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Allianz für den Gewässerschutz

Neuglobsow Allianz für den Gewässerschutz

Früher waren Sporttaucher und Naturschützer wie Feuer und Wasser – jetzt engagieren sie sich gemeinsam für den Schutz von Seen. Was bislang vor allem im Naturpark Stechlin funktionierte, soll landesweit Schule machen. Eine Vereinbarung über gemeinsame Tauchgänge wurde am Sonnabend in Neuglobsow geschlossen.

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Elena Oldorf (l.) und Nele Zichert brachten von ihrem Tauchgang neun verschiedenen Pflanzenarten mit.

Quelle: Fotos: Uwe Halling

Neuglobsow. Das Stechliner Tauchprojekt macht landesweit Schule. Im Beisein von Umweltminister Jörg Vogelsänger wurde am Sonnabend in Neuglobsow eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land, dem Tauchsportverband Brandenburg und dem Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) unterzeichnet. Nach dem Stechliner Vorbild sollen künftig überall im Land geschulte Sporttaucher dabei helfen, die Qualität der Klarwasserseen zu überwachen und damit ein Frühwarnsystem einzurichten. 80 Prozent der Brandenburger Gewässer seien bereits in einem schlechten Zustand, betonte der Nabu-Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch.

„Wir sind mit 3000 Seen das wasserreichste Bundesland und haben damit auch eine große Verpflichtung“, sagte Jörg Vogelsänger. Er würdigte das Stechliner Erfolgsprojekt und das Engagement der Sporttaucher, die dem Land auch dabei helfen würden, seinen Berichtspflichten über die Gewässergüte an die EU nachzukommen. Eine Datenerhebung, wie sie mit den Tauchern möglich sei, könne das Land allein gar nicht leisten, gestand Vogelsänger.

Wie die Arbeit der Naturschutztaucher praktisch aussieht, wurde am Sonnabend bei einem Workshop in der Tauchbasis am Stechlin demonstriert. Mehrere Teams verschwanden am Vormittag für eine Stunde von der „Bildfläche“, um in Tiefen von bis zu acht Metern Wasserpflanzen zu sammeln. Die wurden später gemeinsam mit Besuchern bestimmt – etwa Krebsschere, Laichkraut oder kanadische Wasserpest. Allein neun verschiedene Arten sammelten Nele Zichert und Elena Oldorf unweit der Badebucht. Die meisten Arten erkennen die jungen Frauen inzwischen auf den ersten Blick. Für zweifelhafte Fälle gibt es ein Bestimmungsheft, in dem sie nachschlagen können. Auf einem Berichtsbogen erfassen sie nach ihrem Tauchgang beispielsweise, wie tief die Vegetation reicht, die vom Licht und damit von der Transparenz des Wassers abhängig ist. 25 bis 30 Seen in der Region– die meisten davon in Schutzgebieten – stehen dank der Taucher unter regelmäßiger Beobachtung.

Naturschutztaucher Jörg Komarowski wollte am Anfang nur die Unterwasserwelt erkunden. Später hat er sich dafür interessiert, warum das Wasser grün ist. „Ich wollte erkennen, was da unten wächst“, erklärte er, warum er bei dem Projekt einstieg, das auch das traditionell schwierige Verhältnis zwischen Tauchern und Naturschützern entspannte. Inzwischen sei er mit den lateinischen Namen der Pflanzen so vertraut, dass er die deutsche Übersetzung nicht mehr verwende.

2008 sind die Taucher des Sportklubs Nehmitzsee zum ersten Mal mit dem Pflanzenbeutel abgetaucht. Seither waren sie 2200 Stunden für den Naturschutz im Einsatz. 570 Tauchgänge wurden in den acht Jahren durchgeführt und 36 Seen begutachtet. Der Spezialkurs naturkundlichen Tauchen ist inzwischen etabliert und wird im Rahmen der Taucherausbildung angeboten. Das Projekt wurde mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet und gehörte zu den Finalisten des europäischen Naturschutz-Awards. Und möglicherweise wird das Nabu-Regionalteam bald mit einer weiteren Nachricht für Furore sorgen – der Granseer Vereinschef Tom Kirschey wollte am Samstag nicht zu viel verraten. Aber nachdem bei den Tauchgängen Eiszeit-Bäume entdeckt worden sind, könnte es sein, „dass die Geschichte über die Interglazialzeit vor 1100 Jahren neu geschrieben werden muss“, sagte er.

Von Cindy Lüderitz

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