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Alpha-Kevin darf nicht mehr mitmachen!

Jugendwort des Jahres 2015 Alpha-Kevin darf nicht mehr mitmachen!

Bis Ende Oktober wird wieder das Jugendwort des Jahres gesucht. Heiß im Rennen ist „merkeln“. Oder die Eierfeile. Oder das „Rumoxidieren“. Sie wissen nicht, was die Wörter bedeuten? Wir haben uns in Oberhavel und im Havelland umgehört und fanden heraus: Die meisten Jugendlichen wissen es selbst nicht!

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Die Wahl für das Jugendwort 2015 läuft.

Quelle: Vivien Boche

Oberhavel/Havelland. Was passiert, wenn ein Smombie und ein Swaggetarier aufeinandertreffen? Werden sie zusammen rumoxideren, mit der Eierfeile fahren oder merkeln?

Nicht selten kommt es vor, dass man als Außenstehender nur Bahnhof versteht, wenn sich Jugendliche unterhalten. Das Problem in diesem Fall ist aber: Nicht einmal die Jugendlichen selbst wissen, was die diesjährigen Vorschläge zur Kür des Jugendwortes bedeuten.

Mit der Gammelfleischparty hat alles angefangen: Seit 2008 verkündet der Langenscheidt-Verlag das Jugendwort des Jahres. Auf der Seite www.jugendwort.de im Internet können Jugendliche Wörter vorschlagen und bis zum 31. Oktober für ihren Favoriten abstimmen.

Die zehn meistgewählten Ausdrücke werden dann einer Jury aus Jugendlichen, Journalisten und Sprachwissenschaftlern vorgelegt, die sich für das Gewinnerwort entscheiden. Kriterien hierfür sind die sprachliche Kreativität, die Originalität, der Verbreitungsgrad des Wortes und wie stark es in Zusammenhang mit gesellschaftlichen, kulturellen und aktuellen Ereignissen steht.

Nora Lange

Nora Lange: „Ich habe bisher noch keinen meiner Freunde so reden gehört.“

Quelle: privat

„Ich habe bisher noch keinen meiner Freunde so reden gehört, geschweige denn irgendwelche anderen Leute in Bus oder Bahn“, meint Nora Lange (16) aus Dallgow-Döberitz. „Wer sagt denn ,Das ist voll bambus’?! Ein Koala frisst Bambus!“, wundert sie sich. Bambus soll laut Langenscheidt das neue „cool“ ausdrücken.

Wer mit einem Partner eine Beziehung eingeht, wird fortan „shippen“, abgeleitet vom englischen Relationship. Auch die weiteren Vorschläge verursachen bei den allermeisten Leuten ein Stirnrunzeln und fragende Gesichter. „Eierfeile würde ich nie mit einem Fahrrad in Verbindung bringen“, so Nora weiter.

Marc Buggermann

Marc Buggermann: „Wenn der Verlag 30 Wörter vorschlägt, dann sollten wir Jugendliche uns damit auch identifizieren können.“

Quelle: Juliane Weser

„Den Sinn oder Unsinn dieser Wahl zum Jugendwort des Jahres will nicht weiter bewerten“, sagt Marc Buggermann (18) aus Velten. „Ich finde nur, wenn der Verlag 30 Wörter vorschlägt, dann sollten wir Jugendliche uns damit auch identifizieren können.“

„Ich glaube nicht, dass es sehr sinnvoll ist, das Jugendwort des Jahres zu wählen“, findet Kati Strahlova (24) aus Hennigsdorf. „Ich frage mich, was das zum Ziel haben soll.“ Sie hat eine ganz andere Vermutung. „ Ich denke eher, dass der Verlag damit Einfluss in die Sprache der Jugend nehmen möchte.“

