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Angst um Kinder und Flüchtlinge

Notunterkunft in Schildow Angst um Kinder und Flüchtlinge

Der Plan, kurzfristig 100 Flüchtlinge in einer Notunterkunft in Schildow zu beherbergen, sorgt für Unsicherheit und Unmut bei Eltern von Kindern der benachbarten Grundschule. Das wurde bei einer Informationsveranstaltung deutlich, zu der am Montagabend rund 800 Menschen nach Mühlenbeck kamen.

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Die Mensa der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbeck war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor der Tür verfolgten ebenfalls zahlreiche Menschen die Informationsveranstaltung via Lautsprecher.

Quelle: Helge Treichel

Mühlenbecker Land. Sie wollten sich informieren lassen, ihre Meinung sagen und sie forderten eine Garantie von den Politikern, dass keine Gefahr für ihre Kinder besteht: Rund 800 Menschen besuchten am Montag eine Informationsveranstaltung zum Thema Asyl in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbeck. Allerdings passte nur etwa die Hälfte der Zuhörer in die dafür vorgesehene Mensa.

Zahlreiche Menschen verfolgten die Veranstaltung vor der Tür, weil die Plätze drinnen nicht ausreichten

Zahlreiche Menschen verfolgten die Veranstaltung vor der Tür, weil die Plätze drinnen nicht ausreichten.

Quelle: Helge Treichel

Die Massen wurden von der Nachricht mobilisiert, dass der Landkreis bei der Unterbringung von Flüchtlingen erstmals auf eine Notunterkunft angewiesen ist. Im Bürgersaal in Schildow sollen 60, in der alten Einfeldsporthalle der benachbarten Europagrundschule, wo es die nötigen Duschen gibt, weitere 40 Flüchtlinge vorübergehend einquartiert werden. Unterricht müsse dafür

Gemeindevorsteher Harald Grimm (SPD) hatte draußen vor der Tür Fragen gesammelt, die er drinnen vortrug und beantworten ließ

Gemeindevorsteher Harald Grimm (SPD) hatte draußen vor der Tür Fragen gesammelt, die er drinnen vortrug und beantworten ließ.

Quelle: Helge Treichel

nicht ausfallen, versicherte Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD). Mit emotionalen, sehr persönlichen Redebeiträgen machte der Verwaltungschef deutlich, wie kurzfristig sich die Ereignisse überschlugen, wie zeitnah er dennoch informierte und welche Erwägungen eine Rolle spielten. Bewusst sei auf die Nutzung der Dreifeldsporthalle in Mühlenbeck verzichtet worden, weil dort der Sportunterricht von 860 Gesamtschülern beeinträchtigt wäre. Und auch der Vereinssport wäre viel stärker betroffen als in Schildow. Alternativ habe der Mönchmühlenverein zudem die unentgeltliche Nutzung des dortigen Saales für Veranstaltungen angeboten, beschwichtigte der Bürgermeister.

Doch die teilweise sehr aufgeheizte Stimmung im und vor dem Saal war von der Grundthese getragen, die Flüchtlinge würden eine Bedrohung für die Europagrundschüler darstellen. Das gipfelte in zwei wesentlichen Fragen: „Wer schützt unsere Kinder?“ „Wer gibt uns eine Garantie, dass die Asylanten nicht über unsere Kinder herfallen?“

Den darin enthaltenen Vorurteilen begegnete der Chef der Polizeiinspektion Oberhavel, Lars Borchardt, mit der Statistik der aufgenommenen Straftaten: Die allermeisten Vorfälle seien Streitigkeiten innerhalb der

Landrat Ludger Weskamp (SPD)  redet Klartext

Landrat Ludger Weskamp (SPD) redet Klartext: zum Thema Sicherheit: „Wir haben in Brandenburg eine misslungene Polizeireform hinter uns. Und wir haben einen Innenminister, der das verstanden hat.“

Quelle: Helge Treichel

Gemeinschaftsunterkünfte. Hinzu kämen vereinzelte Ladendiebstähle. Einen Stand von null weise die Oberhavel-Polizeistatistik im Bereich der Sexualdelikte aus, betonte Borchardt: „Null!“ Das Gerücht, wonach vor einer Asylunterkunft drei Mädchen vergewaltigt worden seien, „stimmt nicht“. In jeder Gemeinschaftsunterkunft gebe es einen Wachschutz und ein Sicherheitskonzept.

Die Frage einer Sicherheitsgarantie griff Landrat Ludger Weskamp (SPD) auf: Er könne keine Garantie für die Flüchtlinge geben – allerdings auch für keinen anderen Bewohner des Landkreises. Bürgermeister Smaldino-Stattaus wies darauf hin, dass die Asylbewerber „nicht aus der Haftanstalt Tegel entlassen“ seien. Es handle sich nicht um Straftäter. Vielmehr seien genauso viele gute und schlechte Menschen darunter wie überall auf der Welt. Und: Auch seine eigenen Kinder gingen in Schildow zur Schule.

Ihr hätten „fast die Ohren geblutet von dem braunen Müll, den ich draußen hören musste“, sagte eine Rednerin. Eine andere gestand, dass sie sich angesichts der Stimmung mehr um die Flüchtlinge sorge als um die Kinder.

Informationen von Fachleuten

Es wird weiter dringend nach Unterkünften für Asylbewerber und Flüchtlinge gesucht. Als Fachbereichsleiter Johannes Kühl die Kontaktadresse nennt (info@oberhavel.de), erklingt höhnisches Gelächter.

„Ich bin für Ihre Sicherheit zuständig“, beginnt der Leiter der Polizeiinspektion Oberhavel seinen Redebeitrag. Er bittet darum, sich mit Fragen und Problemen an die Polizei zu wenden.

„Alle die hierherkommen, sind untersucht“, sagt Amtsarzt Christian Schulze. Ansteckende Krankheiten würden in den Erstaufnahmeeinrichtungen festgestellt.

Vor allem mit Ruheständlern werde der zusätzliche Bedarf an Sprachunterricht und Lehrern an den Schulen mit Flüchtlingskindern gedeckt, sagte Schulrat Harald Schmidt: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Von Helge Treichel

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