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Angst um die eigenen vier Wände

Sachsenhausen Angst um die eigenen vier Wände

Weil es kein Wohn-, sondern nur ein Gartengrundstück ist, sollen Marion Haberland und Lothar Zeuch das Grundstück im Försterweg 22 in Sachsenhausen innerhalb eines halben Jahres verlassen. Sie sind aufgelöst und hoffen, dass sich das Blatt noch wendet.

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Rundum Wohnhäuser, nur ihr Häuschen soll auf Gartenland stehen und muss deshalb abgerissen werden.

Quelle: Heike Bergt

Sachsenhausen. Marion Haberland und Lothar Zeuch haben vor allem eines: Angst, bald kein Dach mehr über dem Kopf zu haben. Denn wie ein Damoklesschwert hängt die Forderung des Bauordnungsamtes über ihnen: Innerhalb eines halben Jahres ihr Haus im Försterweg 22 zu verlassen. Per Bescheid vom 3. Februar 2017 wurde ihnen „die Nutzung des Gebäudes zu jeglichen Zwecken untersagt“. Dagegen können sie Widerspruch einlegen. Das haben sie jetzt getan.

Seit 20 Jahren lebt Marion Haberland im Försterweg 22. Ein schlichtes, kleines Häuschen im Bungalowstil. Im Umfeld stehen ausschließlich feste, zum Teil auch große Wohnhäuser. Eine attraktive Wohnlage direkt am Waldrand. Marion Haberland lebte dort bis 2009 zusammen mit ihrem damaligen Lebenspartner. „Wir hatten bauliche Veränderungen vor, weil er im Rollstuhl sitzen musste. Hatten einen Bauantrag gestellt.“ Doch der Lebenspartner starb. Aus den Bauplänen wurde nichts. Da er sie offenbar abgesichert wissen wollte, ließ er ein „Nießnutzbrauchsrecht auf Lebenszeit notariell beglaubigen, auch als Dank, ich habe ihn lange gepflegt. Ich habe mich darauf verlassen.“

Als Marion Haberland und ihr heutiger Lebenspartner Lothar Zeuch 2015 einen Carport anbauten, brachte das Genehmigungsverfahren den Stein ins Rollen. Dabei stellte die Baubehörde fest: Es handele sich nicht um ein Wohngrundstück, sondern um ein Wochenendgrundstück mit darauf errichteter Gartenlaube. „Die Nutzung als Wohnhaus ist rechtswidrig, darauf wurde bereits 2014 hingewiesen“, so Kreissprecher Ronny Wappler. Auch die Voraussetzungen, einen Bauantrag positiv zu bescheiden, seinen damals wie heute nicht gegeben.

Anfang Februar kam nun die Aufforderung, das Grundstück zu räumen. „Ansonsten droht ein Strafe von 300 Euro für jeden von uns“, so Marion Haberland. Die Frau, die in der Behindertenpflege arbeitet, verstehe die Welt nicht mehr: „Wir haben Grundsteuer bezahlt, Reparaturen am Haus ausgeführt. Wohnungen gibt es ja keine, wenn wir hier raus sollen, aber wohl bald zwei Obdachlose mehr“, sagt sie und kann die Tränen kaum zurückhalten. Sie vermutet, dass das Grundstück für eine Bebauung freigeräumt werden soll. Denn der Grund und Boden – rund 650 Quadratmeter – auf dem das kleine Häuschen steht, gehöre der Erbengemeinschaft ihres frühere Lebenspartners. „Kaufen können wir selbst nicht.“ Sie hoffe immer noch auf ein Wohnrecht auf Lebenszeit.

„Bereits der Bauantrag 2009 für Veränderungen wurde abgelehnt“, erinnerte Kreissprecher Ronny Wappler, auch wenn das damals nicht zum Tragen kam. Im November 2014 sei in mehreren Gesprächen mit dem Paar auf die rechtswidrigen Nutzungsänderung hingewiesen worden, „und ihnen in Gesprächen die Rechtslage erläutert worden. Die beigebrachten Unterlagen konnten nicht die rechtmäßige Errichtung beziehungsweise Nutzung als Wohnhaus belegen.“ Nun sei die „sofortige Vollziehung angeordnet worden.“

Was das Nießbrauchsrecht betreffe, erläutert Ronny Wappler, handele „es sich um ein im Grundbuch verankertes Nutzungsrecht. Die Nutzung des Gebäudes kann selbstverständlich nur im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen erfolgen. Und da die Nutzung des Gebäudes zu jeglichen Zwecken untersagt wurde, kann das Nießbrauchsrecht schlichtweg nicht zur Entfaltung kommen“.

Marion Haberland und Lothar Zeuch sind ziemlich am Boden: „20 Jahre haben wir hier niemanden gestört. Nun sollen wir verschwinden.“ Ihre Hoffnung gilt nun dem betrauten Rechtsanwalt, ob er ihnen helfen kann. Es bleibe die Unsicherheit und die Angst, im Herbst kein Dach mehr über dem Kopf zu haben.

Marion Haberland erwähnt noch, dass sie jetzt im Katasteramt ins Grundbuch Einsicht genommen habe: „Dort steht unser Häuschen als eingetragener Wohnraum.“ Ein Funken Hoffnung keimt in ihr, dass das Blatt doch noch zu wenden ist.

Von Heike Bergt

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