Ursprünglich wurde die Liste von „Alpha-Kevin“ angeführt. Allerdings nicht lange. Der Favorit ist aus Liste rausgestrichen worden und wurde offiziell gesperrt. Das ist wohl das erste Mal in der Geschichte der Wahl zum Jugendwort des Jahres geschehen. Der Grund: Offenbar fühlten sich viele Kevins beleidigt. „Alpha-Kevin“ bedeutet immerhin so viel wie „der Dümmste von allen“. „Wir spüren die persönliche Betroffenheit über die Auswahl von Alpha-Kevin. Es lag uns fern, konkrete Personen zu diskriminieren“, äußert sich der Veranstalter in einer Mitteilung zu diesem Thema auf der eigenen Internetseite. Als Konsequenz lässt der Verlag den umstrittenen Begriff nicht mehr mit den 29 weiteren Vorschlägen auf seiner Seite stehen.

Abstimmung im Netz

Das „Jugendwort des Jahres“ ist eine Initiative der Langenscheidt GmbH & Co. KG in Kooperation mit der Zeitschrift „Bravo“, dem Jugend-Radiosender Puls vom Bayerischen Rundfunk, der Jugendzeitung „Yaez“, der ProSieben-Sendung „taff“, dem Bundesverband Junger Medienmacher Jugendpresse und dem Kinderprojekt „Die Arche“.

Im Internet auf www.jugendwort.de können Jugendliche ihre Lieblingswörter einzureichen und diskutieren. Bis zum 31. Oktober kann man für seinen Favoriten abstimmen. Danach tagt eine Jury. Das Jugendwort des Jahres 2015 soll am 13. November bekannt gegeben werden.

Nachgerückt ist dafür das Wort „kirscheln“. Es bedeutet so viel wie, dass zwei Kirschen zusammenhängen, sich umarmen.

Durch das Ausscheiden von „Alpha-Kevin“ wurde gleichzeitig aber auch eine hitzige Diskussion in den sozialen Netzwerken entfacht. Denn der momentane Spitzenreiter „Merkeln“ müsste demnach auch gestrichen werden. Das Wort bezieht sich direkt auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wer „merkelt“, tue nichts, heißt es, treffe keine Entscheidungen und gebe keine konkreten Äußerungen. „Warum das Wort ‚Alpha-Kevin‘ wegen eventueller Diskriminierung sämtlicher Kevins dieser Welt disqualifiziert wurde, ‚merkeln‘ aber nicht diskriminierend sein soll, erklärt sich mir nicht“, findet Marc Buggermann.

Läuft bei dir!

Seit 2008 wird das Jugendwort des Jahres gewählt. Hier die Übersicht über die bisherigen Gewinner.

2014: Läuft bei dir (Du hast es drauf!)

2013: Babo (Boss oder Anführer)

2012: Yolo (You only live once, du lebst nur einmal).

2011: Swag (beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung, charismatisch-positive Aura)

2010: Niveaulimbo (das ständige Absinken des Niveaus, beispielsweise im deutschen Fernsehen)

2009: hartzen (das Bestreiten des Lebensunterhalts durch Arbeitslosengeld II).

2008: Gammelfleischparty (andere Bezeichnung für Ü30-Partys)

Ebenfalls um den Sieg in der Jugendwort-Wahl kämpfen „Smombie“, die Zusammensetzung aus Smartphone und Zombie, womit eine Person gemeint ist, die aufs Handy starrend über die Straße geht, ohne hochzugucken. Außerdem „Earth Porn“, eine schöne Landschaft, und „krimmen“. Wer krimmt, fordert Geschenktes wieder zurück, was in Bezug zur Krim-Krise steht. So genannte „Swaggetarier“ verzichten nur aus Coolness auf Fleisch. Und wenn man der Auswahl glaubt, chillen Jugendliche heute nicht mehr – sie rumoxidieren.

Ob das umstrittene „Merkeln“ wirklich dieses Jahr das Rennen macht oder doch der „rumoxidierende Smombie“ am Ende triumphiert, steht dann am 13. November fest.

Von Sarah Schreckenbach und Juliane Weser

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