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Oberhavel Alles über Sex in der Provinz
Lokales Oberhavel Alles über Sex in der Provinz
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10:03 20.01.2016
Kabarettistin Tatjana Meißner in Kremmen. Quelle: Robert Tiesler
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Kremmen

Die Deutschen haben immer weniger Spaß am Sex. Die Kabarettistin Tatjana Meißner wollte es am Montagabend im Kremmener Theater „Tiefste Provinz“ ganz genau wissen: „Wer von Ihnen hatte in den letzten 24 Stunden Sex?“, fragte sie in die Runde. Keiner stand auf. Was aber vielleicht auch andere Gründe gehabt haben könnte.

„Sexuelle Evolution“ heißt das Programm der Potsdamerin, mit dem sie im schon seit Wochen ausverkauften Theater zu Gast war. „Es ist wichtig über Sex zu reden.“ Also wirklich reden! „Die Socken neben das Bett zu legen ist kein Vorspiel“. Sie erzählte darüber, wie Mann und Frau früher Dates anbahnten und wie das heute läuft. „Die Leute kennen keine Dates mehr, sondern nur noch Updates, wenn sie auf den Smartphones daddeln.“ Früher hätten bei Verabredungen die Männer die Initiative ergriffen – ein Kuss im Kino –, die Männer heute würden sich das nicht mehr trauen.

Verklemmt waren die Leute damals wie heute. Schon in der Bibel stand: „Adam erkannte Eva“, und das sei auch nur ein Verb, das für Sex steht. „Britt, lass dich heute Nacht erkennungsdienstlich behandeln“, rief Tatjana Meißner zu einer Frau in der ersten Reihe.

Wie überhaupt die erste Reihe in Meißners Programm eine große Rolle spielt. Zwar hält die Kabarettistin auf der Bühne einen Monolog, bindet aber fast alle in der ersten Reihe sitzenden nach und nach namentlich mit ein. Mit Erik flirtete sie, mit den Frauen tauschte sie sich aus.

Über ihre Kindheit zum Beispiel. Die von Tatjana Meißner sei freudlos gewesen, sagte sie. „Ich war ein Lehrerkind.“ Die Mutter unterrichtete in Hennigsdorf, der Vater in Bötzow. Eines Tages fand sie das Buch „Mann und Frau intim“, ein in der DDR bekanntes Aufklärungsbuch. Als sie daraufhin von ihrer Mutter wissen wollte, wie das denn nun ist mit dem Orgasmus, bekam sie keine Antwort.

Tatjana Meißner philosophierte über den Sex, wurde dabei aber nie wirklich vulgär. Ihre Geschichten sind sehr unterhaltsam und lebensnah. Sie ließ ihr Publikum gut an allem teilhaben. Meißner hat dabei eine tolle, bodenständige Art, zu erzählen. In der Pause setzte sie sich auf den Bühnenrand und hörte zu, unterhielt sich, schrieb Autogramme.

Von Robert Tiesler

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