten sie sich nur nach einem Garten. Heute ist dort ein kleines Paradies mit Atelier entstanden.

Schönfließ 52.6537689 13.3404331
Google Map of 52.6537689,13.3404331
Schönfließ Mehr Infos
Nächster Artikel
Keine Eintagsfliege

Künstler Ralf Frenzel, hier mit seiner Holzskulptur „Die Schwangere“, lebt mit seiner Familie auf dem Lebens-Kunst-Hof.

Schönfließ. „Eigentlich wollten wir nur einen Garten, haben aber das Haus dazu bekommen“, beschreibt Ralf Frenzel, wie er im Sommer 1989 zu seinem Hof in Schönfließ gekommen ist. Das ehemalige Vier-Familienhaus sei so kaputt gewesen, dass es niemand mehr haben wollte. Das Ehepaar Frenzel, das in Berlin als Lehrer und Redakteur einer Kunstzeitschrift tätig war, griff jedoch zu.

14 Küken zieht die Henne groß

14 Küken zieht die Henne groß.

Quelle: Ulrike Gawande

„Wir waren blauäugig, Städter eben“, gibt Frenzel, der auch Romane und skurrile Kurzgeschichten schreibt, ehrlich zu. Aber ein Haus mit Garten sei in der DDR schwer zu bekommen gewesen. Ralf und Margarete Frenzel investierten 15 Jahre und alles Geld, was sie hatten. „Das Dach war undicht, die Fassade besaß keinen Putz mehr und mit dem Finger konnte man durch das Holz der Fenster bohren.“ Alles wurde in Eigenarbeit in Stand gesetzt. Vom Keller bis zum Dach. „Wir haben das gemacht, weil wir es wollten.“ Tag für Tag, neben dem Hauptberuf, den Ralf Frenzel ab 1991 in einem Schulbuchverlag hatte, Lehrerjob, Kindern und Familie. „Wir haben uns viel Wissen angeeignet. Ich bin ein großer Holzfreund.“

Die Holzwerkstatt im alten Stall

Die Holzwerkstatt im alten Stall.

Quelle: Ulrike Gawande

Statt nach dem Mauerfall die Welt zu erkunden, wurde Geld und Energie in den Hof investiert. Heute ist das mehr als hundert Jahre alte Ensemble aus Haus, Scheune und ehemaligen Ställen, nicht nur ein Dreigenerationenhaus, sondern auch ein kleines Paradies: Obstbäumen biegen sich unter der Last ihrer Früchte und verschiedenstes Gemüse wächst in den Beeten des weitläufigen Gartens. Kiwis, Süßkartoffeln, Rüben, Rote Beete, Zucchinis und Fenchel. Um nur einige Sorten zu nennen. Der erste Apfel, ein Helios, wird im Sommer reif, der letzte im November, ein Winterapfel.„Ein Garten ist mehr, als nur Rasen zu mähen. Wir haben keinen sterilen Kataloggarten, sondern eine Wiese, auf der Tiere leben können.“ Vieles wird wiederverwertet.

Ein Schaf der Sorte Barbados Blackbelly

Ein Schaf der Sorte Barbados Blackbelly.

Quelle: Ulrike Gawande

Ziel sei es, sich weitestgehend autark zu ernähren, möglichst wenig in Supermärkten einkaufen zu gehen, beschreibt Ralf Frenzel, der seit 2016 im Ruhestand ist, die Idee des Gemeinschaftslebens. Denn neben Frenzel und seiner Frau, gehören auch Tochter Lisa, deren Mann Oliver, ein Tierarzt, und Enkelin Bella (6) zum Haushalt, in dem oft gemeinsam gekocht und gegessen wird. Außerdem gibt es Katze Miez, drei Bienenvölker in Warré-Beuten, zwei Haarschafe der Sorte „Barbados Blackbelly“, zehn Mularden-Entenküken, 14 Orpingtonhühner und 14 Küken. Den Hahn hat der Fuchs geholt. Zudem wissen Igel, Frösche, Blindschleichen und Fische im Regenfass die Vorzüge des Frenzel-Hofes zu schätzen.

Ein Knochenpuzzle wird zum Kunstwerk

Ein Knochenpuzzle wird zum Kunstwerk. Eine Idee von Frenzels Enkelin Bella.

Quelle: Ulrike Gawande

Doch so schön die Lebensbedingungen für die tierischen Bewohner in Schönfließ auch sein mögen, eines ist klar, irgendwann landen sie – außer der Katze – im Kochtopf. „Alles ist ein Geben und Nehmen“, erklärt Frenzel. So erntet er nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Honig, Eier und Fleisch. „Da weiß ich, wo es herkommt und was drin ist.“ Das ist das Prinzip des Schönfließer Lebens-Kunst-Hofes.

Keramikfiguren von Margarete Frenzel

Keramikfiguren von Margarete Frenzel.

Quelle: Ulrike Gawande

Kunsthof, weil sowohl der 63-Jährige, der sich bevorzugt Holz- und Steinskulpturen widmet, als auch seine gleichaltrige Frau, die neben Acrylmalerei vor allem figürliche Tonarbeiten gestaltet, den Hof zu ihrem Atelier gemacht haben. Im alten Pferdestall befindet sich eine Holzwerkstatt und unterm Dach ein Malatelier. Im Garten finden sich überall kleine Kunstwerke, die entdeckt werden wollen. Ein Hof als Gesamtkunstwerk. Sehenswert.

Von Ulrike Gawande

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg