Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Angst vor einer "Riesenklinik"

Heimprojekt am Summter See umstritten Angst vor einer "Riesenklinik"

Für die einen ist es eine Chance, für die anderen ein angstbesetzter Störfaktor: Auf dem Gelände der ehemaligen Schönheitsfarm am Summter See soll ein Altenpflegeheim mit 140 bis 150 stationären Betreuungs- und Therapieplätzen entstehen.

Summt. Die Bauruine war dafür vor drei Jahren von der Heimverwaltungs- und Vermietungsgesellschaft mbH (HVVG) aus Hamburg erworben worden. In einer gemeinsamen Sondersitzung von Bau-, Sozial- und Umweltausschuss am Montagabend stellte Geschäftsführer Wilhelm Kuhrt die Pläne vor. Danach könnten zusätzlich zu den stationären Plätzen auch 35 altengerechte Wohnungen entstehen.

Diese allerdings sind im bisherigen Entwurf des Bebauungsplans noch gar nicht aufgeführt, weshalb das Angebot wie ein Zugeständnis an die Kritiker klingt. Nach den Worten von Gemeindevertreter Peter Witte (SPD) nämlich stoße betreutes Wohnen auf Wohlwollen. Das gelte vor dem Hintergrund, dass es im Ort keine Seniorenbetreuung gibt und die Investruine am See schon lange ein Ärgernis ist. Geplant werde jetzt jedoch eine "Riesenklinik" mit erheblichem Pflege- und Betreuungspersonal und täglich zahlreichen, lärmintensiven Fahrzeugbewegungen. Und so fasste Witte seine Bedenken in einem Satz zusammen: "Ein solch gigantisches Projekt hat in dieser Ecke von Sumt nichts zu suchen!" Dafür gab’s Beifall von den knapp 40Gästen aus Summt. Mehrere von ihnen nutzten die Gelegenheit, ihre Ängste, Sorgen, Bedenken und Vorbehalte mit eigenen Redebeiträgen auszudrücken und Fragen zu stellen. Vor allem wurde die geplante Anzahl von 20Fahrzeugstellplätzen als zu gering bemängelt.

Es gab jedoch auch Stellungnahmen von Gemeindevertretern, die das Projekt überwiegend als positive Chance betrachten. Für Werner Haberkern (Freie Wähler) stehe die Grundsatzfrage, "ob so etwas für unsere Senioren gewollt ist oder nicht?"Betreutes Wohnen sei für ihn "ein wesentlicher Faktor". Der Bedarf sei sicher vorhanden. Haberkern verglich das Projekt mit dem Berufsförderungswerk in Mühlenbeck, wo es zunächst auch große Vorbehalte gegeben habe. Das Bedürfnis der Bewohner, sich vom Heim wegzubewegen, gehe gegen null. Und der Investor könne den Ausbau der Dammsmühler Straße übernehmen. Thorsten Friedrich (FDP) nannte die befürchteten Zahlen des Fahrzeugverkehrs "überzogen". Das Heim in Bergfelde habe zwölf Stellplätze und eine noch schlechtere Kopfsteinpflasteranbindung. Das sollte man sich anschauen, bevor ein "Angstgebäude" aufgebaut werde. "Ich sehe nicht ein, dass pflegebedürftige Menschen im Mühlenbecker Land und Summt nicht willkommen sein sollen", sagte Günter Pioch (Die Linke). Er warnte davor, eine "einmalige Chance" zu vertun.

Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus kündigte an, hinsichtlich der Realisierbarkeit gemeinsam mit den Bürgern "genau hinzuschauen" in dieser "hochsensiblen Angelegenheit". Bauamtsleiter Hanns-Werner Labitzky erinnerte an den Stand des Verfahrens: Derzeit stehe die Gemeindevertretung vor der Entscheidung, ob ein Beteiligungsverfahren für den B-Plan-Entwurf ausgelöst wird. Kommt es dazu, sei das eine weitere Gelegenheit, Bedenken zu äußern. Außerdem verwies Labitzky auf die bisherigen Gespräche auf Landesebene. Das habe zu einem kompakteren Baukörper geführt. Die Naturschutzbehörde habe zudem klargemacht, dass es keine Bebauung über das jetzige Baufenster hinaus geben werde.

Laut Fazit des Bauausschussvorsitzenden Hartmut Lackmann habe sich die verkehrliche Situation als Hauptproblem herauskristallisiert. Der Investor habe deshalb eine Verkehrsprognose zugesagt. Zudem müsse ein Parken außerhalb des Klinikgeländes ausgeschlossen werden. Und es müsse einen Interessenausgleich geben, fasste Lackmann mit Blick auf den Ausbau der Zufahrt zusammen. Auf Interesse stieß die Einladung Kuhrts, eines seiner vier Berliner Heime zu besichtigen.

Von Helge Treichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg