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Anmut und Eleganz, gepaart mit Ironie

Künstler aus Glienicke Anmut und Eleganz, gepaart mit Ironie

Der Maler und Grafiker Wolfgang Würfel stellt im Dresdner Kinderzentrum aus. Für den Künstler selbst geht es darum, noch einmal zu erleben, wie sehr er es versteht, mit seinen Arbeiten die Menschen zu berühren.

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Wolfgang Würfel und seine Zirkusreiterin.

Quelle: Karl Pfitzmann

Glienicke. Der Maler und Grafiker Wolfgang Würfel ist in der glücklichen Lage, die Ernte seiner Künstlertätigkeit einzufahren. Das erlebten er und seine Anhänger im vorigen Jahr, als der Künstler anlässlich seines 80. Geburtstages nicht nur in seinem Heimatort Glienicke, sondern auch in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin ausstellte und hoch geehrt wurde.

Wolfgang Würfel meinte, sich damit aus der Öffentlichkeit verabschieden zu können, ohne allerdings Pinsel, Stichel oder Feder aus der Hand zu legen.

Doch nun sind sie wieder unterwegs, seine liebenswerten Gestalten aus Büchern wie Werner Heiduczeks "Dulittls wundersame Reise" oder "Vom Hahn, der auszog, Hofmarschall zu werden", Gerd Prokops "Wie der Igel seine Stacheln verkaufte", Jewgeni Schwarz "Märchen von der verlorenen Zeit", E.T.A. Hoffmanns "Meister Floh", Joachim Ringelnatz "Kleine Wesen" und viele andere. Auch seine "Zirkusreiterin" ist dabei. Auf einem Bein balancierend reitet sie auf einem Schimmel durch eine angestrahlte Fantasiewelt. Elegant der trabende Schimmel, fast schwebend das kleine Mädchen. Anmut und Eleganz, oft gepaart mit kecker Ironie, filigraner Ausdruckskraft oder augenzwinkernder Lebensweisheit, so sind die Attribute Würfelscher Bildkunst.

Über die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek, Carola Pohlmann, wandte sich Gerhard Tietze, Grafiksammler und Ausstellungsorganisator des medizinischen Kinderzentrums Dresden-Friedrichstadt an Wolfgang Würfel mit der Einladung zu einer Präsentation seiner Kinderbuchillustrationen. Damit würde er sich in eine Phalanx einbinden, zu der so bekannte Künstler wie Werner Klemke, Klaus Ensikat, Elisabeth Shaw oder Manfred Bofinger gehören. In eine Ausstellungsreihe, die seit 2000 im Foyer des Kinderzentrums, auf den Fluren und in einzelnen Zimmern gepflegt wird.

Wolfgang Würfel sagte zu, unterzog sich der immensen Arbeit, zusammen mit seiner Frau Karin über 70 Arbeiten auszuwählen und für die Ausstellung vorzubereiten. "Ohne meine Frau", so versichert er, "hätte ich das nicht mehr geschafft."

Nun also hängen die Würfelchen Exponate in Dresden, in einem Gebäude, das sich mit verschiedenen Arztpraxen speziell um die Gesundheit der Kinder kümmert. Es herrscht also ständige Bewegung in diesem Haus, manchmal sicherlich von Ängsten dominiert. Da dürfte ein Blick auf die Bilder von Wolfgang Würfel ablenkend wirken.

Für den Künstler selbst geht es darum, noch einmal zu erleben, wie sehr er es versteht, mit seinen Arbeiten die Menschen zu berühren. Die waren zur Ausstellungseröffnung zahlreich erschienen, zeigten Aufgeschlossenheit und Aufmerksamkeit für die verschiedenen Techniken, mit denen Würfel mehr als 160 Bücher, zumeist für Kinder, illustrierte.

Laudatorin Carola Pohlmann, die ihre Rede in Abwesenheit vorlesen ließ, würdigte Würfels Technik-Vielfalt und deren souveräne Beherrschung. Ob die heute seltene Kunst des Holzschnittes, die der Schabtechnik, die Federzeichnungen oder die Ölgrafiken, Würfel sei ein Meister "spannungsreicher, dynamischer Darstellungen". Vor allem seine Ölgrafiken wären von "verführerischer Farbtiefe und -brillanz, mit kaum einer anderen Technik vergleichbar". Dabei, so vergaß Pohlmann nicht zu erwähnen, hätte sich Würfel zwar stets an die Textebene gehalten, habe ihr aber gleichzeitig eine eigene Dimension in der Bildererzählung hinzugefügt. Genau die, womit er mehrere Generationen von Kindern zu animieren, zu unterhalten und ihnen vor allem aber ein Stückchen Frohsinn zu vermitteln wusste.

Zu seinen Bewunderern gehört Gerhard Tietze, der mit seiner Tochter Sylvia die Anordnung der Bilder nicht nur "generalstabsmäßig" vorbereitet hatte, sondern sich glücklich schätzte, den bewunderten Künstler in Dresden begrüßen zu können.

Wolfgang Würfel, der sein umfangreiches Werk in vielen Einzel- und Sammelausstellungen, auch im Ausland, präsentierte, dessen Arbeiten vielfach ausgezeichnet wurden, bezeichnet diese Ausstellung möglicherweise als seine letzte. Vor allem aber als eine seiner schönsten. Weil ihm die Besucher zur Vernissage so aufgeschlossen entgegenkamen und weil der Rahmen so würdevoll gestaltet war.

Von Rotraud Wieland

Information

Die Ausstellung "Bilder für das Kinder- und Jugendbuch. Illustrationen, freie Grafik und Vignetten von Wolfgang Würfel" ist noch bis zum 17. Oktober werktags von 8 bis 17 Uhr im Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt, Friedrichstraße 38/40, zu sehen.

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