Volltextsuche über das Angebot:

24°/ 11° wolkig

Navigation:
Anonyme Hetzkampagne gegen Asylbewerber

Erfundene Diebstahlserie erregt Gemüter in Oranienburg Anonyme Hetzkampagne gegen Asylbewerber

In Oranienburg schrecken Anwohner nicht davor zurück, Asylbewerber anonym und offensichtlich völlig zu Unrecht anzuschwärzen. Es geht um eine angebliche Diebstahlserie in einem Supermarkt. Die Anschuldigungen kursieren im Internet und zeigen, wie eine Debatte aus dem Ruder laufen kann. MAZ-Redakteur Helge Treichel hat dazu eine klare Meinung.

Voriger Artikel
Die Barockreiterin
Nächster Artikel
Birkenwerder wählt neuen Bürgermeister

Oranienburg. In den vergangenen Tagen hat sich Matthias Henning (SPD), Ortsvorsteher von Lehnitz, einiges zum Thema Asylbewerber anhören müssen. Der Gipfel sind aber jetzt vier E-Mails, die in seinem persönlichen Postfach landeten und mit einem Link versehen sind. Der Inhalt ist besonders brisant.

Auf einer Internetplattform findet sich die anonyme Zuschrift eines Bewohners aus dem Landkreis Oberhavel, der aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, dass Bewohner aus dem Asylbewerberheim in Lehnitz im Rewe-Supermarkt stehlen, ohne dafür belangt zu werden, selbst wenn man sie dabei erwischt. Den Schaden für Rewe würde das Landratsamt bezahlen, berichtet der anonyme Schreiber weiter. Das Landratsamt hätte außerdem Rewe darum gebeten, die Polizei nicht einzuschalten, stattdessen würde die Kreisbehörde für den Schaden aufkommen.

Der Schreiber behauptet, die örtlichen Medien und die Stadtverwaltung von Oranienburg würden dazu schweigen. Derlei Anschuldigungen werden auf mehreren Plattformen verbreitet, weiß Matthias Henning. "Ich bin persönlich darauf angesprochen worden."

Der Filialleiter des Rewe-Marktes in der Lehnitzstraße hat eine prompte Antwort: "Das ist totaler Unfug." Mindestens 20 Anrufe von besorgten Bürgern hätte er dazu in den letzten Tagen bekommen, schildert Andreas Lück. Und allen habe er dieselbe Antwort gegeben. Die Leute sollten doch nicht immer alles glauben, was da verbreitet wird. Eines kann Lück mit Bestimmtheit sagen: "Wir hatten bisher noch keinen Diebstahl seitens eines Asylbewerbers, den wir bemerkt haben." Und selbst wenn, "würden wir jeden gleich behandeln, bei uns gibt es keine Unterschiede zwischen den Kunden", stellt Andreas Lück klar. "Bei uns wird jeder angezeigt, der klaut." Für den Filialleiter liegt die Sache auf der Hand: "Für mich ist das eindeutig eine Hetzkampagne." Was er schon selbst in seiner Filiale erlebt hat, sind Kunden, die sagen, sie fänden es nicht schön, dass Asylbewerber bei Rewe einkaufen. "Diese Kunden werden von mir gebeten, ganz genau zu überlegen, was sie hier sagen", meint der Rewe-Chef.

Kommentar von Helge Treichel

Vorsicht Rattenfänger!

Bereits öfter sind mir haarsträubende Geschichten über Asylbewerber begegnet. Bei den Abendspaziergängen in Oranienburg behauptete ein rechtsextremer Redner, Spenden würden nicht wertgeschätzt und Frauen schlecht behandelt. Und im Internet verbreitet sich nun der Link zu einem Beitrag, laut dem Lehnitzer Asylbewerber bei Rewe stehlen – und die Behörden (sowie die örtlichen Medien) würden schweigen und das unter den Teppich kehren. Einfache Nachfragen entlarven letztere Behauptungen als schamlose Propaganda-Lügen. So wird geschickt Stimmung gemacht gegen Ausländer! Gehen Sie den Rattenfängern nicht auf den Leim!

Dass der Landkreis für Diebstahlschäden aufkommen würde, sei genauso unsinnig. Das sagte Kreissprecher Ronny Wappler auf Nachfrage. "Das entbehrt jeder Grundlage, so eine Regelung wird es nie geben", sagt Wappler mit Nachdruck. Ganz abgesehen davon, würde eine solche Absprache gegen geltendes Recht verstoßen. Das sei alles völlig absurd.

Die Konzernzentrale von Rewe hatte sich zu dem Thema auch bei der Kreisverwaltung gemeldet. Es werde wirklich alles ins Feld geführt, um die Leute gegen Asylbewerber aufzubringen, ist Ronny Wappler erbost. "Wer solche Sachen behauptet", sollte wenigstens so viel Mumm haben und seinen Namen nennen.

Würden Diebstähle unter der Decke gehalten, so sei das "Strafvereitelung", sagte Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Es werde geprüft, ob Ermittlungen eingeleitet werden ‒ wegen Verleumdung und übler Nachrede.

Auf dem ehemaligen Kasernengelände in Lehnitz sind derzeit 216 Asylbewerber untergebracht. Der Landkreis spielt offenbar mit dem Gedanken, 400 weitere Plätze für Asylsuchende auf dem Kasernengelände zu schaffen.

Von Andrea Kathert und Helge Treichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg