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Angekommen in der Grazer Hofgasse 11

Oranienburg Angekommen in der Grazer Hofgasse 11

Seit einem Jahr steht Mathias Lodd aus Oranienburg im Schauspielhaus Graz auf der Bühne, gehört zum jungen Ensemble. Der gebürtige Oranienburger hatte einst im Creativ Centrum das Schauspiel für sich entdeckt, später in Babelsberg studiert und ist seit mittlerweile zwölf Jahren Schauspieler.

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Mathias Lodd (M.) in seiner Rolle in „Der Mondmann“ nach dem Buch von Tomi Ungerer.

Quelle: (c) Lupi Spuma

Graz. Vor einer Woche war Premiere. Premiere für das Stück „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand. In den Kasematten von Graz auf die Bühne gebracht. Ein ganz besonderen Ort auch für das Ensemble des Grazer Schauspielhauses. Zu den Akteuren auf der Bühne im Liebesdrama um den ersten Ghostwriter der Literaturgeschichte, den Mann, der Rede- wie Fechtduelle beherrschte, gehört Mathias Lodd. Der gebürtige Oranienburger hatte sich vor anderthalb Jahren am Schauspielhaus beworben und ist seitdem dort „sehr glücklich“. Es war eher der Zufall, der ihn in die Steiermark verschlug.

Mathias Lodd ist in Oranienburg groß geworden, hat am Louise-Henriette-Gymnasium sein Abi gemacht. Bruder und Mutter sind bis heute in Süd zu Hause. Zum Schauspielern kam er über das Creativ-Centrum und die damalige freie Theatergruppe unter Katharina Röther, „da fing das Theater an“, blickt der 38-Jährige zurück. Theatergene in der Familie gebe es nicht. Er ist der Erste, der auf den Brettern steht, die die Welt bedeuten. Der Weg dorthin war nicht immer geradlinig. Nach dem Zivildienst in Kägsdorf als Hausmeister im Schullandheim sprach er an verschiedenen Schauspielschulen vor – „ich bin rasselnd durchgefallen“, erinnert er sich und lacht. Und doch hat er sich seinen Traum erfüllt und an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg studiert. Mit ihm im Jahrgang sechs Männer und vier Frauen, aus Ost und West, erinnert er sich. Es gab 600 Bewerber auf diese zehn Plätze.

Seit zwölf Jahren ist Mathias Lodd Schauspieler, hat in Köln, Darmstadt und Freiburg auf der Bühne gestanden. Sich dann in Graz beworben, und nie geglaubt, dass es klappt. Seit Sommer 2016 gehört er zum 18-köpfigen Stammensemble aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, bei Regie wie Akteuren. Die andere Sprache „gefällt mir extrem, sie ist mehr als gedacht ungarisch geprägt“. So manches hat sich Mathias Lodd inzwischen gern angenommen, wie den Gruß „Ba Ba“, Karfiol für Blumenkohl oder Erdäpfel für Kartoffeln. Auf der Bühne wird Hochdeutsch gesprochen. „Die Österreicher definieren sich viel mehr als wir über ihre Sprache. Da schwingt aber noch das einstige Kaiserreich mit. Ich habe das Gefühl, das kleine Land hängt dem mit Wehmut nach. Wir, die Deutschen, sind hier die Piefkes, Besserwisser vielleicht“, man sollte es deshalb nicht raushängen lassen, „sondern allen mit Respekt begegnen.“ So könne man sich in der Steiermark sehr wohlfühlen.

Hier hat Mathias Lodd seine Wohnung. Hier legt er bei schönem Wetter gern mal auf der Terrasse die Beine hoch. Meist am Nachmittag. Denn von 10 bis 14 Uhr ist Probe, ab 19 Uhr Vorstellung. Hier lernt er auch seine Texte, stundenlang, hochkonzentriert. Ob er Angst hat, etwas zu vergessen? „Angst ist immer da, Angst etwas zu verdrehen. Die muss man jeden Abend überwinden, jeden Abend neu bekämpfen“. Deshalb sei man auch hinterher ausgepowert, wenn das Adrenalin weicht. „Die Illusion der Figur entsteht im Kopf der Zuschauer.“ Das zu schaffen, ist Aufgabe des Schauspielers. Und hinterher gibt es natürlich Applaus, der „gehört dazu wie Licht und Puder“. Für Lodd markiert er eher das Ende des Stücks. „Mir ist wichtig, dass die Gesamtleistung des Ensembles gewürdigt wird.“

Als „Schauspiel-Erlebnis des Jahres“ haben Medien die Premiere am 10. Juni bedacht. Derweil probt Mathias Lodd schon am nächsten Stück und steht parallel in „Orlando“ und „Der gute Gott von Manhatten“ auf der Grazer Schauspielbühne. Das Haus brachte in diesem Jahr 24 Stücke heraus. Dass in Deutschland Gelder für Theater oft gekürzt werden und sich die florierende Stadt Oranienburg nicht auch eine kleine Bühne leistet, kann Mathias Lodd nicht ganz nachvollziehen. „In Österreich ist der Schauspieler ein geschätzter Beruf, der Kulturschaffende gilt etwas im Land.“ Er selbst ist angestellt beim Schauspielhaus. „Und die Grazer honorieren unsere Arbeit.“ Das Schauspielhaus ist für den 38-Jährigen eine weitere Station in seinem Beruf. Ob es die Endstation ist, werde er mit 70 wissen, „auf jeden Fall ist es eine schöne Station“.

Seinem Beruf kann Lodd nur Gutes abgewinnen: Man komme rum, lernt Menschen kennen. Und wenn mal der Job nicht ruft, radelt er gern durch das grüne Herz Österreichs, wie die Steiermark genannt wird.

Am Sonnabendabend steht er wieder in den Kasematten auf der Bühne.

Von Heike Bergt

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