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Mit dem Packesel um den Roofensee

Wandern mit Tieren im Naturpark Stechlin Mit dem Packesel um den Roofensee

Finanzbeamte bekommen es da mit sturen Eseln zu tun. Die Ziegen tanzen schon mal aus der Reihe und die Lamas können spucken. Wanderungen mit der bunten Herde von Steffen Schindel bieten Erholungs- und Erlebniswert. Beim „Animal Trekking“ haben Teilnehmer die Zügel in der Hand.

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Eine Herde in freier Wildbahn

Der etwas andere Betriebsausflug: Finanzbeamte aus Oranienburg wandern mit Packtieren um den Menzer Roofensee

Quelle: Uwe Halling

Lindow/Nauen. Wer mit wem? Das ist bei Steffen Schindel immer die erste Frage. Bevor der Wanderführer aus Nauen seine ungewöhnliche Herde in Gang bringt, werden möglichst harmonische Paarungen zwischen Mensch und Tier ausgelotet. Wer nimmt wen an die Leine, welches Gemüt passt zum Lama, welches zum Muli und welches zur Ziege. Steffen Schindel ist auch ein Menschenkenner.

Mit dem Oma-Esel, der einen gemächlichen Schritt hat, kommt so ziemlich jeder zurecht und auch der größte Hektiker findet an dessen Seite einen Moment Ruhe. Die frechen Ponys brauchen dagegen eine feste Hand. Sonst galoppieren sie unterwegs aus der Reihe. Und auch Ziegen können sehr eigenwillig sein. „Die Tiere testen schon genau, mit wem sie was machen können“, sagt Schindel.

An die Lamas traut sich meist keiner ran. Steffen Schindel glaubt, das liegt am Exotenstatus. „Dabei sind die Lamas tolle Begleiter“, sagt Schindel nach einer mehrstündigen Tour um den Menzer Roofen. 18 Finanzbeamte, darunter einige „Wiederholungstäter“, führte er um den See. Der Betriebsausflug der Oranienburger Abteilung war lebhaft, nicht so ruhig wie sonst. „Es waren viele weibliche Teilnehmerinnen dabei. Da wurde etwas mehr gesprochen als der Minimaldialog“, sagt Schindel. Er kennt das auch anders. Viele Leute werden an der Seite seiner Tiere ruhiger. Manche unterhalten sich ausschließlich mit ihrem vierbeinigen Begleiter und vergießen Tränen, wenn sie Tier und Leine wieder hergeben müssen. Es kommt selten vor, dass unterwegs einer quenglig wird und zwischendurch fragt, wann denn das Ziel erreicht sei.

Schindels Führungen haben Erlebnis- und Erholungswert. In Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und im Havelland bietet der 50-Jährige seit drei Jahren „Animal Trekking“ an. Viele seiner Touren führen durch den Naturpark Stechlin. Dort absolvierte Schindel auch seine Ausbildung zum Landschaftsführer und spezialisierte sich auf Tierwanderungen. Die Idee dazu verfolge ihn schon ewig. Und nun war der Weg dorthin nicht mehr weit. Im Hauptberuf ist er Landwirt, bewirtschaftet unter anderem die Insel im Gudelacksee in Lindow, und mit Tieren kann er sowieso gut. Also stellte er Vierbeiner ein und gewöhnte sie an das Satteln und an das Seil. Die Herde ist inzwischen auf über 30 gewachsen, ein bunter Haufen.

Drei der vier Ziegen sind derzeit einsatzfähig, eine ist noch fußkrank. Von den sechs Lamas können immer nur einige mit, weil die sich sonst untereinander in die Wolle kriegen. Die Hengste müssen generell getrennt gehen, bei den Stuten kommt es auf die Verfassung an. Sechs Ponys und acht Esel sowie zwei kaukasische Schäferhunde zum Herdenschutz komplettieren die Mannschaft. Von den fünf Mulis ist erst eines einsatzbereit, die anderen müssen noch „leinenführig“ werden. Schindel bildet seine „Mitarbeiter“ selbst aus. Dabei helfen Freunde und manchmal auch Freiwillige. „Wir müssen mit mehreren Leuten die Trekking-Situationen durchspielen“, erklärt Schindel. Im Juli steht das nächste Wassertraining auf der Insel an. Drei Tage lang arbeiten er und seine Helfer dann mit den Tieren direkt im See, um ihnen die Scheu vor dem Wasser zu nehmen. Sie sollen vorbereitet sein. Auf der Abenteuertour, die Schindel anbietet, müssen Wanderer und Tiere mehrfach den Rheinsberger Rhin queren. Während die Lamas problemlos durchs Wasser gehen, kommt das Element bei den Eseln gar nicht vor. Auch für Pferde ist das nicht selbstverständlich.

Bei der Tour um den Roofensee bockte eine Eselstute vor einer Brücke, ging keinen Schritt mehr weiter. „Ihr fehlt wohl das Vertrauen in die Finanzbeamten“, scherzte Schindel vor seiner Gruppe und flüsterte der Dame was ins Ohr. „Ich habe ihr gesagt, dass das so ist als würde sie in den Anhänger laufen. Nichts Gefährliches.“ Danach ging der Esel ziemlich zielstrebig über den Steg. Die Freude über dessen Folgsamkeit wehrte allerdings nicht lange. Vor der nächsten, diesmal wirklich klapprigen, hohlen und schmalen Brücke, machte die Eselin wieder Halt. Diesmal half auch kein Gut-Zureden vom Chef. Da blieb nur: anschieben. „Wir lassen niemanden zurück“, betont Schindel. Bis jetzt seien alle wieder heimgekehrt. Ein Esel hatte sich bei Regenwetter mal verlaufen und die Ziegen hatten mal die Nase voll und schwirrten ab in den Wald. Da die meistens in der Mitte traben, blieb das nicht unbemerkt. Ganz hinten in der Wanderkette laufen für gewöhnlich die Lamas. Die mögen nichts hinter sich haben. „Sie sind noch mehr Wildtier als die anderen. Aber sonst am unkompliziertesten von allen und auch nach 20 Kilometern noch hellwach“.

Steffen Schindel bringt es auf einige hundert Kilometer Fußmarsch im Jahr. Auch wenn die Nachfrage vor allem im Sommer steigt, so streckt sich die Saison doch über das ganze Jahr. Gewandert wird auch im Winter. Dem Rat seines Arztes, nach einer Fußverletzung mal die Beine hoch zulegen, kann Steffen Schindel deshalb nicht folgen. Die Tiere sind gesattelt.

Von Cindy Lüderitz

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